Die Fluglärmgegner wittern im Kampf um eine längere Nachtruhe am Euro-Airport Basel-Mulhouse (EAP) Morgenluft. Beflügelt werden sie von neuen Forschungsergebnissen, die auf ein höheres Herzinfarktrisiko wegen Fluglärm hinweisen als bisher angenommen.

Auch wäre eine Ausdehnung des Nachtflugverbots von heute 24 bis 5 Uhr auf 23 bis 6 Uhr zumindest für den Passagierverkehr keine Katastrophe. Darauf lassen neben einer vom EAP in Auftrag gegebenen sozioökonomischen Impaktstudie von 2009 auch jüngste Aussagen von Platzhirsch Easyjet schliessen.

«Das habe ich so nicht gesagt»

Der Allschwiler Gemeinderat Robert Vogt zitiert in der bz vom Mittwoch Aussagen von EAP-Direktor Matthias Suhr an einer Veranstaltung des Schutzverbands, wonach eine Verlängerung des Nachtflugverbots wirtschaftlich keine gravierenden Folgen für den Flughafen hätte. Diese – freilich kolportierte – Aussage wird nun aber vom Flughafen zurückgewiesen: «Ich erinnere mich an die Veranstaltung. Doch das habe ich so nicht gesagt», betont EAP-Direktor Suhr auf Anfrage. Dass eine längere Nachtflugsperre kaum wirtschaftliche Auswirkungen auf den EAP habe, sei die Meinung des Schutzverbands, sagt Suhr.

Die erwähnte Studie weise indes klar auf negative Konsequenzen hin: Mehr als 1'000 Arbeitsplätze gingen verloren, der Wertschöpfungsverlust betrüge geschätzte 260 Millionen Euro, führt Suhr aus. Laut Studie vor allem wegen eines massiven Bedeutungsverlusts in der Fracht. «Basel würde seine Stellung als eines der wichtigsten Logistikzentren der Schweiz verlieren», ist Suhr überzeugt, fügt aber an: «Wir nehmen die Forderungen der betroffenen Bevölkerung ernst und versuchen, durch gezielte Massnahmen die Lärmbelastung – gerade in den sensiblen Nachtstunden – so gering wie möglich zu halten.»

Die Expressfrachtfirmen sind auf die Randzeiten frühmorgens und spätabends angewiesen. Dies auch, weil sie in globale Logistikketten eingebunden sind. «Ein wichtiger Grund, weshalb wir überhaupt vom EAP aus operieren, sind die heutigen Öffnungszeiten», sagt David Käser, Customer Operations Manager bei DHL. Der deutsche Logistiker ist mit einem Marktanteil von 51,5 Prozent 2015 die Nummer eins der Expressisten am Euro-Airport. DHL beschäftigt in Basel 200 Mitarbeitende, je zur Hälfte in der Verzollung und in der Operation. Letztere Arbeitsplätze wäre bei einer längeren Nachtruhe gefährdet, so Käser.

Grossteil nicht für Basel bestimmt

Abends gehts bei der Expressfracht vor allem um den Export. Müsste DHL den EAP früher verlassen, bedeutete dies, dass die Abholzeiten bei Versendern zeitlich ebenfalls vorverschoben werden. Dies sei «keinesfalls» eine Option für DHL, betont Käser. Am frühen Morgen wird ein Grossteil des Imports abgewickelt: Wichtige Dokumente für Grossfirmen, spezielle Kleinteile für KMU. Der Treiber sei aber der elektronische Detailhandel, sagt Käser. Amazon, Zalando und Co. lassen grüssen.

Ein Grossteil der importierten Expressfracht liefert DHL an Kunden ausserhalb der Region Basel. «Bei einer Verlängerung der Nachtflugsperre am EAP um je eine Stunde müssten wir uns überlegen, von einem anderen Standort aus zu operieren, um geografisch näher an diesen Kunden zu sein», sagt Käser.

Dies hätte auch negative Auswirkungen auf die DHL-Kunden in der Region. Daraus lässt sich auch ableiten: Ein wesentlicher Teil der Expressfracht wird nur wegen der liberalen Öffnungszeiten via EAP abgewickelt und dies, obwohl andere Flughäfen besser lägen. Als alternativer Standort käme in erster Linie Zürich-Kloten infrage. Dort gilt heute eine strengere Nachtruhe als in Basel: von 23 bis 6 Uhr, wie dies die Schutzverbände für den EAP fordern.