Wi«Unser Gehör ‹rechnet› andere Geräusche während eines Gesprächs herunter, was aber sehr anstrengend ist», sagt Urbanist Trond Maag. Und vor allem: Der Lärm, der bleibt. Und durchdringt einen. Macht einen krank, manchmal nur sprichwörtlich – und langfristig manchmal wirklich.

Das will Peter Mohler, Leiter der Abteilung Lärmschutz im Amt für Umwelt und Energie, ändern. Er ist zwar nicht für «unkontrollierbaren» Lärm im öffentlichen Raum zuständig, sondern mit messbaren Grenzwerten vor allem in lärmempfindlichen Räumen beschäftigt – doch auch er betont, was Stadtakustiker Trond Maag sagt: «Jeder kann akustische Verantwortung übernehmen.»

Die Männer stehen auf Kies, daneben türmt sich weiterer Kies, dahinter ragen die Novartis-Bauten in den Himmel. Es ist laut. Autos, Lastwagen, Trams. Hier entstehen ein Park und ein 550 Meter langer Weg am Rhein. Die Bagger lärmen bis zur geplanten Eröffnung des Wegs Ende 2015. Das Problem bleibt: Es ist laut.

Hügellandschaften und Kiesbeläge

Trond Maag geht auf einem Stück Teer. Nur der Lärm von der Nordtangente ist zu hören. Maag wechselt auf Kiesbelag. Und die Akustik ändert sich. Schritte sind im Vordergrund, das Gehör «rechnet» wieder automatisch. Doch: Will man mit der ständigen Flucht auf Beläge, die Schrittgeräusch garantieren, seine Freizeit verbringen? Ist dann alles gut?

Es ist komplexer: «Die Mischung macht akustische Atmosphäre aus», sagt Maag. Das Zauberwort heisse Abwechslung, «damit sich das Ohr immer wieder erholen kann». Bäume, Hügellandschaften, «unsichtbare Hörräume», Reflektoren, Schallzer-streuer. «Alles, was man aufstellt, beeinflusst die Akustik.» Ziel müsste es sein, nach vorne in Richtung Rhein zum Wasser zu hören. Stufen im Wasser am Ufer etwa würden dessen Klang verstärken und «einen alternativen Hörhorizont anbieten», sagt Maag. «Häufig planen Architekten ihre Projekte zu wenig aus der akustischen Perspektive, das Visuelle geht vor.»

Was das Projekt «Undine» betrifft, das am Rhein entsteht, sagt er: «Die Aufgabe ist in akustischer Hinsicht gross.» Weil aus einem Industrieareal, bei dem Lärm naturgemäss dazugehörte, ein Ort der Arbeit und der Freizeit werden soll. Novartis-Mitarbeiter, Familien mit Kindern, Velofahrer, Mittagsschläfer, Lesende. Jeder will auf seine Kosten kommen, keiner will eine Autobahn im Kopf.

Im Projektbeschrieb tauchen einige Begriffe auf, die Maag erwähnte, als er Beispiele für abwechslungsreiches Gestalten nannte. Da ist von Treppen und Rampen die Rede, von gekiesten Aufenthaltsnischen und Kalksteinbändern. Ob die Planer sich aus akustischen Überlegungen dafür entschieden haben, wird aus dem Beschrieb nicht ersichtlich. «Oft stehen Gebäude, Bäume oder Stufen am richtigen Ort», sagt Maag. Zufällige Lärmschutzmassnahmen, quasi.

Das Problem bleibt: Es ist laut. Die Nordtangente-Brücke ist auf der Seite beim St.-Johanns-Park verglast. Die Autos sind dort weniger laut zu hören als auf der Novartis-Seite. Aber: «Beide Seiten zu verglasen, ist lüftungstechnisch und aus Sicherheitsgründen nicht möglich», sagt Mohler. Es klingt nach einem Problem ohne Lösung. Nach einem schönen Ort, der entsteht, den man mit akustischen Massnahmen ein bisschen angenehmer gestalten kann, an dem die Autobahn aber zur Kulisse gehören wird.

Und: Der Ort gehört nach wie vor zur Industriezone. Dort darf es laut sein. Das ist nicht im Sinn von Baudirektor Hans-Peter Wessels: «Wir wollen, dass der Lärm verschwindet.» Der Plan: den bestehenden Nordtangenten-Belag durch Flüsterbelag ersetzen und schalldämpfende Platten an der Decke einbauen. Das Problem: Das Bundesamt für Strassen will erst dann einen neuen Belag, wenn der bestehende sowieso ersetzt werden muss. Und das dauert noch Jahre.

Wichtig sei es nun, trotz nötiger akustischer Sensibilität auch das Visuelle miteinzubeziehen, sagt Maag. Denn: «Das Auge hört mit.»

Podium Stadt hören. Dienstag 29. April, 18.30 Uhr. Ackermannshof. Eintritt frei.

Infos: www.aue.bs.ch/stadt-hoeren