Lärmproblem
Nach Posse um Konzerte: Wie Basel die Open Airs drosselt

Die Basler Verwaltung hat ein detailliertes Kriterienheft erschaffen, um die jährlich rund 300 schallintensiven Freiluft-Veranstaltungen zu beurteilen.

Tobias Gfeller
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Full «House»: Ein Summersprosse-Konzert im Kannenfeldpark.

Full «House»: Ein Summersprosse-Konzert im Kannenfeldpark.

Bild: zVg

Eine halbe Stunde früher die Lautsprecher abstellen, damit die Lärmkontingente des Kantons eingehalten werden. Der Artikel dieser Zeitung über die Posse um die Konzerte der «Summersprosse»-Reihe im Kannenfeldpark sorgte unlängst für Diskussionen. Kurz vor dem Start der Konzertreihe erhielten die Organisatoren um Ernst Mutschler von der Kantonsverwaltung die Nachricht, dass ihnen die Bewilligung für das vierte und letzte Konzert am 18. August entzogen wird, weil damit das Lärmkontingent für den Kannenfeldpark überschritten werden würde.

Deshalb enden nun alle Konzerte eine halbe Stunde früher, damit auch das letzte Konzert durchgeführt werden kann. «Warum besteht für die einzige wie auch einzigartige Naturkonzert- und Theaterarena in Basel ein Lärmkontingent für nur drei Konzerte», sei er kopfschüttelnd gefragt worden, erzählt Mutschler.

Lärmkontingente seien transparent und objektiv geregelt

Die Existenz von Lärmkontingenten und wie diese in Basel angewendet werden, war für viele neu und dementsprechend überraschend. Gemäss Brigitte Meyer, Generalsekretärin des Departements für Wirtschaft und Umwelt (WSU), zu dem auch das Amt für Umwelt und Energie gehört, das für den Lärmschutz und dementsprechende Vorgaben zuständig ist, sind Lärmkontingente transparent und objektiv geregelt. Um die jährlich rund 300 schallintensiven Freiluftveranstaltungen zu ermöglichen und auch die Bedürfnisse der Anwohnerschaft zu respektieren, entwickelte der Kanton das Beurteilungsinstrument für schallintensive Veranstaltungen (BIV). «Damit kann das Amt für Umwelt und Energie Anzahl, Dauer und zulässige Lautstärke von Open-Air-Veranstaltungen auf den verschiedenen Eventplätzen in Basel nach einheitlichen Kriterien beurteilen», erklärt WSU-Generalsekretärin Meyer.

Mit dem BIV werde transparent und entsprechend den örtlich spezifischen Gegebenheiten eines Veranstaltungsplatzes geprüft, wie hoch die zulässige «Jahresdosis» durch Veranstaltungslärm für Anwohnerinnen und Anwohner sein darf.

Im Kannenfeldpark sind andere Faktoren zentral

Für jeden Standort gibt es fünf Faktoren, die entscheiden, wie hoch die «Jahresdosis» Lärm dort sein darf: Lärmempfindlichkeitsstufe, Anwohnerdichte, im Innenstadtperimeter oder ausserhalb, Platzqualität laut, mittel oder leise und die Distanz zwischen Bühne und nächster lärmempfindlicher Nutzung. «Jeder Veranstaltungsplatz bekommt sein eigene Jahresdosis, aber diese Dosis wird überall nach gleichen Kriterien ausgerechnet», so Brigitte Meyer. Der Kannenfeldplatz habe eine andere Jahresdosis als das Rheinufer, weil seine Standortfaktoren anders seien. Das erklärt somit auch, warum am Rhein Veranstaltungen wie das Kulturfloss durchgeführt werden dürfen, im Kannenfeldpark nach vier kürzeren Konzerten bereits Schluss ist.

Das Beurteilungsinstrument für schallintensive Veranstaltungen basiert auf dem Bundesgerichtsentscheid zum Kulturfloss aus dem Jahr 2004. Die in darin definierten gesetzlichen Rahmenbedingungen und Handlungsspielräume der kantonalen Behörde werden im BIV in Zahlenwerte umgewandelt. Basis ist die Schalldosis, die durch die Veranstaltungsserie des Kulturflosses am Veranstaltungsort Oberer Rheinweg gemessen wurde. Zudem wird ein Ermessensspielraum berücksichtigt, heisst es in der Einleitung des BIV. Daraus wird ein zulässiges Schallkontingent für den Veranstaltungsort Oberer Rheinweg abgeleitet. Dieses kann für andere Veranstaltungsorte angepasst werden, indem man die lärmrechtlich relevanten Standortfaktoren mit denjenigen am Standort Oberer Rheinweg vergleicht.

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