Es war eine ungewöhnliche Medienkonferenz gestern in Basel. Sichtlich ergriffen teilte Messe-CEO René Kamm mit, dass Jacques Duchêne, langjähriger Präsident des Ausstellerkomitees, in der Nacht auf Mittwoch verstorben war. Er wäre an dieser Medienkonferenz einer der Hauptredner gewesen und hätte unter anderem über das Problem der Uhrenfälschungen geredet und verkünden können, dass die Fälle von Fälschungen an der Baselworld stark abgenommen hätten. Duchêne (82) war körperlich zwar etwas gebrechlich, aber geistig immer noch vif und kritisch. Er hatte wesentlich dazu beigetragen, dass die Baselworld heute die weltgrösste Uhren- und Schmuckmesse der Welt ist.

Baselworld: Smartwatches interessieren kaum

Baselworld: Smartwatches interessieren kaum

«Wir erleben derzeit keine euphorische Zeit», sagte Sylvie Ritter, Direktorin der Baselworld, am Mittwoch vor den Medien in Basel. Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank (SNB), die Krise in der Ukraine und die sinkenden Verkäufe in China wirkten sich negativ auf die Branche aus. Trotzdem werden 150 000 Besucher und über 4000 Journalisten aus über 40 Ländern erwartet.

Die diesjährige Baselworld stehe im Zeichen der Smartwatches, sagte Ritter. Das Produkt gebe es zwar schon seit einiger Zeit. Aber die Lancierung der Apple-Watch bringe eine neue Dynamik in die Branche. An der Baselworld habe es rund 10 Schweizer Firmen, die eine Smartwatch anböten. Nur Smartwatch-Anbieter habe es hingegen keine. «Die Smartwatch sehen wir eher als Ergänzung», sagte François Thiébaud, Präsident des Komitees der Schweizer Aussteller und Mitglied der Swatch-Generaldirektion. Viele Junge hätten keine Uhr, das seien potenzielle Kunden. «Wir sind optimistisch.»
Die Aufgabe der Eurobindung sei für die Uhrenindustrie ein Schock. «Aber wir hatten Zeiten, da war der Euro 1.90 Franken», bemerkte Thiébaud. Und wir hatten den Niedergang des Euro auf 1.20 überlebt. Er sei zuversichtlich, dass die Schweiz auch diesen Schock dank ihrer Dynamik überleben werde.

Prominente Schweizer

Die Schweizer Delegation ist erneut am prominentesten vertreten: 288 Marken präsentieren sich, davon 219 aus der Uhren-, 39 aus der Schmuckbranche und 30 aus verwandten Branchen, so Thiébaud.

Im vergangenen Jahr habe die Uhrenbranche ihre Stellung stärken können, hiess es beim Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie. Sowohl stück- wie wertmässig haben die Uhrenexporte um 1,7 Prozent auf 22,2 Milliarden Franken zugenommen. Dabei gab es eine besondere Entwicklung: Die Produktion mechanischer Uhren habe sich in dieser Zeit verdoppelt.

Hongkong ist mit 4,1 Milliarden der wichtigste Einzelmarkt, aber er hatte wegen der Unruhen im vergangenen Jahr ein Nullwachstum. Die Nummer 2, die USA, legte 6,2 Prozent zu, China schrumpfte 3,1 Prozent, Japan legte 15,2 Prozent zu, alle anderen Länder verzeichneten ein Plus von 1,2 Prozent auf 11,8 Milliarden.

2015 müsse hingegen das wirtschaftliche und geopolitische Umfeld genau beobachtet werden. Das Jahr habe jedoch gut begonnen. Im Januar stiegen die Exporte um 3,7 Prozent an. «Denkbar, dass dieser Wert für das ganze Jahr erreicht werden könnte.»

Fälschungen hätten einerseits monetäre Auswirkungen, andererseits verursachten Fälschungen Vertrauensverluste bei den Kunden. Plagiate kämen nicht nur aus China, stellte Thiébaud fest. Die Baselworld hatte schon vor Jahren ein «Panel» mit Schweizer Uhrenherstellern ins Leben gerufen. Mit Erfolg: Die Zahl der Rechtsfälle habe deutlich abgenommen. Hingegen könnten markenrechtliche Auseinandersetzungen neu auch Smartwatches betreffen. Diese imitierten den Look der traditionellen Uhren. Dagegen dürften Massnahmen ergriffen werden, hiess es am Rand der Medienkonferenz.