Im Matthäus-Quartier ist immer etwas los. Leer gefegt sind die Feldberg- oder die Klybeckstrasse eigentlich nie. Das erstaunt nicht, wenn man weiss, dass die Personendichte auf den 60'000 Hektaren immens ist. Mit 400 Personen pro Hektar weist das Viertel die höchste Bevölkerungsdichte der Stadt auf, und zählt zu den dichtest besiedelten Gebieten der Schweiz. Von den rund 16'000 «Mattys»-Einwohnern sind 51 Prozent Ausländer.

Viele indische IT-Experten

Entsprechend bunt gestalten sich das gesellschaftliche Leben, die Gastronomie und die Warenangebote. Besonders auffällig ist die Zunahme von Personen aus Indien in den letzten Jahren. Noch vor sechs Jahren wohnten 110 Inder im Matthäus, heute sind es 446.

Nicole von Jacobs, Leiterin der Fachstelle Diversität und Integration, kennt den Grund der Zunahme: «Es handelt sich oft um IT-Experten, die von Firmen wie zum Beispiel Novartis oder Syngenta angestellt werden. Diese wohnen vermutlich gerne im Matthäus-Quartier, weil es nahe an ihrem Arbeitsort liegt.»

Ebenfalls zugenommen hat seit dem Jahr 2000 die Anzahl der Amerikaner und der Deutschen. Die Zahl der Deutschen hat sich gar verdreifacht. Das Warum liege auf der Hand, erklärt Jacobs: das Freizügigkeitsabkommen. Seit 2005 kommen auch mehr Portugiesen aufgrund ihrer Wirtschaftssituation (im 2000: 210, Ende 2012: 505 Personen).

Immer weniger Ex-Jugoslawen

Es gibt aber auch Staatsangehörigkeiten, die nicht mehr so stark vertreten sind wie früher. «Zurückgegangen ist die Anzahl der Italiener im Matthäus-Quartier (im 2000: 1395, Ende 2012: 880). Ich gehe von einem generellen Trend aus.»

Ebenfalls gebe es weniger Türken und Menschen aus Ex-Jugoslawien als vor zwölf Jahren. «Dies liegt daran, dass sich die politische und die wirtschaftliche Situation in ihren Ländern verändert haben.» Spanier lebten schon im Jahr 2000 nicht viele im «Mattys», heute sind es noch weniger (2000: 533, 2012: 317).

Verändert hat sich nicht nur die ausländische Bevölkerung im Matthäus. Veränderungen gibt es auch im Bereich der Läden und der Gastroszene, die vermehrt von eingebürgerten Migranten oder Personen in zweiter Generation geführt werden.

In den vergangenen fünf Jahren haben die handwerklich-gewerblichen Geschäfte wie Coiffeure und neue Cafés sowie die Kreativwirtschaft zugenommen, erklärt Theres Wernli vom Stadtteilsekretariat Kleinbasel. Viele Läden und Geschäfte wurden von Schweizern übernommen und haben sich zu Reh4 zusammengeschlossen.

Nicole von Jacobs ergänzt: «Im Matthäus-Quartier öffnen viele Hip- und Designer-Geschäfte, die auch Leute aus dem Grossbasel anziehen. Die Ausrichtung der Läden sowie die Angebote vervielfältigen sich.»

Entwicklung zum urbanen Quartier

Der Ausländeranteil im Matthäus hat sich in den letzten zehn Jahren nur um Stellen nach dem Komma geändert. Eine klare Veränderung kann Nicole von Jacobs dennoch ausmachen: «Das Matthäus-Quartier entwickelt sich zu einem urbanen Quartier. Es leben viele Ausländer dort, die städtisch oder gar global denken und sich einbringen.»