«Wenn nicht hier, wo dann?». Das Schlusswort von Regierungsrat Hanspeter Wessels (SP) am Podiumsgespräch «Der Landhof ist kein Parkplatz» zeigte eine verkehrte Welt: Der sozialdemokratische Baudirektor setzt sich aktiv für 200 Parkplätze unter dem Landhofareal ein. «Das Wettsteinquartier hat sich stark verändert, kaum ein Quartier in Europa macht einen solchen Verdichtungsprozess mit», erklärte Wessels. Die Regierung vergab das Baurecht für das Parkhaus an die «Greifen AG». Keine gute Idee findet das Roberto Rivetti von der «IG Quartierparking Landhof – Nein!»: «Das Parking ist für Anwohner. Deren Autos sollen unter die Erde. Dann werden oberhalb 200 Parkplätze frei für Pendler».

Gegen die Finanzierung

Störend wirken für die Gegner der befürchtete Mehrverkehr und dass das Parking Gelder aus dem Pendlerfonds erhalten soll. «Der Mehrverkehr ist höchstens marginal», meinte Wessels, da der Suchverkehr abnehmen werde. «Der Pendlerfonds ist gedacht für Parkhäuser, die ausserhalb der Stadt gebaut und von Pendlern genutzt werden», erklärte die ehemalige Nationalrätin Anita Lachenmeier.

Alt-Regierungsrat Christoph Stutz von der Greifen AG bestätigt, dass das Parking prioritär für Anwohner vorgesehen sei. Das Wort «prioritär» schlachteten die Gegner genüsslich aus, ohne eine genaue Definition zu erhalten. «Wir haben bereits 90 verbindliche Reservationen», legte Stutz als Beweis für den Bauwunsch dar.

Pendler oder nicht?

Grossrätin Danielle Kaufmann (SP) fragte etwas provozierend: «Wie kriegen wir die Pendler weg?». «Wir wollen die Pendler nicht loswerden!», widersprach Wessels. Anwohner Christoph Keller verlangte ein Konzept, wie Pendler in die Stadt kommen: «Eine nachhaltige Politik gibt es ja nicht». Das Parking bezeichnete er als «phantasieloseste Lösung».

Mitten in der Diskussion tauchte die Frage auf, weshalb man die Sache nicht umdrehe, sprich: Das Quartierparking für die Pendler und die oberirdischen Parkplätze für die Anwohner. Schliesslich könne es nicht sein, dass die Bewohner die höheren Kosten bezahlen müssten.

170 Franken pro Monat soll ein Parkplatz kosten. Die Anwohner-Parkkarte kostet dagegen nur 140 Franken pro Jahr. «Warum dreht man das nicht um?», fragte ein anderer Anwohner. Pendler sollen höhere Preise bezahlen: «An begehrten Stellen soll mehr bezahlt werden», forderte Daniel Wiener. Dawn Ramseier vom Neutralen Quartierverein Oberes Kleinbasel (NQV) monierte, dass mehr Anwohner-Parkkarten als vorhandene Parkplätze verkauft würden.

«Die kann ich unbeschränkt am Billettautomaten beziehen, auch als Pendler», ergänzte ein Anwohner. Simon Kettner, Leiter Mobilitätsstrategie, bestätigte, dass die Parkgebühren überarbeitet würden. Anwohner Jürg Käser ist «saumässig froh» über seinen kleinen Parkplatz im Hinterhof. «Ich verstehe nicht, weshalb am Bahndamm der Deutschen Bahn ein temporäres Parkhaus für die Roche gebaut, dann wieder abgebaut und unter dem Landhof wieder gebaut wird – für Millionen!» Ein Anwohner bedauerte, dass «die grüne Lunge Landhof» geopfert würde. Dem widersprachen mehrere, da das Parking mit über einem Meter Humusschicht bedeckt würde.

Es soll grün bleiben

Stadtgärtner Emanuel Trueb versprach, dass der neue Rasen «höherer sportlicher Belastung» standhalten würde. Er wie auch Stutz wiesen darauf hin, dass die Parkfläche nicht grösser als das Fussballfeld sein werde. Was die Gegnerschaft plant, ist offen. «Ich will die Karten noch nicht auf den Tisch legen», erklärte Rivetti. Auf den Tischen lagen allerdings bereits Petitionsbögen auf und im Streitgespräch wurde klar, dass die Entnahme von Geldern aus dem Pendlerfonds für das geplante Parkhaus juristisch überprüft wird. Die fehlenden Mitwirkungsmöglichkeiten wurden angeprangert, worauf Silvia Rietschi (NQV) erklärte, dass das Parking immer auf der Planung gewesen sei.

Visionäre Ideen, wie von Moderatorin Martina Rutschmann gefordert, kamen nur spärlich. Ein Anwohner machte sich für Carsharing stark: «Stellen sie ihr Auto auf eine Sharing-Plattform! Dann steht es nicht immer herum.» Ein anderer hinterfragte die Mobilität, wie sie heute ausgelebt wird, generell. Trotzdem: «Wir brauchen Platz, ob für Kistenvelos oder Autos», fasste ein weiterer zusammen. (sch)