Landtagswahlen Baden-Württemberg
Lörrach, Grenzach und Weil wählen noch grüner als der Rest des Bundeslands

Fast 40 Prozent wählen in der Basler Nachbarstadt Lörrach die Grünen. Die AfD bricht trotz – oder wegen – eines «Krawallkandidatens» ein.

Boris Burkhardt
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Der Grüne Josha Frey, früher «Mister Schappo» beim ehemaligen Basler Regierungspräsidenten Guy Morin, zieht wieder glanzvoll in den baden-württembergischen Landtag ein.

Der Grüne Josha Frey, früher «Mister Schappo» beim ehemaligen Basler Regierungspräsidenten Guy Morin, zieht wieder glanzvoll in den baden-württembergischen Landtag ein.

Bild: Juri Junkov
(5. Dezember 2011)

Die lokalen Vertreter der anderen Parteien hatten im Hinblick auf den beliebten grünen Ministerpräsidenten die Landtagswahl in Baden-Württemberg am vergangenen Sonntag bereits als «Kretschmann-Wahl» eingeordnet. Mit 32,7 Prozent der Wählerstimmen gewannen die Grünen landesweit 2,4 Prozentpunkte im Vergleich zur letzten Wahl 2016 hinzu. Im Wahlkreis Lörrach, der das Wiesental und die Basler Nachbargemeinden Lörrach, Weil am Rhein und Grenzach-Wyhlen umfasst, legten die Grünen sogar um 4,1 Prozentpunkte auf 35,8 Prozent zu. Die Partei erfuhr in Lörrach mit 39,1 Prozent, in Weil am Rhein mit 36,4 Prozent und in Grenzach-Wyhlen mit 37,4 Prozent eine noch höhere Zustimmung. Keine Überraschung ist also, dass der Grünen-Kandidat Josha Frey aus Kandern-Wollbach sein Direktmandat verteidigte, das er 2011 erstmals der CDU abgeluchst hatte. Frey baute in Basel unter anderem die Koordinationsstelle Freiwilligenarbeit auf, die jährlich den Förderpreis «Schappo» verleiht. Abgesehen von der klaren Bestätigung für die integrative Arbeit Winfried Kretschmanns machte die Wahl deutlich, dass neben Corona auch der Klimawandel ein Thema bleibt.

Die CDU wird arg gebeutelt

Für den mitregierenden Juniorpartner CDU ist das Wahlergebnis hingegen bitter: Die Christdemokraten sanken im Wahlkreis Lörrach mit dem historischen Tiefstand von 21,4 Prozent noch tiefer als im Landesergebnis von 24,1 Prozent. In Weil am Rhein und Grenzach-Wyhlen erhielten sie sogar nur 18 beziehungsweise 17,6 Prozent der Stimmen. Der ehemalige Schopfheimer Bürgermeister Christof Nitz schaffte es als CDU-Kandidat auch nicht über die Landesliste ins baden-württembergische Parlament. Dieses Zweitmandat holte hingegen der Lörracher Jonas Hoffmann von der noch schwerer gebeutelten SPD, die im Wahlkreis mit 12,6 Prozent zwar über dem Landesdurchschnitt von 11 Prozent liegt. Im Vergleich zu 2011, als der damalige Justizminister Rainer Stickelberger aus Weil-am-Rhein-Haltingen antrat, muss sie im Wahlkreis aber weitere 4,1 Prozentpunkte Stimmenverlust hinnehmen.

Zweite grosse Gewinnerin der Wahl ist die FDP: Sie konnte ihre Wählerstimmen im Wahlkreis um 3,8 Prozentpunkte auf 10,3 Prozent steigern, knapp unterhalb des Landesergebnisses von 10,5 Prozent. In Grenzach-Wyhlen stimmten sogar 15,9 Prozent der Wähler für die Freisinnigen, in Inzlingen 15,6. Die FDP profitierte als Oppositionspartei vor allem von den gemässigten Gegnern der Coronamassnahmen.

AfD nur noch einstellig

Krawallkandidat Dubravko Mandic von der AfD gestand noch am Wahlabend seine Enttäuschung ein: Seine Partei ist im Wahlkreis Lörrach gegenüber 2011 von 13,2 auf 7,9 Prozent eingebrochen, noch weit unter das Landesergebnis von 9,7 Prozent. Mandic ist mehrfach vorbestrafter und rechtsradikaler Anwalt und wohnt und politisiert eigentlich in Freiburg. Im Wahlkreis Lörrach rechnete er sich grössere Chancen aus als in seiner Heimatstadt, die ihren grünen Ruf in beiden Wahlkreisen mit 40,2 beziehungsweise 40,3 Prozent für die Grünen und 5,1 beziehungsweise 5,8 Prozent für die AfD bestätigte. Mandic kündigte ausserdem an, aus der AfD auszutreten, und kommt damit dem laufenden Parteiausschlussverfahren zuvor.

Aus der coronakritischen Querdenkerbewegung waren 2020 die Kleinstparteien WiR2020 und Basisdemokratische Partei Deutschland entstanden: Ihr Stimmenanteil von 0,5 respektive 1,2 Prozent zeigt deutlich, wie viel Rückhalt die Querdenker tatsächlich in der Gesellschaft haben. Die KlimalisteBW, die erstmals teilnahm und sich noch vehementer für den Kampf gegen den Klimawandel einsetzt als die Grünen, erhielt im Wahlkreis Lörrach 1,3 Prozent der Stimmen.