Schwielen an den Händen, Dreck unter den Fingernägeln und als Belohnung gibt es eigenes Gemüse, Früchte und Kräuter – zum Beispiel aus dem Gemeinschaftsgarten auf dem Basler Landhof-Areal, aus dem zum Gemüsebeet umfunktionierten Einkaufswagen, dem «Keinkaufwagen», der vor der Haustüre auf dem Asphalt steht. Oder aus dem Perlengarten, einer Anlage mit mobilen Pflanzkisten auf dem Erlenmattareal.

Seit etwa drei Jahren macht sich in Basel die Urban-Agriculture-Bewegung, die Landwirtschaft in städtischen Gebieten, bemerkbar. Eines der ersten Projekte war das Nutzdach beim Hinterhof.

Mit Faktor-5-Preis ausgezeichnet

Für die Stadtbewohnenden, die Rasen in Innenhof zum Gemüsebeet umbrechen, ist dies aus mehreren Gründen ein Bedürfnis, wie Tilla Künzli vom Urban-Agriculture-Netz Basel erklärt: «Wir schätzen das urbane Umfeld, möchten dennoch einen Bezug zu unseren Nahrungsmitteln haben.»

Und: «Wir wollen eine essbare Stadt.» Das Urban-Agriculture-Netz Basel wurde vor zwei Jahren gegründet und hat zum Ziel, die Landwirtschaft in der Stadt zu fördern. Der Verein war bisher an etwa 25 Projekten beteiligt und wurde für sein Engagement mit dem Faktor-5-Publikumspreis ausgezeichnet.

Auf dem Landhof findet der Gemeinschaftsgarten regen Zuspruch. Rund 50 Personen beteiligen sich regelmässig an der Gartenarbeit. «Wenn es schön ist, sind es mehr», sagt Künzli. Sie persönlich habe aus einer gewissen Frustration über das Angebot begonnen, selber Lebensmittel anzubauen.

So sei es möglich, in ökologischen Systemen Lebensmittel biologisch zu produzieren. «Hinzu kommen auch soziale Aspekte.» Frustrierend sei, wenn Leute ernten, wofür sie nicht selber gearbeitet haben. «Es funktioniert aber erstaunlich gut.» Es sei auch schon vorgekommen, dass Leute aufgehalten wurden, die sich «bedient» hätten.

Blumenrabatten bleiben

Die Stadtgärtnerei steht in regem Kontakt mit dem Verein und unterstützt ihn auf dem Landhof. «Aus unserer Sicht kommen spannende Ideen aus der Bewegung», sagt Urs Leugger-Eggimann, stellvertretender Leiter der Stadtgärtnerei. «Ich gehe davon aus, dass es sich nicht um einen kurzfristigen Trend handelt und die Bewegung Bestand haben wird.» Derzeit laufen Abklärungen, ob weitere Areale für Gemeinschaftsgarten-Projekte gefunden werden könnten, allenfalls in den Familiengärten. Spruchreif sei dies aber noch nicht.

Nicht zur Diskussion stehe, öffentliche Grünflächen in Parks oder beispielsweise die Blumenbeete vor der Pauluskirche in Gemüsebeete umzufunktionieren. «Die Wechselflorflächen kommen bei der Bevölkerung sehr gut an und es ist wichtig, die verschiedenen Bedürfnisse zu berücksichtigen.»

Politische Unterstützung erhält die Urban-Agriculture-Bewegung durch einen Anzug von EVP-Grossrat Christoph Wydler. Er fordert die Regierung zu Abklärungen auf, ob weitere Areale für die landwirtschaftliche Nutzung zur Verfügung gestellt werden könnten und ob eine Anschubfinanzierung ermöglicht werden kann. Ob sich dafür auch Industriebrachen eignen würden, hängt gemäss dem Bau- und Verkehrsdepartement vom jeweiligen Besitzer ab.

«Türen stehen weit offen»

Aus der Sicht des obersten Stadtentwicklers Thomas Kessler ist es zukunftsweisend, Grünflächen in der Stadt zu landwirtschaftlichen Zwecken zu nutzen: «Es ist sinnvoll, toten Rasen umzuwandeln.» Bei dieser Aussage denkt er an private Rasenflächen, beispielsweise zwischen den Siedlungen. Potenzial sieht er auch auf Flachdächern. «Mit dem Projekt auf dem Dach des Lokdepots im Dreispitz sind wir in diesem Bereich führend», sagt Kessler.

Ab 1. Oktober soll dort in einem Gewächshaus Fisch und Gemüse produziert werden. Auch Kessler geht bei der Urban Agriculture von einer langfristigen Entwicklung aus: «Wir werden uns künftig die Energie für die Transportwege nicht mehr leisten können.» Für Ideen, wie sie der Anzug Wydler einbringe, stünden die «Türen weit offen».