Stillstand

Lange Wartezeiten an der Grenze und lauter annullierte TGV-Tickets

Lange Kolonnen: Grenzgänger brauchten gestern viel Geduld auf ihrem Weg nach Hause – hier beim Autobahnzoll zwischen Saint-Louis und Basel-Stadt.

Lange Kolonnen: Grenzgänger brauchten gestern viel Geduld auf ihrem Weg nach Hause – hier beim Autobahnzoll zwischen Saint-Louis und Basel-Stadt.

Nach den Terroranschlägen in Paris hat Frankreich die kontrollen an den Grenzübergängen massiv verschärft. Auch die Grenzübergänge bei Basel wurden stärker kontrolliert. Was zu längeren Wartezeiten und Stau führte.

Die Auswirkungen der Terrorakte in Paris sind auch in der Region spürbar. So berichtet ein in Frankreich wohnhafter Student der Fachhochschule Nordwestschweiz: «Als ich am Samstag nach Basel wollte, durfte keiner über die Grenze. Sie haben allen gesagt, dass sie zur Zeit keinen rauslassen.» Nun sind die Grenzen zwar wieder offen, allerdings mit verschärften Kontrollen. Das führt zu längeren Wartezeiten.

Auch das Schweizer Grenzwachtkorps I (GWK) hat punktuelle Verstärkungen vorgenommen. Das Korps steht in engem Kontakt mit der deutschen Bundespolizei und der französischen Grenzpolizei. Auf genaue Auskünfte zum Einsatz im Raum Basel verzichtet das GWK aus taktischen Gründen.

Schon vor den Anschlägen in Paris waren die Grenzwächter auf Trab, da in letzter Zeit die Anzahl Asylsuchender zugenommen hat, die über Deutschland in die Schweiz und nach Basel einreisen. Vor allem Afghanen nutzen diese Route. Viele landen im Basler Empfangszentrum Bässlergut.

Angesichts der jetzigen Lage ist davon auszugehen, dass jene Grenzwächter, die seit längerer Zeit im Tessin Verstärkung leisten, nun zurück in die Nordwestschweiz und nach Basel beordert wurden. «Personelle Verschiebungen sind jederzeit möglich», sagt GWK-Sprecher Patrick Gantenbein dazu. Noch sei unklar, wann wieder auf Normalbetrieb umgeschaltet werde.

Eingangskontrolle an Märkten

Auch die Basler Kantonspolizei ist am aktuellen Sicherheitsdispositiv beteiligt. «Wir beurteilen die Lage gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen, wobei bei diesem Thema die Federführung beim Bund liegt», sagt Martin Schütz, Sprecher des Basler Sicherheitsdepartements. «Wo nötig, setzen wir Prioritäten», sagt Schütz. «Mehr können wir zurzeit aus polizeitaktischen Gründen nicht sagen.» Auch die Mitarbeiter der Securitrans haben ihre Präsenz sichtbar erhöht und patrouillieren öfter in den Basler Bahnhöfen.

Die Unruhe macht sich auch im benachbarten Elsass bemerkbar. Mehrere französische Zeitungen berichteten gestern, die Durchführung der Weihnachtsmärkte werde überdacht.

«L’Alsace» schreibt unter Berufung auf die Behörden, dass aus Angst vor neuen Anschlägen ein Konzept mit überwachten Ein- und Ausgängen geprüft werden.

Zudem hat Frankreich verstärkte Kontrollen am Euro-Airport (EAP) angeordnet. «Wir haben unser Sicherheitspersonal vor Ort deshalb kurzfristig um zehn Prozent erhöht», sagt Vivienne Gaskell, Sprecherin des EAP. Zu verlängerten Wartezeiten sei es deshalb nur am Samstagmorgen gekommen. «Wir beobachten aber, dass viele Passagiere früher zum Flughafen kommen.» Wie lange die erhöhten Sicherheitsvorkehrungen gelten sollen, ist noch nicht klar. Stand gestern war von heute Dienstag Morgen die Rede. Der Flugbetrieb konnte aber normal fortgeführt werden.

Auf dem Landweg macht sich die Unsicherheit vor allem beim TGV Basel-Paris bemerkbar. Seit Samstag haben viele Kunden bereits gekaufte TGV-Fahrten annulliert. «Die jetzige Annullationswelle ist einmalig», sagt Eliane Prescher, Sprecherin von TGV Lyria. «Wir versuchen nun ganz klar, so kulant wie möglich zu sein.» Bis heute um Mitternacht lassen sich TGV-Billette noch gratis annullieren, umtauschen kann man die Tickets noch bis und mit Sonntag. Auch Easyjet ist kulant: Bis 20. November können alle Flüge von und nach Frankreich auf spätere Daten in den nächsten sechs Monaten verschoben werden.

Höhere Kosten bei EL-Final?

Da ein Teil der Pariser Anschläge vor dem Stade de France stattfand, wird nun auch um erhöhte Sicherheitsmassnahmen beim Europa-League-Final im Basler St. Jakob-Park spekuliert. Das Spiel findet im Mai statt. Bisher betrugen die geschätzten Sicherheitskosten rund 150 000 Franken. «Die für die Sicherheit zuständige Kantonspolizei wird mit einer Beurteilung noch zuwarten. Man kann jetzt nicht ausschliessen, dass die Kosten höher werden», sagt Marc von Ah, Sprecher des Schweizerischen Fussballverbands.

Die verstärkten Kontrollen bei der Ausreise von Frankreich bekam auch die Basler Wirtschaft zu spüren, die viele Grenzgänger aus dem Badischen und dem Elsass beschäftigt. Der Sprecher eines grossen Unternehmens bestätigt, dass vereinzelt Mitarbeiter aus dem Elsass bis zu einer Stunde Verspätung hatten, wenn sie die Autobahn nach Basel benutzten. Viele Grenzgänger würden aber aufgrund ihrer Erfahrung andere Routen wählen, um Staus auszuweichen. Als Ausweichrouten sind die Grenzübergänge Basel-Burgfelden und Allschwil und jene im Leimental beliebt. Die Grenzwache empfiehlt, Zeitreserven einzuplanen.

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