Grosser Rat

Langen Erlen: Halter müssen ihr Hunde künftig wohl an die Leine nehmen

(Symbolbild)

Wildtier-Schutz: Hunde müssen an die Leine.

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An der heutigen Grossratssitzung verlief der Graben zwischen den Hündelern und den Tierschützern quer durch die Parteien. Eine Mehrheit will jedoch die Leinenpflicht während der Brutzeit.

Im Kanton Basel-Stadt müssen während der Brut- und Setzzeit Hunde an der Leine geführt werden. Das hat der Grosse Rat am Mittwoch mit klarer Mehrheit entschieden. Eingereicht hatte den Vorstoss der Grüne Parlamentarier Michael Wüthrich. Dadurch, dass die Nachbarkantone eine Schonzeit kennen, würden im Frühjahr auch viele Baselbieter in den Langen Erlen ihre Hunde herumrennen lassen. «Damit wird der Nutzungsdruck in diesem sensiblen Gebiet, in dem auch das Trinkwasser für unseren Kanton produziert wird, weiter erhöht.»

Trotzdem hätten sich in den letzten Jahren in den Langen Erlen wieder Wildtiere wie Feldhasen und Rehe eingenistet. Der Schutz dieser aufkommenden Populationen sei jedoch durch die fehlende Leinenpflicht wieder in Gefahr. «Es gibt nicht nur Hunde und Menschen», meinte Wüthrich in seinem Votum. «Dem sollten wir Rechnung tragen.»

Quer durch die Parteien

Es sei ein Trugschluss, zu glauben, dass in den Langen Erlen keine Wildtiere leben, pflichtete Parteikollege Thomas Grossenbacher bei. «Es gibt Rehe, Hasen, Wildfüchse und rund 50 Vogelarten, darunter viele Bodenbrüter.» Gleichzeitig gebe es auch Halter, die nicht verstehen, warum es problematisch ist, wenn ihr Hund einem Reh nachjagt.

Der Graben zwischen den Hündelern und den Tierschützern verlief quer durch die Parteien. Basta-Grossrat Beat Leuthardt, ebenfalls Fraktionsmitglied des Grünen Bündnisses, wehrte sich gegen das «Hundebashing». Er würde selber gelegentlich mit dem Hund einer Freundin spazieren gehen. «Der dreht durch, wenn er an die Leine muss.» Er habe am Vortag extra noch eine Proberunde gemacht in den Langen Erlen und sich mit Spaziergängern ohne Hund unterhalten. «Die meisten waren der Meinung, es gehe ganz gut, so wie es jetzt läuft.» Der Anzug sei nicht verhältnismässig. Es werde mit Kanonen auf Spatzen beziehungsweise Hunde geschossen, so Leuthardt.

«An die Vernunft appellieren»

Am klarsten gegen die Leinenpflicht positionierte sich die SVP. Vize-Präsident Eduard Rutschmann sah ganz andere Probleme: «Nicht zu unterschätzen sind die Mountainbike- und E-Bike-Lenker, die überall durchfahren und dabei die Tiere stören.» Wichtiger als ein Verbot auszusprechen sei es, an die Vernunft zu appellieren.

Auch CVP-Grossrat Christian Griss wehrte sich gegen die Leinenpflicht in den Langen Erlen: «In einer dicht besiedelten Landschaft sollten wir uns nach den Bedürfnissen richten und nicht einfach restriktive Regeln aufstellen.» Als Vergleich zog er den Wintersport herbei. Dort setze man auf Verdichtung der bestehenden Gebiete und den Schutz der unberührten Flächen. «Areale nahe von Siedlungen sollte man nutzen können und dafür abgelegene Gebiete wirklich schützen», schlussfolgerte Griss. «Die Langen Erlen sind kein naturnahes Gebiet. Für Rehe und Hasen gibt es genügend andere Lebensräume.»

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