Zonenplan

«Langfristig könnte für Riehen ein Scherbenhaufen entstehen»

Stephan Gieseck kämpft per Referendum gegen die Zonenordnung «Zone 2R». Will heissen: Er möchte, dass maximal zwei Wohneinheiten pro Parzelle erlaubt sind statt deren fünf.

Stephan Gieseck kämpft per Referendum gegen die Zonenordnung «Zone 2R». Will heissen: Er möchte, dass maximal zwei Wohneinheiten pro Parzelle erlaubt sind statt deren fünf.

Ein Komitee um Stephan Gieseck wehrt sich gegen die Aufstockung eines Viertels des Siedlungsgebiets. Als Privatperson ergriff er ein Referendum zur Zonenordnung Zone 2R und sammelte innert 17 Tagen 1083 Unterschriften.

Herr Gieseck, alle Einwohnerratsparteien konnten sich mit den getroffenen Entscheidungen zum Zonenplan mehr oder weniger arrangieren. Was bewog Sie als Privatperson, trotzdem das Referendum zur Zonenordnung Zone 2R zu ergreifen und in nur 17 Tagen 1083 Unterschriften zu sammeln?

Stephan Gieseck: Wir sind nicht einverstanden mit dem Beschluss des Einwohnerrats, dass künftig in der Zonenordnung die Zone 2R, die immerhin ein Viertel des ganzen Siedlungsgebiets von Riehen ausmacht, Blöcke mit fünf Wohneinheiten auf einer Parzelle von 1500 Quadratmeter stehen dürfen. Mit dem Entwurf des Zonenreglements des Gemeinderats dagegen waren auch wir einverstanden. Dieser sah maximal zwei Wohneinheiten pro Parzelle vor. Er wurde ja mehrfach der Bevölkerung vorgelegt und – abgesehen von drei Einsprachen – gab es keinen Widerstand. Der Einwohnerrat hat sich also den aktuellen im Dorf vorherrschenden und in vergangenen Volksabstimmungen geäusserten Meinungen klar widersetzt. Gegen die ebenfalls in der Zonenordnung enthaltenen Beschlüsse zu Arbeitszonen, Wohn- und Arbeitsmischgebiet und Freizeitgartenzonen haben wir nichts einzuwenden.

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Was befürchten Sie?

Es geht um die langfristige Entwicklung von Riehen. Diese Entscheidung des Einwohnerrats ist zu kurzsichtig gedacht. Was bedeuten diese grösseren Bauten für die architektonischen Erscheinungsbilder der Häuserfassaden und der Quartiere? Solche Unterschiede sind wie Tag und Nacht. Die Ortsbildkommission wusste darüber nicht Bescheid. Man hat auch nicht darüber diskutiert, was diese Wohneinheitenerhöhung verkehrstechnisch bedeutet. Wenn zum Beispiel im Moostal zehn Wohnblöcke à fünf Einheiten anstatt zwei Einheiten zu stehen kommen, ergibt dies einen erheblichen Mehrverkehr und Mehrbedarf an Parkplätzen. Und dies betrifft ein Viertel der ganzen Gemeinde. Auch über die Folgen für die Schulen und weiteren Infrastrukturanpassungen wurde nicht nachgedacht.

Ihnen geht es aber nicht nur um das Moostal und die ruhige Wohnlage der Anwohner?

Nein, überhaupt nicht. Das Moostal und die Hanglage ist ein Teil der Zone 2R. Dass hier gebaut werden darf, war in der Gesamtplanung der Gemeinde mit zwei Wohneinheiten vorgesehen und ist anscheinend für die weitere Entwicklung von Riehen massgeblich. Wenn aber ein Viertel von Riehen schrittweise fünf Mal grösser wird, hat dies gravierende Folgen. Dass wir 1083 Unterschriften über die Weihnachtszeit in nur 17 Tagen gesammelt haben, beweist, dass es nicht um Einzelinteressen geht, sondern dass alle, die mitunterzeichnet haben, sich über die weitere Entwicklung von Riehen Sorgen machen.

Um die Lebensqualität in Riehen erhalten zu können, braucht die Einwohnergemeinde wachsende Steuereinnahmen. Ein Widerspruch zu Ihren Anliegen, die Siedlungsentwicklung zu bremsen?

Das sehen wir nicht so. Kurzfristig würden die Landpreise sicherlich steigen. Doch mittel- und langfristig würden sich viele gute Steuerzahler, die gerade wegen des Charakters und der hohen Lebensqualität von Riehen hier wohnen, nicht mehr wohlfühlen und könnten wegziehen. Langfristig könnte für Riehen ein Scherbenhaufen entstehen, in dem die Infrastrukturkosten steigen und die Steuereinnahmen sinken würden.

Jede Gemeinde muss verdichten. Aus Basel heisst es, auch Riehen müsse einen Beitrag zur Entspannung der Wohnungssituation leisten.

Bereits mit einer Erhöhung auf zwei Wohneinheiten in der Zone 2R leistet Riehen einen sinnvollen Beitrag mit einer kontinuierlichen Verdoppelung. Wenn man eine qualitative Erhöhung hat, wie wir sie fordern und die Gemeindeverwaltung in ihrer Planauflage präsentierte, kann man auch den hochwertigen Charakter des Dorfes erhalten. Zudem scheint es mir unrealistisch, dass in der Zone 2R günstiger Wohnraum entstehen kann, der im Kanton vor allem stark nachgefragt wird.

Sie sperren sich gegen die Entwicklung von Riehen, lauten Vorwürfe Ihrer Gegner.

Wir sind nicht prinzipiell gegen eine Entwicklung. Wir wollen diese aber nachhaltig und qualitativ gestalten. Wir wollen in Riehen Naherholungsgebiete erhalten, die auch die Stadtbasler schätzen. Dieses Anliegen wurde mit dem Entscheid des Einwohnerrats komplett infrage gestellt.

Sie verzichten absichtlich auf die Hilfe von Parteien im Abstimmungskampf. Wie wollen Sie am 14. Juni trotzdem reüssieren?

Wir wollen unabhängig bleiben, um auch unsere Glaubwürdigkeit zu erhalten. Dennoch ist der Moment für alle da, um sich nochmals eingehend Gedanken zur Zonenordnung Zone 2R mit zwei Wohnungseinheiten zu machen und sich für langfristige Nachhaltigkeit und Lebensqualität einzusetzen. Wir erwarten von der Politik das nötige Fingerspitzengefühl, um die wichtigen Errungenschaften, die über Jahrzehnte aufgebaut wurden, nicht zu zerstören. Es ist uns ein grosses Anliegen, dass sich alle Bevölkerungsgruppen in Riehen wohlfühlen.

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