Musikpreis
Längst überfällige Anerkennung für Basler Szenegrössen

Da sieht der Kanton alt aus: Die Lovebugs werden von privater Hand für ihr Lebenswerk gewürdigt. Den Basler Pop-Preis haben sie nie erhalten, auch nicht den Basler Kulturpreis. Das mag ein bisschen verwundern.

Marc Krebs
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Die Lovebugs dürfen sich in diesem Jahr über eine Auszeichnung erfreuen: den mit 5000 Franken dotierten «L’Unique Lifetime Achievement Award».

Die Lovebugs dürfen sich in diesem Jahr über eine Auszeichnung erfreuen: den mit 5000 Franken dotierten «L’Unique Lifetime Achievement Award».

Tabea Hüberli

Man könnte diese Geschichte so beginnen: Es gibt Künstlerinnen und Künstler, die leben quasi von Preisen und Stipendien. Und dann gibt es Künstlerinnen und Künstler, die sind auch ohne erfolgreich und werden doch nicht gleichermassen gewürdigt.

Die Lovebugs zum Beispiel haben in 25 Jahren fast alles erreicht, was man auf der nationalen Bühne erreichen kann. Mit der Ehrung ihres Schaffens tun sich offizielle Stellen schwer: Den Basler Pop-Preis haben sie nie erhalten, auch nicht den Basler Kulturpreis. Das mag ein bisschen verwundern.

Den Pop-Preis, diese Spitzenförderung, werden die Lovebugs auch nicht mehr erhalten: Die Jurys setzen auf jüngere Bands und Musiker, wie die Vergangenheit gezeigt hat.
Bei der ersten Preisverleihung im Jahr 2009 unterlagen sie den Laufentaler Neo-Grungern von Navel, der grösseren Exporthoffnung. Diese Band haben die Lovebugs mittlerweile überlebt. Nicht nur wegen ihrer Langlebigkeit wäre ein «Lifetime Achievement Award» angesagt.

Man könnte diese Geschichte aber auch so beginnen: mit der Schaffung dieses «Lifetime Achievement Awards». Der RFV Basel reagierte damit im Jahr 2014 auf die Kritik, dass vornehmlich jüngere Musikerinnen und Musiker vom Pop-Preis-Segen profitieren würden.

Finanziell wurde der RFV dabei vom Restaurant L’Unique unterstützt: Dieses kann man als Basler Variante des «Hardrock Cafe» verstehen. Inhaber Andy Ibach ist Unternehmer, aber auch Musikfan und Sammler. Wertvolle Memorabilia aus der Rockgeschichte dekorieren das Intérieur des Restaurants. 2014 wurde der, vom «L’Unique» mit 5000 Franken dotierte Anerkennungspreis erstmals durch den RFV vergeben. Über das namensgebende Sponsoring mochte man geteilter Meinung sein, das Zeichen der Wertschätzung war aber zweifellos wichtig, wie man erfuhr: Sänger und Songwriter Roli Frei war den Tränen nahe, als er erstmals nach 44 Musikerjahren in seiner Heimatstadt mit einem Preis geehrt wurde.

Seither haben mit Pink Pedrazzi und Black Tiger weitere einflussreiche Szenengrössen eine solche – überfällige – Anerkennung erhalten. Auch die Lovebugs wären dafür prädestiniert. Im Juli machte «20 Minuten» publik, dass das Quintett geehrt würde. Allerdings nicht vom RFV, sondern vom «L’Unique», das den Anerkennungspreis neu direkt vergibt. Was ist passiert? Es habe einfach nicht funktioniert mit dem RFV, lässt der medienscheue Preisstifter Andy Ibach ausrichten. Auch der RFV gibt sich bedeckt zu den Gründen der Trennung: «Man hatte unterschiedliche Vorstellungen bezüglich Gegenleistungen für das finanzielle Engagement vom L’Unique», teilt Tobit Schäfer mit. Das hat nun die kuriose – und für Musiker erfreuliche – Folge, dass in der Rockstadt Basel gleich zwei «Lifetime Achievement Awards» vergeben werden. Beide sind mit 5000 Franken dotiert.

Zustupf ans Lovebugs-Livealbum

Jenen vom «L’Unique» haben die Lovebugs im Juli überreicht bekommen, bei ihrem Heimspiel am Summerstage Festival. «Wir haben uns sehr gefreut, das ist der erste Preis seit 1993, als wir den Nachwuchswettbewerb Sprungbrett gewonnen haben», sagt Sänger Adrian Sieber.

Das Geld käme ihnen zudem gelegen, in zwei Wochen würden sie ein Livealbum aufnehmen, in Eigenregie. Am Freitag werden sich die Lovebugs im «L’Unique» die Handabdrücke nehmen lassen – das Restaurant will sie auf seiner «Wall of Fame» im Gerbergässlein verewigen.
Empfinden es die Lovebugs als enttäuschend, dass ihre Leistung «nur» durch eine private Initiative gewürdigt wird und nicht ganz offiziell durch die Kantone? «Nein», sagt Sieber. «Die haben ja immer noch eine Chance.»