Die BVB stehen auf der Leitung. In zwei Jahren wollten die Basler Verkehrsbetriebe eigentlich den «Bus der Zukunft» präsentieren. Dieser soll nur mit erneuerbaren Energien angetrieben werden. Denn die mit Gas betriebenen Mercedes-Busse Citaro – die Hälfte der Busflotte – feiern dieses Jahr ihr 10-JahrJubiläum und erreichen damit langsam aber sicher das Ende ihrer Lebensdauer. Im Fahrzeugpark befinden sich sogar noch Diesel-Busse der Marke Man, welche sich die BVB vor 18 Jahren angeschafft haben. Entsprechend muss sich das öV-Unternehmen bald überlegen, wie es weitergehen soll.

Klar scheint mittlerweile: Das Prinzip der Hybridbusse wird nicht weiterverfolgt. Die BVB setzen auf Elektro. Gerade wurde beschlossen, für ein Pilotprojekt einen Elektrobus der holländischen Firma VDL Bus & Coach anzuschaffen. Die Firma hatte diese Woche mit einem Grossauftrag für Schlagzeilen gesorgt, als die Stadt Osnabrück ankündigte die nach eigenen Aussagen grösste Elektrobus-Flotte Deutschlands anzuschaffen. Noch in diesem Jahr sollen 13 Elektrobusse durch die Innenstadt rollen, bis in zwei Jahren sollen 40 Fahrzeuge gekauft werden.

Andere Städte deutlich weiter

Bis es soweit ist, dürfte noch einige Zeit vergehen: Offiziell wollen die BVB erst kommende Woche informieren. Nach Recherchen der «Schweiz am Wochenende» soll es sich beim Bus um einen zwölf Meter langen Zweiachser handeln, der ab Sommer im Einsatz sein dürfte. Da der Akku nicht für einen ganzen Tag ausreicht, soll der Bus am Morgen eine kurze Strecke bedienen – denkbar wären etwa die Linie 31 vom Hörnli bis zum Bachgraben oder die Linie 42 von Bettingen an den Bahnhof SBB. Über Mittag soll der Bus dann offenbar im Depot Rankhof Pause machen und seine Batterien wieder auftanken. Die Stadt Münster testete einen vergleichbaren Bus der Firma VDL Bus & Coach bereits vor vier Jahren. Die Kosten pro Bus: rund 550 000 Euro, etwa 650 000 Franken. Mittlerweile wurden weitere Busse angeschafft.

Schon alleine dieses Bild zeigt: Der «Bus der Zukunft» hat Verspätung. Angesichts dessen, dass die BVB im Laufe des 2018 mit gerade mal einem Bus ein Pilotprojekt starten, dürfte 2020 als Ziel nicht mehr realistisch sein. Bereits kursieren im Unternehmen offenbar Ideen, zur Überbrückung nochmals ein paar Diesel- oder Gasbusse anzuschaffen. Andere Städte sind da deutlich weiter: In Genf startete schon vor fünf Jahren ein Pilotprojekt mit einem Elektrobus, welcher alle drei bis vier Stationen während dem Ein- und Aussteigen der Passagiere aufgeladen wird. Die meisten Verkehrsbetriebe setzen bei der Umstellung auf Elektro auf dieses System. Allerdings ist dieses nicht ganz billig, da neben der Anschaffung der Elektrobusse auch die Aufrüstung der Haltestellen zu Buche schlagen.

Bei einer leicht abgeänderten Variante können die Busse an den Endhaltestellen elektrisch wieder «aufgetankt» werden. Ein entsprechender Versuch läuft in Bern. Auf dem Markt ist auch ein System für Trolleybusse, welche teilweise mit Oberleitung, teilweise mit Batterie fahren. Diese Variante wird zurzeit in der Stadt Zürich getestet. Auf den am komplett «entkoppelten» Bus setzt einzig die Postauto Schweiz AG. Das Problem: Es muss ein grosser Akku eingebaut werden. Dadurch wird der Bus schwerer und der Platz für Passagiere knapper.

Entsprechend sind die ersten Reaktionen auf das Pilotprojekt auch wenig enthusiastisch: «Die BVB machen hier einen Mikroschritt in Richtung Zukunft», sagt SP-Verkehrspolitiker Jörg Vitelli. Das Pilotprojekt sei nicht zielführend. «Man muss sich nur mal die Frage stellen, wie ein Dutzend Busse über Mittag zum Aufladen ins Depot fahren soll.» Die BVB hätten besser Geld aufgeworfen für eine richtige Versuchsstrecke. «Wenn man es ernst meint, muss man den Versuch grösser aufziehen.» Die nötigen Mittel würden zur Verfügung stellen, so Vitelli – er denkt dabei etwa an den Stromsparfonds des Amts für Umwelt und Energie, aus dem bereits der Biogasbus gefördert worden seien.

«Auch Basta-Grossrat Beat Leuthard kritisierte letztes Jahr den zuständigen Regierungsrat Hans-Peter Wessels (SP); «Es läuft überall deutlich mehr.» Wenn man über die Kantonsgrenze blicke, sehe man, dass Basel im Städtevergleich nicht nur hinterherhinke, sondern dass keine Dynamik entstehe.