Coronavirus
Lasst uns froh und getestet sein: Verschiedene Ansätze für Festtage während der Pandemie

Basler Coronatestcenter erwarten rund um die Feiertage eine hohe Nachfrage – auch von nicht kranken Personen. Der bekannte deutsche Virologe Christian Drosten wirbt für eine «Vor-Quarantäne».

Jonas Hoskyn
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Auch das Universitätsspital ist auf einen Anstieg der Testanfragen rund um die Feiertage vorbereitet.

Auch das Universitätsspital ist auf einen Anstieg der Testanfragen rund um die Feiertage vorbereitet.

Keystone/dpa/Marius Becker

Die Festtage stehen vor der Tür. Und damit die schwierige Frage, wie man die besinnliche Zeit mit der Familie verbringen kann, ohne angesichts der hohen Coronafallzahlen befürchten zu müssen, dass es für die Grosseltern die letzte Weihnachtsfeier wird.

Um das Risiko zu senken, dass das Fest zum Superspreader wird, werden zurzeit verschiedene Ansätze diskutiert. Der bekannte deutsche Virologe Christian Drosten wirbt für eine «Vor-Quarantäne» – eine Art Selbstisolation im Vorfeld von Familienbesuchen. In der Woche vor dem Treffen sollen soziale Kontakte reduziert werden, um so das Risiko einer Infektion zu verkleinern.

Bund übernimmt Kosten nur bei Symptomen

«Aus epidemiologischer Sicht kann ein Schnelltest sinnvoll sein», so Marcel Tanner, Basler Epidemiologe.

«Aus epidemiologischer Sicht kann ein Schnelltest sinnvoll sein», so Marcel Tanner, Basler Epidemiologe.

CH Media

Eine andere Variante, die zurzeit die Runde macht, ist die Idee, sich kurz vor Weihnachten auch ohne Symptome sicherheitshalber einem Coronatest zu unterziehen. Der Basler Wissenschafter Marcel Tanner sagte kürzlich gegenüber dem «Tages-Anzeiger», aus epidemiologischer Sicht könne ein Schnelltest sinnvoll sein in besonderen Situationen vor Kontakten mit stark gefährdeten Personen, beispielsweise vor einem Besuch in einem Altersheim. Allerdings wäre ein solcher Test selbst zu bezahlen. Denn der Bund übernimmt die Kosten nur bei Tests aufgrund von Symptomen. Allerdings sind diese mittlerweile sehr breit gefasst.

«Wir sind praktisch immer ausgebucht»

Dominik Saner betont: «Wir testen nur Personen mit Symptomen.»   

Dominik Saner betont: «Wir testen nur Personen mit Symptomen.»   

Kenneth Nars

«Wir rechnen damit, dass über Weihnachten und auch Silvester mehr Anfragen für Tests kommen», sagt Dominik Saner von der Saner Apotheke. Schlicht auch, weil dann viele Menschen zusammen kommen. Gleichzeitig betont er: «Wir testen nur Personen mit Symptomen.» In Zusammenarbeit mit dem Drop In Lab bietet seine Apotheke seit zwei Wochen den neuen Coronaschnelltest an, als eine von rund einem halben Dutzend Apotheken im Kanton.

«Unsere Kapazität liegt bei 50 Tests pro Tag»

Die Anmeldung erfolgt online. Der eigentliche Termin vor Ort in einem eigens aufgestellten Testzelt vor der Markthalle dauert dann nur wenige Minuten. Innerhalb von zwei Stunden erhält man das Ergebnis per Mail. In den ersten vier Tagen nach Auftreten der Symptome habe der Test eine hohe Verlässlichkeit, so Saner.

Bisher war das Testzelt täglich während vier Stunden geöffnet, was für 24 Schnelltests reicht. «Wir sind praktisch immer ausgebucht», sagt Saner. Deshalb werde das Angebot nun kontinuierlich ausgebaut. «Unsere Kapazität liegt bei 50 Tests pro Tag.» Dabei sei der Aufwand im Labor und die Nachbearbeitung nicht zu unterschätzen.

Unispital hat genügend Test-Kapazitäten

Auch das Universitätsspital ist auf einen Anstieg der Testanfragen rund um die Feiertage vorbereitet. «Momentan bewegt sich die Anzahl Tests unter 400 pro Tag», sagt Sprecher Nicolas Drechsler. Die Maximalkapazität liege bei 750, also fast doppelt so hoch. Für das Unispital würde es in der aktuellen Situation auch kein Problem darstellen, Personen ohne Symptome zu testen: «Wir hatten auch schon Leute bei uns, die in die Ferien wollten und einen negativen Test brauchten.»

Drechsler mahnt vor trügerischer Sicherheit

Im Gegenteil: «Grundsätzlich gilt: Je mehr wir testen, desto eher können wir voraussehen, wie sich die Situation entwickeln wird.»

Allerdings mahnt Drechsler vor einer trügerischen Sicherheit, welche ein Negativtest mit sich bringen könne: «Der Test bietet keine absolute Sicherheit.» Ein negatives Resultat würde lediglich bedeuten, dass zum Zeitpunkt des Tests nicht genügend Viren nachgewiesen worden seien. Das könne sich schnell ändern, so Drechsler.

Gesundheitsdepartement rät von Präventiv-Tests ab

Auch beim Basler Gesundheitsdepartement hält man wenig von der Idee, sich per Test einen Persilschein für die Feiertage ausstellen lassen zu wollen: «Tests sind bei Symptomen angezeigt oder werden teilweise bei Auslandreisen verlangt», sagt Sprecherin Anne Tschudin. «Sie sind immer eine Momentaufnahme, am anderen Tag kann das Resultat bereits wieder ein anderes sein. Deshalb empfehlen wir nicht, sich präventiv vor den Festtagen ohne Symptome zu testen, um das Gesundheitswesen nicht zu belasten.»