«Das will ich. Nein, lieber das da. Oder das rechts davon. Mami, was meinst du?» Der Junge auf dem orangen Laufrad kann sich kaum entscheiden. Zu gross ist die Auswahl. Um dem Kleinen das Entscheiden zu vereinfachen, stellt die Verkäuferin eine Auswahl von vier Gläschen mit je einer Figur drin und einer farblich passenden Kerze auf den Verkaufstisch. Vehement schüttelt der Junge in der blauen Jacke den Kopf: Kerzenständer Nummer zwei und drei scheiden aus. Zwei sind noch übrig: «Welches möchtest du jetzt?», fragt die Mutter etwas ungeduldig.

Am Abend vor Heiligabend ist in der Markthalle ein Last-Minute-Geschenke-Markt. Nur Handgemachtes wird hier von verschiedenen Anbietern verkauft. Alles schon bereit, um verschenkt zu werden. Geschenkverpackung inklusive.

Ideal für Last-Minute-Einkäufer

Tosca Martino hofft, in der Markthalle fündig zu werden. «Eine gute Freundin kommt spontan an Heiligabend vorbei.» Zwar hätten sie vor Jahren vereinbart, sich keine Geschenke mehr zu machen. Die Freundin halte sich aber nie daran. «Jetzt will ich ihr auch mal was schenken», sagt Martino und lässt ihren Blick über den Stand mit den Armbändern und Halsketten aus Nespresso-Kapseln schweifen. «Schmuck wäre schon gut, aber das gefällt mir gar nicht.»

Schnurstracks klappert die Baslerin Stand für Stand ab. Die Etuis aus alten Veloschläuchen gefallen ihr. Aber: «Eher für meine Kinder.» Für beide habe sie jedoch bereits Geschenke gekauft. «Sogar schon eingepackt», betont sie. «Meine Kinder geben mir schon im September ihre Wunschliste ab. Das erspart mir das Last-Minute-Einkaufen.» Der Ausflug an den Weihnachtsmarkt in der Markthalle sei aber typisch für sie: «Ich kaufe immer alles in der letzten Minute. Am Freitagmorgen habe ich auch noch schnell einen Weihnachtsbaum gekauft», sagt Martino.

«Unverbindlich probieren», ruft Verkäuferin Kristina Grbesic hinter ihrem Tisch hervor. «Ingwerer» steht auf den Flaschen. «Das schärfste Weihnachtsgeschenk», verspricht Grbesic. Der Ingwer-Likör bestehe aus rein biologischen Zutaten. Und sei ein ideales Last-Minute-Weihnachtsgeschenk.

Nicht alle kommen aber in vorweihnachtlicher Verzweiflung in die Markthalle: Den Besuch des Markts hatte eine Besucherin schon lange geplant. Ein Geschenk für ihr «Gottemeitli» war das Ziel. Und sie wurde fündig: Mit einem handgemachten grün-rot gemusterten Pullover verlässt sie den Stand. Doch: «Vor Heiligabend gehe ich Last-Second-Einkaufen. Ich habe noch nicht alle Geschenke zusammen», sagt sie.

Auf der Suche nach Besonderem

Tosca Martinos Suche war noch nicht erfolgreich. «Es ist schwierig, etwas zu finden, wenn man nicht genau weiss, wonach man sucht.» Einen Velosattelüberzug hat sie fast gekauft. Aber die Farben haben dann doch nicht ganz gestimmt. «Ich bin sehr wählerisch», gibt sie zu. «Ich will eben etwas schenken, das nicht nur irgendwo verstaubt.» Und es müsse etwas Besonderes sein. Weihnachtsschmuck, Filzfinken, Necessaires oder «Amedysli» kämen nicht infrage.

Rachel Frauchiger hingegen hat bereits mehrere mögliche Geschenke entdeckt. Vielleicht kaufe sie sich auch selbst noch was. «Zuerst aber kommen die anderen dran», sagt sie. Währendessen hat sich der Junge mit dem Laufrad für einen Kerzenständer mit Skifahrerfigur drin entschieden. Und Tosca Martinos musste ihre Suche abbrechen: «Leider nichts gefunden.» Ans Aufgeben denkt sie aber nicht: «Ich habe ja noch bis zum Abend Zeit.»