Ausflugstipp

Laufenburg: zwei Länder – eine sehenswerte Stadt

Der Blick auf das aargauische Laufenburg mit Burghügel und Stadtkirche vom Restaurant Rebstock in Badisch-Laufenburg.

Der Blick auf das aargauische Laufenburg mit Burghügel und Stadtkirche vom Restaurant Rebstock in Badisch-Laufenburg.

Das aargauische Städtchen Laufenburg ist nur eine gute halbe Stunde von Basel entfernt. Die Habsburgerstadt lockt mit majestätischer Vergangenheit und prächtigem Rheinpanorama.

Grün ist der Rhein hier, träge und kühl. Unser Ausflug nach Laufenburg an einem heissen Sommertag führt uns immer wieder an und über den Fluss. Das liegt einerseits an der Kleinräumigkeit des Städtchens, andererseits an seiner geopolitischen Lage: Laufenburg – zwei Länder, eine Stadt. So lautet das Motto der Waldstadt, die seit 1801 nicht mehr nur durch den Rhein, sondern auch durch die Landesgrenze geteilt ist.

Bis zum Frieden von Lunéville und der Abtrennung des Fricktals von Vorderösterreich durch Napoléon Bonaparte höchstpersönlich war Laufenburg eine österreichische Stadt beidseits des Rheins. Die Treue zum alten Herrscherhaus, zur Landesmutter Maria Theresia und ihrem Sohn Joseph II. ist bis heute geblieben. In den Amtsstuben des katholischen Fricktals hängen Bilder der Kaiserin und des Kaisers. In Laufenburg ist man besonders stolz auf die beiden. Schliesslich ist das Städtchen Ursprungsort der Grafen von Habsburg-Laufenburg und liegt mitten in den habsburgischen Stammlanden.

Von Basel, Muttenz und Pratteln aus ist Laufenburg bequem mit der S-Bahn zu erreichen – ab Basel SBB in 36 Minuten. Am Bahnhof, oberhalb der Stadt, lädt das Café Maier zu Kaffee und Kuchen ein. Die alteingesessene Bäckerei Maier war bis vor kurzem das letzte verbliebene Ladengeschäft in der Laufenburger Altstadt, nun hat sich die Familie entschieden, sich ganz auf den Standort an der Baslerstrasse zu konzentrieren.

Verschlafene Idylle

Seit 2004 die Hochrheinbrücke nach Badisch-Laufenburg eröffnet und die alte Laufenbrücke in der Stadt für den Autoverkehr gesperrt wurde, ist das aargauische Laufenburg in einen Dornröschenschlaf versunken. Das ist schlecht für die lokale Wirtschaft, dafür lädt die autofreie Altstadt zum Flanieren in den Gassen ein. Wie in einer längst vergangenen Zeit fühlt man sich, wenn man vom Bahnhof her durch das Wasentor in die Altstadt tritt.

Wir folgen den gelben Wanderwegschildern durch die Obere Wasengasse. Auf dem Wasenbrunnen thront der stolze rote Laufenburger Löwe als Wetterfahne. Bald tritt man auf den Laufenplatz, wo eindrücklich das Panorama der badischen Stadt auftaucht.

Geht man über die Brücke mit dem heiligen Nepomuk und dem Grenzstein in der Mitte – auf der einen Seite das Aargauer Wappen, auf der anderen das des Grossherzogtums Baden als Nachfolger der österreichischen Regierung – geht rechts, etwas versteckt hinter dem alten Zollgebäude, eine Treppe zum Rheinuferweg hinunter.

Man kann ihm bis zur Hochrheinbrücke durch eine idyllische Gartenlandschaft folgen und dann auf der Schweizer Seite flussabwärts wieder zurückwandern. Wir gehen aber die Hauptstrasse hoch bis zum ehemaligen Waldtor – das Tor zum Schwarzwald – und jetzigen Rathaus von Badisch-Laufenburg. Dort liegt auf der rechten Seite das Hotel «Brutsches Rebstock». Das Gasthaus bietet von seiner Terrasse aus einen herrlichen Ausblick auf den Rhein und die Schweizer Stadt. Sehr zu empfehlen sind hier die hausgemachten Käsespätzle oder die Fischknusperle im Backteig.

Eine Wohltäterin aus Amerika

Wer es noch etwas exklusiver mag, kann sich auf der Sonnenterrasse des Restaurants «Schlössle», hoch über der Stadt, verwöhnen lassen. Von hier oder von der Heilig-Geist-Kirche hat man ebenfalls einen malerischen Ausblick über die Stadt.

Das Schlössle wurde vom Basler Bankdirektor Johann Jakob la Roche als Sommersitz erbaut. 1894 liess das wohlhabende amerikanische Ehepaar Codman aus Boston die Villa zum Schlössle ausbauen. Mary Elisabeth Codman stiftete als grosse Wohltäterin auch den Kriegerfelsen mit dem Adler in Gedenken an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs.

Wir kehren zurück über die Brücke, unter der einst die Stromschnellen durchschossen, die der Stadt ihren Namen gaben: der Laufen. Die Geschichte des «kleinen Rheinfalls» und des massiven Eingriffs in die Landschaft durch den Kraftwerksbau 1914 erfährt man im Museum Schiff (siehe Kasten).

Ein weiteres sehenswertes Museum ist das Skulpturenmuseum von Erwin Rehmann. Die Stadt Laufenburg hat dem Künstler viel zu verdanken. Laufenburg wurde 1985 mit dem Wakker-Preis ausgezeichnet, 31 Jahre vor der Schwesterstadt Rheinfelden, die dieses Jahr den Preis des Schweizer Heimatschutzes erhalten hat.

Der heute 94 Jahre alte Bildhauer setzte sich damals für den Erhalt und die Renovation der Altstadt ein. Rund um seine Wirkungsstätte aus Wohnatelier und ehemaliger Giesserei ist 2001 vor den Toren der Stadt das Rehmann-Museum mit einem Skulpturengarten am Rhein entstanden (siehe Kasten).

Mittelalter und Barock

Auf dem Rückweg zum Bahnhof gehen wir noch einmal um den Burghügel herum. Der Bergfried ist der letzte Rest des einst stolzen Habsburgerschlosses. Über eine Stahltreppe gelangen wir auf die Aussichtsplattform und werden auch hier mit einem prächtigen Panorama belohnt. Die Stadtkirche Johannes der Täufer unterhalb des Bergfrieds entstand noch vor der Stadtgründung. Nach der Zerstörung im Dreissigjährigen Krieg wurde im 17. Jahrhundert eine neue Kirche gebaut.

Der Hochaltar wird flankiert von vier Seitenaltären, darunter der mit den Reliquien der heiligen Secunda. Unter grossem Getöse wurden 1666 die sterblichen Überreste der Märtyrerin aus den Katakomben in Rom nach Laufenburg überführt. Etwas später entstanden der Katharinen- und der Sebastiansaltar und der prunkvolle Altar der Maria Immakulata – mit seiner Mondsichelmadonna ist er der schönste unter den vier Seitenaltären.

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