Laura Chaplin, wie reagieren Fremde, wenn Sie sich mit Ihrem Nachnamen vorstellen?

Laura Chaplin: Die Reaktion ist oft ähnlich: Zuerst möchten sie über meinen Grossvater reden, wie er ihr Leben verändert und was er ihnen gegeben hat. Dann fragen sie nach meinen Erlebnissen mit dem kleinen Landstreicher, den ich leider wegen meiner späten Geburt nicht persönlich kennenlernen durfte.

War der Name Chaplin jemals eine Last für Sie?

Der Name ist mit vielen Vorurteilen behaftet und die Leute haben hohe Erwartungen, aber für mich ist es eine Ehre, Chaplin zu heissen. Ich trage diesen Namen mit Stolz.

Was antworten Sie jemandem, der Ihnen sagt: «Sie sind nur berühmt wegen Ihres Grossvaters»?

Ich wurde geboren mit diesem Erbe, ich habe das nicht gewählt. Meine Antwort: Jene, die das sagen, wissen offensichtlich nicht, was ich tue. Wie viele andere wurde ich inspiriert von Charlie Chaplin. Ich versuche nicht, wegen meines Namens berühmt zu sein, sondern für das, was ich als Künstlerin tue.

Was ist das Wichtigste, das Sie von Charlie gelernt haben?

Dass man nie aufgeben soll, woran man glaubt. Mein Lieblingssatz aus dem Mund meines Grossvaters: «Ein Tag ohne Lachen ist ein verschwendeter Tag.» Ich bin tief überzeugt, dass das wahr ist. Ein Lachen lindert die schwierigen Aspekte unseres Lebens. Nicht «nur» macht das Lachen uns Menschen attraktiver, es stärkt auch das Immunsystem. Es dient sogar medizinisch der Schmerzlinderung. Ein Lachen hat noch nie jemanden getötet, im Gegenteil. Es kann helfen, die Welt zu verbessern.

Vergangenen Samstag wurde im ehemaligen Wohnhaus von Charles Chaplin «Chaplin’s World» eröffnet. Sie haben einen Teil Ihrer Kindheit in dem Haus verbracht. Wie stehen Sie zum Museumsprojekt?

Ich schätze mich glücklich, dass ich im Manoir de Ban, diesem wunderschönen Anwesen am Genfersee, aufwachsen durfte. Ich finde es toll, dass nun alle Menschen Zutritt zu diesem magischen Ort haben. Es gibt kein anderes Museum auf der Welt, das meinem Grossvater gewidmet ist. Er hat sich diese Ehrerbietung wahrlich verdient.

Sind Sie selber in das Museumsprojekt involviert?

Nein, nicht wirklich, mein Vater Eugene ist aber sehr im Museum engagiert.

Weshalb ist Charlie Chaplin eigentlich Thema Ihrer eigenen künstlerischen Tätigkeit?

Charlie Chaplin ist mein Grossvater, zugleich aber eine Person, die in der Kultur des 20. Jahrhunderts eine grosse Rolle spielt. Er hat nicht nur mein Leben verändert, sondern auch jenes vieler anderer Menschen. Obwohl ich ihn persönlich nie getroffen habe, ist er in meinem Leben sehr stark präsent. Ihn zu malen stellt eine enge Verbindung zu ihm her. Durch die Malerei kann ich mir selber eine Vorstellung von ihm machen. Ihn bloss via andere Medien oder Erzählungen von anderen Menschen kennenzulernen und zu erleben, das hat mir irgendwann nicht mehr gereicht. Es ist für mich ein grosses Vergnügen, in dieses sehr persönliche Thema einzutauchen. Ich habe bereits als Kind damit angefangen, die Person Charlie Chaplin auf verschiedene Weise in meinem Tun und Schaffen wiederzugeben. Er ist mein Lieblings-Clown.

Stimmt unser Eindruck, wonach Sie nicht Ihren Grossvater porträtieren, sondern den «Tramp», diese kulturelle Ikone des 20. Jahrhunderts?

Es ist schon so, dass ich oft nicht ihn, sondern seine Kunst porträtiere. Aber es gibt auch einige Werke von mir, die andere künstlerische Qualitäten von Charles Chaplin zeigen, etwa, was für ein super Musiker er war.

Sie werden am Wochenende zu Gast an der Martial-Arts-Messe in der Basler St. Jakobshalle sein. Welche Verbindungen haben Sie zur Region?

Nicht viele, um ehrlich zu sein. Ich war aber einige Male hier, als mein Vater künstlerischer Direktor des Zirkus Nock war und ich mit ihm auf Tour ging.

Haben Sie denn einen Bezug zur Welt des Kampfsports?

Durchaus. Als Kind ging ich ins Karate und schaffte immerhin den orangen Gürtel. Ich finde, Karate ist eine sehr gute Art, sich selbst zu verteidigen. Es hat auch etwas sehr Poetisches.

Das Interview wurde auf Englisch geführt und übersetzt.