Theater
Laura de Weck: Urvertrauen in eigene Texte

Die erfolgreiche Bühnenautorin und Schauspielerin Laura de Weck über ihre Anfänge in Basel, ihre neuesten Projekte und das Abstimmungsresultat zur Theaterfinanzierung.

Anna Wanner
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«In Basel habe ich mich immer wohl gefühlt», sagt die Wahl-Hamburgerin Laura de Weck. Vor gut fünf Jahren lebte sie für ein paar Wochen in Basel und fand Gefallen an der Stadt. Mit der Uraufführung von «Für die Nacht» am 7. April meldete sie sich in der Rheinstadt zurück. Wie bei ihrem Debüt vor vier Jahren inszeniert Werner Düggelin das Stück der jungen Dramatikerin im Theater Basel.

Doch nicht nur die Karriere als erfolgreiche Bühnenautorin, sondern auch jene als Schauspielerin nahm am Theater Basel ihren Anfang: Ihr erstes Stück nach Abschluss der Schauspielschule war Ibsens «Peer Gynt» im 2006. Da spielte sie nicht nur eine, sondern gleich etwa zehn Rollen – darunter einen Affen und eine arabische Tänzerin. Ein zweites Mal stand sie 2007 als Marie in Büchners Woyzeck in Basel auf der Bühne – im gleichen Jahr als Altmeister Düggelin ihr Stück «Lieblingsmenschen» uraufführte. Kein Wunder kommt sie gerne nach Basel zurück.

Ein ungleiches Paar

Wer denkt, dass Laura de Weck vom Erfolg verwöhnt ist, liegt falsch. «Als ich mit der Schauspielschule fertig war, stellte ich mich bei unzähligen Theatern und Regisseuren vor», erzählt sie. Dabei habe sie etliche Absagen erhalten. Erst beim Vorstellungsgespräch mit Düggelin tat sich ganz unverhofft eine Chance auf. Dieser wollte wissen, woran sie gerade arbeite. Sie antwortete verlegen, dass sie arbeitslos sei. Dafür schreibe sie an einem Theaterstück. Der 81-jährige Theaterregisseur wurde hellhörig und verlangte den Text. Über sein Interesse sei sie sehr überrascht gewesen. Als er ihr dann sogar anbot, das Stück aufzuführen, forderte sie ihn ungläubig auf: «Bitte machen Sie sich nicht lustig über mich!»

Gemäss de Weck funktioniert die Zusammenarbeit trotz 50 Jahre Altersunterschied gut. Sie vertraue dem Regisseur, denn er habe ein Gefühl für Reduktion und Dialoge. Überhaupt dürfe eine Autorin nicht zu feinfühlig sein. «Jeder Regisseur interpretiert ein Stück anders», sagt sie. Wer sich entscheide, Theater zu schreiben, müsse mit Überraschungen leben können.

Ihr Stück «Für die Nacht» spielt bis Ende Mai am Theater Basel. Die umtriebige Schauspielerin und Bühnenautorin schreibt, produziert und pendelt zwischen Hamburg und Zürich, scheint kaum zur Ruhe zu kommen. Umso mehr überrascht die Begegnung mit ihr als einer unaufgeregten und bedachten jungen Frau, die gelassen an ihrem Mineralwasser nippt. «Komischerweise spüre ich keinen Druck», erwidert sie, auf die Erwartungen der Öffentlichkeit angesprochen. Ihre Ruhe führt de Weck auf ein gewisses Urvertrauen in ihre eigenen Texte zurück. Zwar hadere sie während des Schreibprozesses mit sich selbst, doch wenn der Text fertig sei, stehe sie voll und ganz dahinter.

Ob sie ihre anfangs zögerlichen Antworten auf die Goldwaage legte, im Wissen, dass diese bald abgedruckt werden? Nein. Die 29-Jährige lässt sich bloss von der Musik im Café ablenken. Es läuft französischer Sprechgesang von Alliance Ethnik. «Das habe ich früher immer gehört», erinnert sich die Autorin. Gerade in ihrem neuesten Projekt befasst sich de Weck auch intensiv mit Sprache und deren Rhythmus. Das Produkt ist ein elektronisches Konzert, in welchem gesprochen statt gesungen wird: «Mit freundlicher Unterstützung von» ist de Wecks erste Regiearbeit. Sie kommt damit am 26. Oktober 2011 in die Kaserne Basel.

Bald Mutterfreuden

Auch aus ihrem Privatleben gibt es News: Laura de Weck erwartet ihr erstes Kind. Sie versichert, dass sie trotz der vielen Projekte eine Babypause geplant habe. Weiter verrät die Tochter von SRG-Generaldirektor Roger de Weck aber nichts. Das Thema Familie ist und bleibt tabu. «Mit meinen Texten gebe ich bereits sehr viel Persönliches Preis», sagt die Autorin.

Dafür spricht sie über Kulturpolitik: Das Abstimmungsresultat zur Theaterfinanzierung habe sie traurig gestimmt. Doch sehe sie darin auch die Konsequenz der Entwicklung des Theaters. Viele Menschen hätten gar keinen Zugang. Das Theater sterbe an seinem eigenen verstaubten Klischee: dass man nicht drauskommt oder dass es langweilig ist. «Das ist schade», so de Weck. Denn das Theater erfülle die moderne Sehnsucht, etwas Gemeinsames zu erleben.

Information: Die nächste Vorstellung von «Für die Nacht» findet an diesem Samstag um 20 Uhr im Schauspielhaus Basel statt.