Grosser Rat

LDP-Grossrat Michael Koechlin: «Ich bin kein Wichtigtuer»

Foto: Nicole Nars-Zimmer

Nicht immer auf Parteilinie: LDP-Grossrat Michael Koechlin

Foto: Nicole Nars-Zimmer

Michael Koechlin (LDP, 62) ist einer der auffälligsten neuen Parlamentarier. Im Interview erklärt er seine Politik. Auch wenn von den Medien so bezeichnet, sei er kein Wichtigtuer, er habe lediglich in gewissen Themen einen Wissensvorsprung.

Herr Koechlin, neben Grossratspräsident Conradin Cramer sind Sie derzeit der aktivste LDP-Grossrat.

Michael Koechlin: Diese, Ihre Feststellung, freut mich natürlich. Aber wie kommen Sie dazu?

Zum Beispiel wegen der Kunstmuseums-Schliessung, die Sie als Erster kritisierten. Was halten Sie vom in Aussicht gestellten Alternativprogramm?

Ein solches Alternativprogramm, sollte es tatsächlich realisiert werden, kann höchstens die zweitbeste Lösung sein. Aus meiner Sicht ist die Schliessung nach wie vor inakzeptabel. Ich habe bis jetzt noch keine einleuchtende Erklärung erhalten, weshalb man nicht zuerst den Erweiterungsbau realisiert und dann den Hauptbau renoviert.

Überrascht hat Ihr Engagement für die Wagenleute an der Uferstrasse.

Das war für mich ein Abwägen zwischen Nutzen und Schaden einer Räumung. Das Projekt und die Menschen, die dahinterstehen, sind keinerlei Bedrohung für Staat und Gesellschaft. Ein Polizeieinsatz dagegen wäre total kontraproduktiv gewesen und hätte unabsehbare Folgen gehabt.

Parteikollegen haben Ihr Engagement aber prompt kritisiert.

Ja, ich habe dafür intern Kritik einstecken müssen. Ich habe aber keine Ausschlussdrohungen erhalten oder Ähnliches. Die Reaktionen haben mich im Gegenteil darin bestärkt, in der richtigen Partei zu sein. Bei uns kann man in Sachfragen diametral unterschiedliche Positionen vertreten, ohne dafür gemassregelt zu werden.

Wo stehen Sie in der LDP?

Im Vernunftsflügel.

Da wollen doch alle sein.

Wenn Sie die gängigen Etikettierungen ansprechen: Ich bin sicher im eher linken, sozial und ökologisch verantwortungsbewussten Flügel.

Warum sind Sie in der LDP?

Weil es eine kleine, offene und echt liberale Basler Partei ist, die sich unabhängig von einer Schweizer Mutterpartei auf die Lösung der Probleme in Basel konzentrieren und entsprechend Verantwortung übernehmen kann. Und weil es viele kluge Leute hat.

Dann halten Sie nichts von einer Fusion mit der FDP?

Nein. Ich bin in der LDP, solange die Partei bleibt, wie sie jetzt ist.

Was ist Ihr Rollenverständnis als Parlamentarier?

Ich verstehe den Grossen Rat als Gesetzgeber und konstruktiv-kritischen Begleiter der Exekutive. Das heisst, dass man als Parlamentarier interveniert, wenn es nötig ist, und sonst Vertrauen in Regierung und Verwaltung hat und ihre Arbeit nicht mit unnötigen Vorstössen behindert.

In der «Basler Zeitung» wurden Sie in einem Politiker-Rating als Besserwisser und Wichtigtuer bezeichnet, der den Rollenwechsel vom Chefbeamten zum Parlamentarier noch nicht geschafft hat.

Mit dem Besserwisser kann ich umgehen. Als langjähriger früherer Chefbeamter habe ich bei gewissen Themen zwangsläufig einen Wissensvorsprung gegenüber anderen Parlamentariern. Der Vorwurf, ein Wichtigtuer zu sein, hat mich dagegen getroffen. Das ist für mich schlicht nicht nachvollziehbar.

Wie erleben Sie den Politbetrieb?

Die Arbeit im Parteivorstand, in der Fraktion und in der Geschäftsprüfungskommission empfinde ich als spannend und konstruktiv. Bei der Arbeit im Plenum des Grossen Rats bedaure ich, dass allzu häufig die persönliche Profilierung und nicht die Sache im Vordergrund steht.

Wie beurteilen Sie aus Ihrer neuen Optik die Arbeit der rot-grün dominierten Regierung?

Obwohl SP und Grüne in der Regierung eine Mehrheit haben, empfinde ich sie nicht als einseitig links-grün. Die Regierung ist vor allem auf einen soliden Staatshaushalt bedacht und versucht, bei wichtigen Themen wie der Pensionskassenreform einen breiten Konsens herbeizuführen.

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