Patricia von Falkenstein, worüber plaudern wir?

Das Nähkästchen meint: Quartier. Ich wohne bereits sehr lange hier im Gellert, in diesem Haus seit 2003. Aufgewachsen bin ich aber in den USA, Rom – und Oberwil.

Warum das Gellert?

Sowohl mein Bruder, seine Frau als auch meine beste Freundin wohnen in der Nähe. Das ist mir wichtig, auch wegen meiner beiden Kinder. Sie haben ein sehr gutes Verhältnis zu ihnen.

Sie passen ja auch sehr gut hierhin.

Inwiefern?

Sie entstammen einer wohlhabenden Adelsfamilie. Im Gellert sind das Grossbürgertum und der Geldadel zu Hause.

Ja, aber nicht nur! Viele Häuser wurden ja in einzelne Wohnungen unterteilt. In diesem Quartier zu leben, ist auch für Normalverdienende erschwinglich.

Was schätzen Sie am Gellert?

Die Ruhe, die guten Tramverbindungen, die Nähe zum Zentrum. Auch die vielen Begegnungszonen. Meine Kinder haben früher auf der Strasse gespielt. Es ist ein Dorf in der Stadt, man kennt sich.

Könnten Sie sich vorstellen, in einem anderen Quartier zu leben?

Sicher. Am lärmigen Rheinbord allerdings nicht. Zudem würde mich die Parkplatzsuche im Kleinbasel stressen – hier habe ich vor dem Haus mein Feld. In den vergangenen Jahren sind so viele Parkplätze verschwunden. Ich habe das Gefühl, die Verwaltung macht den Autofahrern das Leben bewusst schwer. Wenn ich mich im Quartier umhöre, ist das ein grosses Thema. Es nervt sogar jene, die kein Auto besitzen.

Wo würden Sie leben, sollten Sie Basel verlassen wollen?

Am ehesten in Rom. Als Kind bin ich dort zeitweise aufgewachsen. Aber: Leben im Ausland stellt für mich nicht unbedingt eine Option dar. Alleine wegen der Kinder. Ich bin in Basel «kleben» geblieben. Rückblickend finde ich das ein wenig schade.

Bereuen Sie den Weg, den Sie eingeschlagen haben?

Nein, die Kinder machen mir jeden Tag grosse Freude. Aber ich würde gerne mehr reisen. Das hat meine Familie im Blut, wir lieben es, unterwegs zu sein. Meine Mutter ist soeben aus Tibet zurückgekehrt; sie hat das Basislager am Mount Everest besucht. Stellen Sie sich das mal vor, mit 80 Jahren!

Wenn man gesund ist und das nötige Kleingeld hat, ist das kein Problem ...

... Zeit braucht es auch. Ja, ich bin meiner Familie dankbar dafür, dass ich nicht mehr auf ein geregeltes Einkommen angewiesen bin. Entsprechend engagiere ich mich ehrenamtlich in zahlreichen Vereinen und Organisationen, um etwas zurückzugeben.

Sie haben sicher viele Neider.

Ja, und manchmal lassen sie es einen auch spüren. Etwa, wenn sie sagen, man sei arrogant, hätte keine Ahnung, wie hart das Leben sei. Das mag stimmen, aber ich habe mir das nicht ausgesucht! Abgesehen davon gibt es auch genügend Probleme in meinem Umfeld. Es ist ja nicht so, dass materieller Wohlstand vor Scheidung, schweren Krankheiten, Streit, Missgunst abhält.

Sie stellten sich mir am Telefon ohne das «von» in Ihrem Namen vor. Schämen Sie sich für den Adelstitel?

Nein. Meine Herkunft erfüllt mich mit Stolz. Aber angeben würde ich damit niemals. Es war mir auch nie wichtig, mich zwingend in diesen Kreisen zu bewegen.

Stimmt. Ihr Ex-Partner und Vater Ihrer Kinder, Nationalrat Christoph Eymann, entstammt einer – vergleichsweise – einfachen Kleinbasler Familie. Was für ein Verhältnis haben Sie?

Ein sehr gutes und freundschaftliches. Er besucht uns regelmässig, mit seiner Frau und der Halbschwester meiner Kinder.

Mit Ihnen war Eymann nie verheiratet. Hätten Sie denn gerne geheiratet?

Ja, ganz in Weiss in der Kirche. So richtig romantisch, mit Feuerwerk zum Schluss. Das wünsche ich mir immer noch.

Warum sind Sie überhaupt Single? Sie sind doch ein super Fang.

Das müssen Sie die Männer fragen! Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich ihnen ein bisschen Angst mache. Weil ich beruflich erfolgreich bin, eloquent, unabhängig ... Und in dem Alter – ich bin 56 Jahre alt – ist es schwierig, jemanden kennen zu lernen, der einem passt und der auch mit den eigenen Macken klarkommt.

Heute treiben sich Paarungswillige jeden Alters auf Dating-Plattformen rum.

Oh jesses, so Blind-Dates mit Rose im Knopfloch wären nichts für mich! Ich suche ja nicht krampfhaft.

Das Single-Leben hat schliesslich auch viele Vorteile.

Sie sagen es! Wobei, manchmal fehlt mir eine starke Schulter zum Anlehnen. Jemand, der mit mir hin und wieder Entscheidungen trifft. Als Alleinerziehende trägt man eine grosse Verantwortung.

Wird eine unverheiratete Mutter von
einer gut betuchten, grossbürgerlichen Gesellschaft goutiert?

Das ist kein Problem. Als ich allerdings mit einem ehemaligen FCB-Spieler zusammen war, haben viele die Nase gerümpft. Da haben die Leute dann «geschnuurt» ... Ich war im Gespräch. Aber es war mir egal.

Als Politikerin sind Sie seit vier Jahren gross im Gespräch; als Präsidentin der Basler LDP. Sie gehören zu den erfolg-reichsten Politikerinnen der Stadt.
Gelüstet es Sie nicht nach mehr?

2016 habe ich mich gegen eine Regierungsratskandidatur entschieden, überliess das Feld meinem Parteikollegen Conradin Cramer. Er ist sehr kompetent und hat ein gutes Alter. Mir wäre das Amt zu zeitaufwendig, ich engagiere mich ja in vielen Organisationen und möchte dies weiterhin tun. Zeit für meine Kinder, Eltern und meine Freunde zu haben, ist mir sehr wichtig.

Und was ist mit Bern?

Bern interessiert mich. Falls Christoph
Eymann als Nationalrat zurücktreten würde – was er im Moment allerdings nicht vorhat –, würde ich nachrücken.

Der Ex steht Ihnen vor der Sonne!

Nein, gar nicht. Wir lachen darüber.

Es ist ja auch schon eine Weile her ... Ihre beiden Kinder sind bald erwachsen.

Ja, wie die Zeit vergeht. Meine Tochter ist es bereits! Mein Sohn feiert im nächsten Jahr seinen 18. Geburtstag.

In absehbarer Zeit werden die beiden ausziehen, dieses Haus wird zu gross für Sie sein. Geht es dann zurück aufs Land, nach Oberwil ins Elternhaus?

Niemals! Das ist mir zu abgelegen. Ich werde sicher irgendwann ausziehen, aber sicher in der Stadt bleiben. Hier habe ich Wurzeln geschlagen.