Patricia von Falkenstein

LDP-Präsidentin reagiert auf bürgerliche Kritik: «Solche Aussagen regen mich auf»

Patricia von Falkenstein will LDP-Präsidentin bleiben — und überlegt sich eine Ständeratskandidatur.

Patricia von Falkenstein will LDP-Präsidentin bleiben — und überlegt sich eine Ständeratskandidatur.

Auch mit der Kritik eines bürgerlichen Grossrats hält die LDP-Präsidentin am bürgerlichen Schulterschluss fest.

Frau von Falkenstein, wie wird aus dem Agglo-Girl die grosse urbane Lady einer Urbasler Partei?

Patricia von Falkenstein: (lacht) Ich habe zwar als Jugendliche daheim in Oberwil gewohnt, ging aber in der Stadt zur Schule. Als Studentin zog ich ins Kleinbasel. Für das Studium musste ich eine Arbeit über Parteien und Verbände schreiben. So lernte ich Christoph Eymann (mit dem sie viel später zwei Kinder haben sollte, die Red.) kennen, der beides auf sich vereinte. Über ihn bin ich schliesslich zur LDP gestossen.

Ihnen sind nie Vorbehalte entgegengeschlagen? Schliesslich war die LDP Anfang der Neunzigerjahre schon noch eine Daig-Partei.

Nein. Ich muss schon wieder Eymann erwähnen. Er war und ist eine sehr wichtige Person für die Liberalen – und stammt nicht aus dem Daig, sondern aus dem Kleinbasler Kleingewerbe. Seine Grosseltern besassen eine Bäckerei.

Warum hält sich dieses Bild von einer elitären Geldadel-Partei bis heute?

Es gab halt die Burckhardts, Alioths, Koechlins, Sarasins und wie sie alle heissen. Gleichzeitig waren immer auch Gewerbler dabei. Besonders seit 1956, als wir mit dem damaligen Bürger- und Gewerbeverband fusionierten.

Das war jene Partei, die in anderen Kantonen später zur SVP wurde.

Genau. Mich nervt es einfach, dass man immer nur vom Daig redet, obwohl wir viele andere Mitglieder haben. Schauen Sie sich die Wahllisten an. Da hatte es nur wenige Daig-Namen drauf. Nicht wie bei der GLP, wo der Daig sehr präsent ist. Und noch mehr nervt mich, wenn ich selbst zum Daig gezählt werde. Mit meinem Namen?

Das «Von» adelt sie eben.

Ja, meine Familie entstammt dem Adel. Dem deutschen Adel. Wir kommen ursprünglich aus Sachsen.

Man kann in die LDP relativ vieles hineininterpretieren. Von rechtsbürgerlich und SVP-nahe, wie das ein Kollege gegenüber dem «Blick» behauptet hat, bis sozialliberal. Was gilt denn nun wirklich?

Da habe ich mich auch gefragt, als ich das gelesen habe. Rechts von der SVP stehen wir sicher nicht. Aber grundsätzlich: Muss man sich überhaupt so genau definieren? Ich glaube, da gäbe es mehr Fragen als Antworten. Unser Credo lautet, mehr Eigenverantwortung, weniger Staat. Das leben wir stärker als die FDP. Gleichzeitig haben wir eine soziale Ader, was sich an unseren vielen Parteigängern zeigt, die ehrenamtlich tätig sind. Das wiederum führt zu Kritik aus bürgerlichen Kreisen, weil wir im Grossen Rat dann manchmal sozial, also «links», stimmen.

Ein bürgerlicher Grossrat sagte uns noch vor den Wahlen, das Parlament sei eigentlich links, denn die LDP schere immer wieder aus.

Solche Aussagen regen mich auf, vor allem weil sie nicht wahr sind.

Wie streng achten Sie auf die Fraktionsdisziplin?

Nur bei für uns sehr wichtigen Geschäften. Da kann ich schon mal jemanden auffordern, wenigstens doch den Saal zu verlassen oder sich der Stimme zu enthalten.

Das ginge ja auch kaum bei einer Fraktion mit überdurchschnittlich vielen Charakterköpfen. Ist dies das Erfolgsrezept?

Ja, das kann sehr gut sein. Wir sind die Partei der Köpfe. Und das ist gerade im kleinen Basel wichtig. Hier wählen Leute Leute, weniger Parteien.

FDP und CVP hat der Schulterschluss mit der SVP geschadet. Der LDP nicht, im Gegenteil. Warum?

Ich weiss es nicht. Vielleicht hätten wir ohne Viererticket noch besser abgeschnitten. Ich sage seit Jahren, wenn wir die Regierungsmehrheit wollen, müssen wir mit der SVP gehen. Das heisst aber nicht, dass wir sie toll finden. Wir sind gegen alle diese Masseneinwanderungs-, Durchsetzungs-, Abschottungs- und Burka-Initiativen. Deshalb bin ich keine schlechtere Patriotin. Die SVP behauptet immer, sie sei die einzige Partei, die sich für die Schweiz einsetzt. Das ist Blödsinn. Vielleicht ist unsere Wählerschaft einfach schlauer, wenn es um den Regierungsrat geht.

Oder opportunistischer.

Vielleicht. Aber es gibt eben einen riesigen Unterschied zwischen Regierung und Parlament. Man sieht doch an der SP, dass ihre Regierungsräte nicht mehr als Parteimitglieder funktionieren. So wäre es auch mit einem SVP-Regierungsrat.

Müssen Sie nicht bereits vor dem zweiten Wahlgang konstatieren, die bürgerliche Wende ist gescheitert?

Sie erwarten ja nicht, dass ich das jetzt sage (lacht)? Nein, ist sie nicht. Zumal die bürgerliche Zusammenarbeit ein Langfristprojekt ist. Wir haben nun angefangen. Das nächste Ziel sind die National- und Ständeratswahlen. Aber natürlich versuchen wir, Baschi Dürr und Lorenz Nägelin reinzubringen. Ich glaube, wir haben unser Wählerpotenzial noch nicht ausgeschöpft, die Linke schon.

Warum ist den Bürgerlichen das nicht letzten Sonntag schon gelungen?

Vielleicht haben die Leute selbst nicht so recht daran geglaubt, vielleicht gab es auch Vorbehalte gegenüber der SVP. Aber jetzt denke ich schon, dass einige bürgerliche Wähler gemerkt haben, dass ein totaler Linksrutsch droht.

Wären die Erfolgschancen des Vierertickets nicht grösser gewesen, wenn Sie anstelle von Nägelin kandidiert hätten?

Damit hätten wir doch unser Ziel, in Zukunft zusammen aufzutreten, selber infrage gestellt.

Finden Sie denn, die SVP hat einen passenden Kandidaten ausgewählt?

Von den Personen, die möglich gewesen wären, schon, ja.

Übernimmt die LDP nach ihrem grossen Wahlerfolg nun die Leaderrolle im bürgerlichen Lager?

Ich bin ja eher eine Frau des Ausgleichs und nicht der scharfen Forderungen. Aber wenn wir diese Rolle erhalten, ja.

Sie sind auf dem Zenit Ihrer Karriere als Parteipräsidentin. Eigentlich der richtige Zeitpunkt für den Rücktritt.

Ich werde nochmals antreten, wenn Sie das meinen. Ob ich wiedergewählt werde, ist eine andere Frage.

Na ja, Sie könnten sich ja bereits auf Ihre Ständeratskandidatur vorbereiten.

(Lacht) Das geht ja noch bis 2019. Aber ja, es wäre schon reizvoll, dann gegen Eva Herzog anzutreten.

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