In Basel häufen sich diesen Sommer die Badeunfälle. Wie die bz am Dienstag berichtete, kam es während der laufenden Saison bereits zu drei Vorfällen: Zwei Menschen ertranken, zwei weitere konnten gerade noch gerettet werden in grosser Not.

Nun erzählt Andreas Ruby, Direktor des Schweizerischen Architekturmuseums (S AM), von einem weiteren Fall, der sich vergangenen Donnerstag am Kleinbasler Rheinufer ereignet hat. Dank seiner schnellen Reaktion rettete er eine slowakische Touristin womöglich gerade noch vor dem Ertrinken.

«Stell Dir vor, Du stehst am Ufer eines Flusses und ein Mensch treibt im Wasser an dir vorbei, der um Hilfe schreit – aus Angst, zu ertrinken. Was machst Du?». Diese Frage wirft Andreas Ruby in seinem Facebook-Post in die Runde.

Badefreudige Touristen zieht es nach Basel

Die Geschichte beginnt während einer Führung durch die aktuelle Ausstellung des Museums: Ruby fallen einige Besucher aus Los Angeles auf, die sich sehr für die Basler Badekultur interessieren. Kurzerhand kaufen sie sich einen Wickelfisch und lassen sich vom Museumsdirektor in die Gefahren und Gebote des Rheinschwimmens einführen.

Nicht nur in seiner aktuellen Ausstellung «Swim City» macht Direktor Ruby bewusst auf die Gefahrenherde und Besonderheiten des Rheinschwimmens aufmerksam: Die badefreudigen US-Amerikaner begleitet er extra zum Kleinbasler Rheinufer, um ihnen eine kurze Einführung zu geben.

Besonders betont er die Eigenheit des Aussteigens. Dass man durchaus hundert Meter oder länger benötigt, um das Ufer zu erreichen, sei vielen nicht bewusst: Die Bewegung sei eben nicht eine «direkte gerade Linie zum Ufer, sondern eine lang gestreckte Diagonale», so Ruby.

Genau diese Fehlkalkulation wird auch der slowakischen Touristin zum Verhängnis. Gerade als Ruby seine Einführung beendet hat, hört er plötzlich Hilferufe einer etwa zehn bis fünfzehn Meter vom Ufer entfernt vorbeitreibenden Frau. Blitzschnell reagiert er, entledigt sich seiner Kleider und springt ins kühle Nass. Dort packt er die Frau und schwimmt mit ihr ans Ufer.

Im Nachhinein ist Ruby davon überzeugt: Die Situation wurde vor allem aufgrund von Unwissenheit und der panischen Reaktion gefährlich. «Ein Mensch, der tatsächlich unmittelbar vor dem Ertrinken steht, schreit eigentlich nie. Er wendet alle verbleibenden Kräfte dazu auf, sich über Wasser zu halten», sagt Ruby. Schockierend war für ihn aber die Tatsache, dass etliche Leute in Badekleidung am Ufer sassen, aber nicht zu Hilfe eilten.

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Bessere Aufklärungsarbeit würde Unfälle vorbeugen

Laut Ruby sind Badetouristen in Basel keine Seltenheit: «In den allermeisten Ländern der Welt ist es ungewöhnlich, in fliessenden Gewässern schwimmen zu gehen. Vielerorts ist es sogar verboten oder wird wegen des allzu verschmutzten Wassers schlicht nicht in Betracht gezogen.»

Die Schweizer Badekultur bezeichnet er als aussergewöhnlich: «Es ist weltweit einmalig, wie Flüsse in der Schweiz als Teil der Stadt, als Naherholungsgebiet, wahrgenommen werden.» Speziell ist ausserdem die hiesige Verantwortungskultur: «In der Schweiz ist jeder für sich selbst verantwortlich. Es gibt nicht an jeder Ecke Rettungsschwimmer wie in anderen Ländern oft üblich.»

Infolgedessen ist es auch sehr wichtig, dass vor allem für Touristen und Flüchtlinge genügend Aufklärungsarbeit geleistet wird. Im Flüchtlings-Spitzenjahr 2015 stieg die Zahl der Badeunfälle gewaltig, weshalb beispielsweise die Stadt Bern mit dem Projekt «Aare you save» reagierte. Obwohl sämtliche Sicherheitsbroschüren extra in diverse Sprachen übersetzt wurden, fruchtete das Programm wenig.

Erfolge konnte erst die Schweizerische Lebensrettungsgesellschaft SLRG mit dem Präventionsprogramm «Wasser kann töten» erzielen. Die deutliche Message und Aufklärungsbesuche in Flüchtlingsunterkünften trugen dazu bei. Vielleicht sollte sich auch die Stadt Basel ein Vorbild daran nehmen.