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Leerer Gästesektor: Die FCB-Fans besuchten das Training statt das Spiel

FCB-Fans besuchten das Abschlusstraining statt den Match.

FCB-Fans besuchten das Abschlusstraining statt den Match.

Die Fans des FC Basel verzichteten am Sonntag grösstenteils auf eine Reise in den Letzigrund. Stattdessen motivierten sie die Mannschaft mit einem Besuch im Abschlusstraining. Grund für das erneute Fernbleiben der Fans ist die Strategie der Polizei.

Erneut blieb der Gästesektor im Letzigrund leer. Bis auf knapp 80 Basler Anhänger blieben die FCB-Fans aus der Muttenzerkurve dem Gastspiel in Zürich fern. Dennoch markierte die Zürcher Stadtpolizei bereits am Hauptbahnhof, wie auch in Zürich-Altstetten, massive Präsenz. Und auch einige Zufahrtsstrassen zum Letzigrund, wie die Baslerstrasse und die Badenerstrasse, waren hermetisch abgesperrt und erinnerten an Zustände wie in Kriegsgebieten.

300 Fans im Training

Die Basler Anhänger hatten sich wegen der aus ihrer Sicht übereifrigen Zürcher Polizei entschieden, das Auswärtsspiel ihrer Mannschaft gegen den FC Zürich nicht vor Ort zu verfolgen. Schon am Freitagabend hatte die Muttenzerkurve diese Entscheidung auf ihrer Homepage publiziert. Rund 300 Fans besuchten dafür trotz der widrigen Wetterverhältnisse das Abschlusstraining des FC Basel vom Samstag und feuerten dort die Mannschaft an.

Der Hauptgrund für den Boykott des Spiels gegen den FCZ waren gemäss Mitgliedern der Muttenzerkurve die Vorkommnisse bei den zurückliegenden Partien in Zürich. Seit dem – nach Pyro-Würfen abgebrochenen – Zürcher Derby im Herbst 2011 verfolgt die Zürcher Polizei gegenüber den Basler Fans eine Null-Toleranz-Strategie. Auf die Repression reagieren diese mit Protestaktionen, wie jene gestern Sonntag.

Weiteres Kapitel im Trauerspiel

Angefangen am 23.Oktober 2011, als rund 700 FCB-Fans , die mit dem Extrazug anreisten und beim Anblick des riesigen Polizeiaufgebots in Altstetten wieder umkehrten. Beim nächsten Gastspiel in Zürich fuhren die Fans statt mit dem Extrazug nach Altstetten mit verschiedenen Regelzügen anonym an den Zürcher Hauptbahnhof. Die Polizei löste den Fanmarsch zum Letzigrund mit Gummischrot auf. Im Zürcher Niederdorf folgte ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen Fans und Polizei. Nach dem Spiel wurden die rund 600 Fans von 300 Polizisten, Wasserwerfern und Fahrzeugen mit Absperrgittern zurück nach Altstetten begleitet.

Den bisherigen, traurigen Höhepunkt erreichte der Zwist zwischen Fans und Polizei in diesem Frühjahr: Rund 400 Fans reisten in einem Autokorso nach Zürich. Die Polizei verfolgte den Korso mit einem Helikopter. Auf der Duttweiler-Brücke schliesslich kesselte sie den Fanmarsch ein und führte bei sämtlichen Fans Personenkontrollen durch. Die Fans blieben vor dem Stadion. Damals hatten sich sogar die FCZ-Fans mit dem Basler Anhang solidarisiert und den Letzigrund ebenfalls verlassen.

Zuletzt hatten die Fans die Zürcher Polizei an der Nase herumgeführt, indem sie sich zwar in Basel versammelten und in Fankleidung verschiedene Züge in Richtung Zürich bestiegen – um dann unterwegs die Fan-Utensilien auszuziehen und zurück nach Basel zu reisen.

«Konsequentes Verhalten»

Der erneute Boykott ist damit ein weiteres Kapitel im Trauerspiel zwischen Fans und Polizei. «Der Boykott unterstreicht das konsequente Verhalten der FCB-Fans», sagt Thomas Gander, Co-Leiter der Basler Fanarbeit. Sie hätten Risiken gesehen und deshalb so entschieden. «Bei solchen Entscheidungen sind wir von der Fanarbeit jeweils nicht involviert.» Beurteilen will Gander den Boykott nicht. Um das Spiel nicht zu verpassen, mussten sich die Fans gestern selber organisieren. «Ich habe keine Kenntnisse von einem offiziellen Public Viewing in Basel», sagte Gander.

Die Muttenzerkurve teilte derweil mit, dass sie künftig vor jeder Reise nach Zürich die Lage analysieren und situativ entscheiden werde.

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