Noch keine 22 Jahre alt war der Kupferstecher und Radierer Matthäus Merian, als er 1615 dem Basler Rat seine Federzeichnung der Stadt Basel aus der Vogelschauperspektive übergab. Der Sohn eines Kleinbasler Sägereibesitzers war eben erst aus Paris zurückgekommen, wo er in die Lehre gegangen war und einen Vogelschauplan der Stadt Paris geschaffen hatte. Seine Basler Ansicht hatte er ohne Auftrag des Rates erschaffen. Doch die Basler Ratsherren waren so begeistert, dass sie Merian für die Stadtansicht die Summe von 50 Gulden bezahlten.

Nur kurze Zeit später erschien der Merianplan dann als grossformatige Radierung im Druck. Doch da war Matthäus Merian schon wegen der Frankfurter Buchmesse abgereist. Gedruckt worden sei der Basler Stadtplan darum möglicherweise auch schon in Frankfurt, vermutet Gian Casper Bott vom Kleinen Museum Klingental, das dem Merianplan eine Ausstellung widmet.

Die Ausstellung zeigt die Entstehung des Merianplans im Kontext der Stadtgeschichte sowie der Vermessung und Kartographierung Basels. Anhand des grossen Basler Stadtmodells im Museum lässt sich der Plan auch dreidimensional erfahren (siehe Interview unten). Matthäus Merians Leben zwischen Paris, Basel und Frankfurt wird im Übrigen ebenso dargestellt wie sein Aufstieg zu einem der bedeutendsten Verleger im deutschen Sprachraum. So hat er in späteren Jahren fast alle Städte Deutschlands abgebildet und sie in einem vom Dreissigjährigen Krieg unberührten Zustand verewigt. In der Ausstellung stechen die vielen Originale hervor. So sind die Federzeichnung, die Merian dem Basler Rat übergab, ebenso vorhanden wie erste Teildrucke und der grossflächige Gesamtplan.

Basel aus der Vogelschau

Die Stadt wird im Merianplan von oben gezeigt. Der Standpunkt des Künstlers ist dabei imaginär, gab es doch 1615 keine Fluggeräte. Der Heissluftballon der Gebrüder Montgolfière hob erst 1783 ab. Umso beeindruckender die Leistung des Kartografen und Kupferstechers, der eine perfekte Vogelschau abliefert.

Basel wird von Kleinbasel aus gezeigt. Der Plan ist nach Südwesten ausgerichtet. Das Licht kommt aus Nordosten, die Stadt wird also in den Morgenstunden präsentiert. Alles ist massstabsgetreu abgebildet. Einzig die Strassen seien breiter als in Wirklichkeit, weil sonst bei der Enge der Gassen die Häuserfassaden nicht erkennbar gewesen wären, so Gian Casper Bott. Damit diese Genauigkeit möglich wird, muss es Hunderte von Detailstudien gegeben haben. Diese Federzeichnungen sind nur vereinzelt erhalten geblieben.

Präzision und Detailtreue

Was den Merianplan so bedeutend mache, sei die Tatsache, dass Häuser und Strassen zwar leicht verzerrt, aber sonst im Massstab 1:4000 bis 1:5000 originalgetreu dargestellt sind. Dank einer Untersuchung des Stadtarztes Felix Platter anlässlich der Pestepidemie von 1611 liessen sich den Häusern auch Besitzer zuordnen. «Wir wissen, wer wo gewohnt hat», betont Gian Casper Bott. Das von Felix Platter verfasste Adressbuch der Stadt ist übrigens auch ausgestellt.

Es ist die Detailtreue, die den Merianplan bis heute zu einer unerlässlichen Quelle für Denkmalpfleger Stadthistoriker und Stadtplaner macht. Dass der Merianplan weiterhin relevant ist, zeigt die Ausstellung an späteren Stadtplänen, welche auch die neuere Stadtentwicklung in den Kontext des Merianplans stellen. Mittels eines eigens konzipierten Internettools (siehe Link unten) lässt sich die Auswirkung des Merianplans auch virtuell erleben.

Merian 1615-2015. Basel im Stadtporträt. Museum Kleines Klingental,
bis 10. April 2016. www.merian.bs.ch