Roland Hofmann, Präsident des Anwohnervereins HEAW, bringt es auf den Punkt. «Wir sind die Leidtragenden des Erfolgs von Roche.» Hofmann wohnt am Rosengartenweg mit Blick auf das Roche Hochhaus. Seit Jahren leidet er unter Baulärm. HEAW-Vizepräsidentin Eva Güntert erinnert sich: «Am Bau 1, dem bestehenden Hochhaus, wurde oft bis abends 22 Uhr gearbeitet. Das war im Sommer unerträglich.»

Wirklich Ruhe herrscht nur kurz. Zwischen 12 und 13 Uhr gehen Hofmann und seine Frau bei schönem Wetter mit einem Café in den Garten, dann ist Mittagspause auf der Grossbaustelle von Roche Ecke Grenzacherstrasse/Peter Rot-Strasse.

«Die Bauzeit dauert mindestens noch vier Jahre, in denen wir grosse Einbussen unserer Lebensqualität haben. Danach steht unser nach Osten gerichteter Garten im Schatten des zweiten Turms und des 114 Meter hohen neuen Forschungsgebäudes», sagt Hofmann. «Während gebaut wird, können wir den Garten nicht nutzen und müssen die Fenster geschlossen halten, und das auch am Samstag.»

Eine Anwohnerin von der Peter-Rot-Strasse klagt: «Die Bautätigkeit ist mit zeitweise heftiger Lärmbelästigung weit schlimmer als vorgestellt. Dazu kommen Staub, Lastwagenverkehr im Fünfminutentakt, die Sprengungen und Nachtbauzeiten.» Zudem gebe es, wenn die Bauzeit vorbei ist, Mehrverkehr durch die mehreren tausend Rochemitarbeiter morgens und abends.

Schallschutzfenster wirken

Der HEAW wurde im März 2015 gegründet und hat Einiges erreicht für die Anwohner. So übernahm Roche den Einbau von Lärmschutzfenstern. Tatsächlich ist vom ohrenbetäubenden Baulärm in der Wohnung der Hofmanns nichts zu hören. Auch im Haus von Thomas Grütter, das in der Grenzacherstrasse direkt neben der Baustelle liegt, ist es ruhig.

Draussen hört sich das anders an. Als Entschädigung für die Lärmemissionen zahlt Roche direkt Betroffenen 30 Prozent der Miete oder des doppelten Eigenmietwerts. Auch dies sei auf das Engagement des HEAW zurückzuführen, so Hofmann.

Roche-Mediensprecher Karsten Kleine relativiert: «Wir sind nicht verpflichtet, die Lärmschutzfenster zu finanzieren oder die Entschädigungen zu zahlen.» Überhaupt suche der Konzern schon immer den Kontakt zu den Nachbarn und engagiere sich für ein gutes Verhältnis zu ihnen.

Die Anwohner erkennen das an. «Wir sind keine Wutbürger. Uns ist bewusst, welch wichtige Rolle Roche als Steuerzahler spielt. Deshalb gehen wir pragmatisch vor und fordern keine unmöglichen Sachen», sagt Eva Güntert, Vizepräsidentin des HEAW. Mehrere Anwohner kritisieren aber, Roche habe zugesagt, dass mit dem Bau 1 die Bauarbeiten abgeschlossen seien. Das sei dann aber nicht der Fall gewesen.

Der Pharmakonzern wehrt sich: «Roche hat stets betont, dass in dem Industrieareal im Wettsteinquartier bauliche Veränderungen notwendig sind. Das Areal wurde in der Vergangenheit und wird auch in der Zukunft stets an sich ändernde Bedürfnisse des Unternehmens angepasst werden.»

Tore gegen Lärm lange offen

Kritisch äussert sich der HEAW auch dazu, dass Tore ohne Schallschutz trotz entgegenlautender Abmachungen drei bis vier Monate lang offen standen. Roche verweist auf Lieferprobleme bei zwei Lärmschutztoren. «Wir bedauern diese Verzögerung.» Beide Tore seien Ende Februar eingebaut worden.

Die regulären Arbeitszeiten auf der Baustelle sind werktags von 7 bis 12 Uhr und 13 bis 17 Uhr, für lärmintensive Arbeiten erst ab 8 Uhr beziehungsweise 14 Uhr. Gewisse Ausnahmen hat Roche nach Verhandlungen mit den Nachbarn für das Sommerhalbjahr eingeschränkt.