Keime
«Leider ist das Duschen trotz Vorschrift nicht für alle selbstverständlich»

Zwei Badmeister, die ihren Job im Griff und in ihrem Bad gutes Wasser haben, verteidigen die Qualitätsnormen für Badewasser. Sie bitten aber die Gäste um Hilfe.

DAVID EGGER
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Wirklich sauber ist ein Hallenbad nur, wenn es leer ist. Wie zum Beispiel das 25-Meter-Becken des Rialto-Hallenbads vor seiner Wiedereröffnung im September 2013.JURI JUNKOV

Wirklich sauber ist ein Hallenbad nur, wenn es leer ist. Wie zum Beispiel das 25-Meter-Becken des Rialto-Hallenbads vor seiner Wiedereröffnung im September 2013.JURI JUNKOV

Juri Junkov/Fotograf

Obwohl Menschen nicht sauber sind, soll es das Badewasser in den Hallenbädern sein. Eine Mission impossible ist das nur für einen Teil der Badmeister: Denn 61 Prozent der Wasserproben aus Basler Hallenbädern befand das Kantonslabor im vergangenen Jahr für einwandfrei (bz von gestern). Zu diesen sauberen Badeanstalten gehört das Hallenbad Rialto, neben den Schulbädern die einzige öffentliche Badeanstalt der Stadt Basel. «Das Kantonslabor attestiert uns seit Jahren einwandfreie Werte», sagt Badmeister Roland Mathys. Das ist erstaunlich. Denn spricht man vom Rialto, fällt häufig das Wort «Kampfschwimmen»: Oft ist im kleinen 25-Meter-Becken wenig Platz für die vielen Schwimmer, die am Feierabend ihre Bahnen ziehen. Und viele Menschen bringen viele Keime ins Wasser. Da gilt es, gut aufzupassen. Dreimal am Tag schauen daher Rialto-Angestellte im Technikraum nach, wie hoch pH-, Chlor- und Chloramin-Werte sind. Eine Chlor- und eine Ozon-Anlage halten das Wasser möglichst sauber.

Das Schwimmbad im Migros-Fitnesspark Heuwaage ist ebenfalls abgesichert: Hier kontrollieren Techniker wie Özkan Kahraman sechsmal täglich die Messwerte der technischen Anlagen. Um sich nicht nur auf die Technik zu verlassen, wird zudem einmal pro Tag mit einem manuellen Messgerät eine Wasserprobe durchgeführt.

«Schon ein bisschen streng»

Kahraman gibt an, dass das Kantonslabor auch dem Fitnesspark Heuwaage stets eine einwandfreie Wasserqualität attestiere. Er zeigt sich denn auch «überrascht» vom Bericht des Kantonslabors, der besagt, dass 39 Prozent der Wasserproben nicht einwandfrei waren. «Die Qualitätsnormen sind zwar schon ein bisschen streng, aber durchaus sinnvoll», sagt Kahraman. Dem pflichtet Mathys bei: «Es handelt sich um sinnvolle Leitplanken, die nicht zu streng sind.»

Probleme gibt es laut Kahraman vor allem dort, wo die Zuständigen nicht richtig ausgebildet sind. «Manche Verantwortliche wissen zum Beispiel nicht einmal, was genau Schwefelsäure ist», staunt er.

Gäste sollen Scham überwinden

Fäkalien treten im Badewasser zum Beispiel dann auf, wenn kurz nach der Messung eine Person mit Durchfall ins Wasser geht, die allenfalls auch im Wasser ein kleines Bedürfnis ablässt. Diese Verunreinigung wird dann oft erst Stunden später bei der nächsten Messung bemerkt. Roland Mathys wünscht sich, dass die Kunden solche Verunreinigungen melden, damit die Bäder reagieren können. Als Beispiel erzählt Mathys von einer Mutter, die sich sofort bei ihm meldete, als ihrem zweijährigen Kleinkind im kleinen Becken etwas Kleines aus der Badewindel entwich. Die Badegäste sollen also ihre Scham überwinden.

Immer kleiner wird laut Mathys die Lust auf die obligatorische Dusche vor dem Bad. «Leider ist das Duschen trotz Vorschrift nicht für alle selbstverständlich. Und wir können das nicht bei jedem Einzelnen überprüfen.»

Doch das Kantonslabor überprüft das Wasser: auf Keime, Harn, Kot, Chlor- und pH-Wert. Bleibt zu hoffen, dass das Labor im laufenden Jahr mehr als nur 10 von 24 Badeanstalten eine gute Qualitätssicherung nachweisen kann. Vielleicht helfen auch die Badegäste dabei.