Erwartet wurde diese Meldung nicht: Nach nur zweieinhalb Jahren verlässt Pedro Memelsdorff, der bekannte Musiker und Forscher – vor allem für die Zeit des Spätmittelalters – die Schola Cantorum Basiliensis. Er hat die Leitung auf Ende Semester abgegeben. Die bz hat vom plötzlichen und überraschenden Rücktritt erfahren. «Die Musikhochschulen FHNW und Pedro Memelsdorff haben einvernehmlich beschlossen, die Zusammenarbeit zu beenden», heisst es in der offiziellen Begründung der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). Dies «nach einer erfolgreichen, durch internationale Kooperationsprojekte gekennzeichneten Zeit».

Der international renommierte Dirigent, Blockflötist und Musikforscher, wolle «sich in Zukunft auf seine künstlerische und wissenschaftliche Arbeit, wie auch auf weitere Aufgaben in der musikalischen Kulturplanung konzentrieren», gab FHNW-Vizepräsident Raymond Weisskopf Auskunft.

Nun ist es zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren an Thomas Drescher, seit 1998 stellvertretender Leiter der Schola Cantorum Basiliensis, deren Leitung zu übernehmen. Nachdem im März 2012 Rektorin Regula Rapp an die Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Künste in Stuttgart wechselte, leitete er die Schola bis zu Pedro Memelsdorffs Start Anfang 2013 und nun wieder, bis ein neuer Leiter oder eine neue Leiterin gefunden wird. Die Stelle wird öffentlich ausgeschrieben.

Mit Memelsdorff kam 2013 ein bekannter, international weit vernetzter Künstler und Forscher nach Basel, der als früherer Student die Schola bestens kannte. Die Erwartungen waren hoch.

Mehr Zeit für eigene Forschung

Warum geht er bereits wieder? Pedro Memelsdorff selbst begründet seinen Abgang gegenüber der bz damit, dass er als Künstler und Forscher sowie als Kulturplaner – zum Beispiel als Leiter der Seminare für Alte Musik der Fondazione Giorgio Gini in Venedig – wieder mehr Zeit für seine eigenen Projekte brauche. Er selbst bezeichnet die zweieinhalb Jahre nicht als eine kurze Zeit. Er habe seit Januar 2013 viel initiiert, verändert und erreicht. Er nennt die Kooperationen mit der Fondazione Gini in Venedig, mit dem Centre de musique baroque de Versailles sowie mit Universitäten und Musikhochschulen in Europa und den USA. Als wichtige interne Erneuerung nennt er «die autonome Planung der Kammermusik der Studierenden», die über seine Zeit hinaus funktionieren werde. So könnten die Studenten und Studentinnen wichtige Erfahrungen in der Konzertpraxis sammeln. Er lobt die Zusammenarbeit mit den «exzellenten Professoren und Dozenten der Schola Cantorum Basiliensis» und sagt, die zweieinhalb Jahre seien für ihn eine wichtige Zeit gewesen, in der er viel gelernt habe und viel tun konnte für die Basler Lehr- und Forschungsinstitution für Alte Musik.

Was steckt hinter dem Abgang?

Stecken keine weiteren Gründe hinter Memelsdorffs Abgang? Der offizielle Text lässt doch viele Fragen offen. Ist es nur so, dass er die Leitung der Hochschule zeitlich nicht mit seinen eigenen internationalen musikalischen und wissenschaftlichen Projekten in Einklang bringen konnte? Der Basler Hochschuldirektor Stephan Schmidt, den die bz kurz sprechen konnte, nennt keine weiteren Gründe für den Abgang.

Nur kursieren länger schon andere Gerüchte. Man hört, dass Memelsdorffs Leitungsstil zu Konflikten innerhalb der Professorenschaft geführt habe, dass Schlichtungssitzungen geführt werden mussten. In letzter Zeit schien Ruhe eingekehrt zu sein. Konkretes konnte die bz nicht in Erfahrung bringen. Memelsdorff selbst sagt: «Ich will mich wieder intensiver meiner musikalischen Arbeit widmen, Bücher schreiben, vermehrt Konzerte organisieren. Das der FHNW-Leitung zu kommunizieren, war auch für mich schwierig.» Dezidiert sagt er: «Ich gehe nicht im Streit.»