Die Augen glänzen – jene von Kirsten Merete Langkilde, der Direktorin der Hochschule für Gestaltung und Kunst (HGK) FHNW, ebenso jene der Institutsleiter und ersten Studenten. Sie sind mehr als glücklich über den neuen Kunst-Campus auf dem Dreispitz. Die vier Gebäude mit dem Herzstück, dem Hochhaus der Architekten Morger & Dettli, erweisen sich als ebenso eng verzweigtes wie vernetztes Kreativ-Labor. Es ist das modernste, schönste, am luxuriösesten ausgestaltete weit und breit. Über den ausladenden Freilagerplatz mit der grossen Steinbühne vor dem Atelierhaus ist die HGK auch verknüpft mit weiteren Kunst- und Kreativstätten, mit dem Neubau des Hauses für elektronische Künste, dem Oslohaus mit den Internationalen Austausch-Ateliers (iaab), dem Kunstfreilager, das sich im Bau befindet, und dem Neubau der Architekten Herzog & de Meuron mit dem Archiv ihrer Pläne und Modelle im hohen Betonsockel.

Dieses urbane Kunst-Umfeld ist der beste Nährboden für die Kreativität der 750 Studierenden und 200 Dozierenden, die nun von der neuen HGK Besitz genommen haben. Die bislang über die Region verteilten Institute der HGK sind nun auf dem Campus zusammengeschlossen. Das ist Chance und Verpflichtung für die Institute, sich untereinander auszutauschen, ihre Ideen und Projekte zu vernetzen und so die Qualität der Forschungsarbeit wie der Lehre auf eine höhere Stufe zu heben. Diese Erwartung äusserte Kirsten Langkilde an der Campus-Presseführung.

Vier Schwerpunkte

Die HGK setzt vier neue interdisziplinäre Schwerpunkte, die den Plan nationaler und internationaler Vernetzung weiterentwickeln. «Curating the Campus» ist eine «öffentliche experimentelle Ausstellungsplattform für zeitgenössische künstlerische Praktiken mit dem Ziel, eine eigenständige kuratorische Praxis zu entwickeln». Die «DesignPlattform Basel» will die aktuellen Diskurse um Design und Gestaltung auf internationaler Ebene bündeln – mit Vortragsreihen, Ausstellungen und Publikationen. Ein weiterer Schwerpunkt ist «Swiss Cultural Entrepreneurship». Hier geht es darum, die Kunst- und Design-Studenten und -Studentinnen auf den Einstieg ins Berufsleben vorzubereiten.

Als «hochleistungsfähiges Rückgrat der Hochschule» bezeichnet Langkilde den «DigitalCampus». Er setzt «konzeptuelle, gestalterische und technologische Schwerpunkte in den Bereichen Visualisierung und Simulation, Broadcasting sowie Rapid Prototyping». Letzteres bedeutet die schnelle Produktion von Prototypen über die bereits hoch entwickelten 3-D-Drucker. Kurz: Die HGK hat im zweiten Stockwerk des Hochhauses ein grossräumiges Labor für digitale Medien und digitale Kunst geschaffen, das mit allen Geräten, die es heute braucht und gibt, ausgestattet ist. Ein Experimentierfeld für Dozenten wie Studenten, für Künstlerinnen und Künstler, ebenso ein Forschungsfeld und ein Feld für die Lehre, aber auch ein Feld für die theoretische Reflexion. Die stete intellektuelle Überprüfung und Weiterentwicklung des eigenen Tuns ist wichtig in Lehre und Forschung.

Von künstlichen Grenzen

Darüber hinaus verblüfft uns die Architektur des Hochhauses immer wieder neu: Zuoberst im achten Stockwerk ist die Mediathek (mit Bibliothek) untergebracht – im lichtdurchfluteten Raum, der uns rundum über die ganze Region schauen lässt. Hier verschränkt sich einmal die urbane Landschaft mit den umliegenden grünen Hügeln und den nahen Meriangärten. Die Christoph-Merian-Stiftung, die Eigentümerin des Dreispitz-Areals und Mitinitiantin des ganzen Kunstfreilagers, werde eine Brücke vom Kunst-Campus zu den Meriangärten bauen, freut sich Langkilde.

Der weite Blick über die trinationale Region weist uns auch auf die Willkürlichkeit von nationalen wie kantonalen Grenzen hin. Der Blick hier ist ein weiträumiger und widerspricht per se jedem kleinräumigen Denken. Der Raum selbst ist so gestaltet, dass man zwischen Büchern und anderen Medien wie auf Strassen durchspazieren und immer darüber hinweg in die Ferne schauen kann. Auch das siebte Stockwerk – die Direktionsetage – frappiert durch Helle und Grossräumigkeit und das herausragende Design – das für die Qualität des gestalterischen Denkens hier spricht.

Von gleicher Grossräumigkeit und Modernität ist das von Müller Sigrist Architekten in ein Atelierhaus umgebaute Lagergebäude. Hier sind die Kreativ-Werkstätten untergebracht – für die sechs Institute «Industrial Design», «Kunst», «Lehrberufe für Gestaltung und Kunst», «Innenarchitektur und Szenografie», «HyperWerk» und «Mode-Design». Im Bau befindet sich noch der sechs Meter hohe Glaspavillon für die Bildhauer, auch dies wird ein idealer Ort für Lehre und künstlerische Arbeit. Kirsten Merete Langkilde formulierte, dass die HGK mit dem neuen Campus, mit den internationalen, interdisziplinären Vernetzungen in einer höheren Liga spielen werde. Heute können sich alle davon überzeugen lasse – bei der öffentlichen Vorschau.

Preview und Vernissage der Diplomausstellungen heute ab 18 Uhr.
Diplomausstellungen 13. –19.9.
Offizielle Eröffnung des Campus 23.10.