Tradition

Letzte überlebende Basler Milchmänner endlich mit Regio-Milch

Für «Milchmaa» Victor Giger beginnt der Arbeitstag schon um zwei Uhr morgens.

Für «Milchmaa» Victor Giger beginnt der Arbeitstag schon um zwei Uhr morgens.

Fast überall sind Milchmänner ausgestorben. In Basel haben einige wenige überlebt. Seit Kurzem verkaufen sie wieder die Miba-Milch aus Fenkendorf. Reich werden sie aber mit ihrem Beruf nicht: Die Milch wird immer billiger.

«Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen», heisst eine Kurzgeschichte des Solothurner Schriftstellers Peter Bichsel. Erschienen ist sie 1964, ein Schicksalsjahr für die Schweizer Milchmänner, denn damals verloren sie das Monopol auf den Milchverkauf. Statt im Offenverkauf gab es den weissen Saft fortan im Tetrapack, statt beim Milchhändler beim Grossverteiler. Ob in Solothurn oder anderswo – die Milchmänner sind ausgestorben. In der ganzen Schweiz? Nein, nicht ganz, in Basel haben einige überlebt, nicht zuletzt dank des Milchverbands Nordwestschweiz (Miba). Zur Unterstützung der unrentablen, aber den Milchkonsum fördernden Hauszustellung, haben die Nordwestschweizer Milchbauern die Milchmänner via Miba jahrzehntelang mit einer Abgabe von einem halben Rappen pro Liter Milch finanziell unterstützt. Doch solche Milchmann-Subventionen sind mittlerweile Vergangenheit.

Arbeitsbeginn um zwei Uhr früh

Die Basler Milchmänner gibt es aber immer noch. Einer von ihnen ist der 60-jährige Victor Giger. Morgens um zwei Uhr beginnt er seine Tour in Grossbasel-West, gegen Mittag ist er fertig. Trotz des langen Arbeitstages – reich wird er damit nicht. «Die Margen sind in den letzten Jahren immer kleiner geworden und der Milchverkauf ist zu einem Rappengeschäft geworden», berichtet Giger ohne zu klagen. «Wahrscheinlich sind Milchmänner nicht gut bezahlt und wahrscheinlich fehlt ihnen oft das Geld bei der Abrechnung», kann man schon bei Peter Bichsel nachlesen.

Emmi als Retter in der Not

Seit Kurzem hat Victor Giger wieder Milch aus der Region im Sortiment, genauer der Regio Molkerei beider Basel in Frenkendorf. Dieser von Bauern und Privaten unterstützte Betrieb war vor zwei Jahren Konkurs gegangen. Als Retter in der Not hat der Branchenriese Emmi den maroden Betrieb übernommen, Miba engagierte sich mit einer Minderheitsbeteiligung (die bz berichtete). Mit einer Abnahmegarantie hat Coop diesen Schritt erleichtert und sich gleichzeitig eine Vorzugsstellung bei der Belieferung gesichert. Über ein Jahr lang hatte der Grossverteiler Regio Milch und andere Milchprodukte aus Frenkendorf exklusiv im Sortiment.

Seit Kurzem verkaufen auch Basler Milchmänner wieder die Miba-Milch aus Frenkendorf. Die Kundschaft habe sehr positiv darauf reagiert, berichtet Victor Giger. Global denken und lokale Milch trinken, lautet das Motto.

Während zweier Jahre kam die Milch der Basler Milchmänner von der Molkerei Lanz aus Obergerlafingen bei Solothurn. So konnte man es auf der Verpackung lesen.

Migros ohne echte Regio-Milch

Vom gleichen Betrieb stammt ein Teil der Milch von Migros Basel. Der Grossverteiler vermarktet sie als Milch «Aus der Region» – nur wird der Verarbeiter auf der Verpackung nicht ersichtlich. «Bei einem Regio-Produkt erwartet man eigentlich, dass es auch in der Region verarbeitet wird und Gerlafingen ist schon ein wenig weit weg», kritisiert Jost Müller, Geschäftsführer des WWF Basel die Migros-Mogelmilchpackung. Auf jeden Fall müsste man das richtig deklarieren, betont Müller.

Die Chancen, dass die Migros demnächst auch echte Regio-Milch verkaufen kann, sind gering. «Das ist bis auf weiteres nicht vorgesehen», erklärt die Emmi-Kommunikationsleiterin Esther Gerster.

«Die Milchmänner haben keine Schuld, dass die Milch teurer wird», hat Dr. Peter Bichsel, seit 2004 Ehrendoktor der Universität Basel, vor bald 50 Jahren geschrieben. Das stimmt nicht mehr. Im Gegenteil: Die Milch wird immer billiger.

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