Naturmesse

Leuthard kritisiert die beiden Basel wegen Raumplanung

Bundesrätin Doris Leuthard macht sich Sorgen, dass der Boden in der Schweiz immer knapper wird. Sie kritisiert auch die beiden Basel. Die beiden seien eine «furchtbare Planungszone». Leutharde fordert eine bessere Koordination der beiden Halbkantone.

Die Bundesratsdichte in Basel war gestern aussergewöhnlich hoch. Während Ueli Maurer die Muba eröffnete, war CVP-Bundesrätin Doris Leuthard Stargast an der nur wenige Meter daneben stattfindenden Naturmesse. Diese findet dieses Jahr zum siebten Mal statt und steht unter dem Motto «Landschaft im Spannungsfeld von Schutz und Nutzung».

Die beliebte Bundesrätin sprach über Raumplanung – und zwar Klartext. Sie stieg ein mit einem Zitat des deutsch-französischen Theologen Albert Schweitzer: «Wir leben in einem gefährlichen Zeitalter. Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen.»

Die bürgerliche Leuthard macht sich Sorgen, dass der Boden in der Schweiz immer knapper wird. Nach der Rede stellte sich Leuthard den Fragen aus dem Publikum. In einer Antwort auf eine Frage aus dem Plenum nannte sie Basel und Baselland eine «furchtbare Planungszone». Im Anschluss an ihren Bühnenauftritt nahm sich die gut gelaunte Leuthard Zeit für ein kurzes Interview mit der bz.

Frau Leuthard, Sie sagten, Basel-Stadt und Baselland seien ein Beispiel für eine «furchtbare Planungszone». Wie meinen Sie das?
Doris Leuthard: Hier planen zwei Kantone jeder für sich alleine, obwohl sie zur gleichen Region gehören. Dabei sollte man über die herkömmlichen Grenzen hinausdenken – sei es beim Boden, beim Wohnraum, aber auch bei Verkehrs- und Infrastrukturprojekten.

Meinen Sie auch den Bahnanschluss zum Euro-Airport?
Genau. Wobei die beiden Basel bei diesem Projekt ja zusammenarbeiten. Dieses Beispiel zeigt, dass es eigentlich funktioniert.

Wir sind hier in Basel, einem sehr urbanen Kanton. Vorhin bei der Diskussion hat man gemerkt, dass die Leute Angst haben, sich die Mieten in der Stadt bald nicht mehr leisten zu können.
Es handelt sich um ein berechtigtes Anliegen, das nur mit guter Planung zu lösen ist. Wir wollen zwar, dass vermehrt verdichtet und in die Höhe gebaut wird. Das allein genügt jedoch nicht. Es braucht Lebensqualität. Diese entsteht, wenn ein Quartier beispielsweise Grünflächen aufweist oder verkehrstechnisch gut erschlossen ist. Nur so bringen wir die Leute dazu, dass sie ihre Freizeit auch hier verbringen, in den Ferien nicht weit weg reisen und so die Umwelt weniger belasten. Deshalb sind ganzheitliche Lösungen gefragt.

Hochhäuser bauen reicht also nicht?
Nein, die Menschen müssen sich wohlfühlen. Verzeihen Sie, dass ich hier in Basel ein Beispiel aus Zürich nehme (lacht): In Zürich-West hat man sich genau diese Gedanken gemacht. Dort versucht man etwa Ansprüche wie Arbeiten, Wohnen und Freizeit in Einklang zu bringen – durchaus mit Erfolg.

In Ihrer Rede sagten Sie, dass in den Wohnquartieren eine soziale Durchmischung wichtig ist. Wie schafft man das?
In den Städten muss es auch Platz haben für Familien und Studenten. Ich denke, genossenschaftliches Wohnen kann wichtig werden. Deshalb müssen wir auch die Verdichtung nach innen anstreben. Städtevertreter weisen auf die schwierige Abwägung zwischen Denkmalschutz und Stadtplanung hin. Dabei könnte man historische Gebäude sehr gut erhalten und verdichten, ohne dass deren Charakter verloren geht. In Berlin etwa gibt es dafür gute Beispiele.

Sie sprachen die Raumplanung als wichtiges Instrument für die Zukunft an. Was bedeutet das für die Städte?
Mit einer weiteren Revision des Raumplanungsgesetzes, die voraussichtlich im Herbst in die Vernehmlassung kommt, versuchen wir die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu fördern und wollen so funktionale Räume schaffen bzw. fördern.

Damit wären wir wieder bei der Zusammenarbeit von Baselland und Basel-Stadt?
Genau.

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