0,04 Prozent. So gross ist der Unterschied zwischen 2013 und 2018. Mit einer schon fast unglaublichen Übereinstimmung lehnte die Basler Stimmbevölkerung am Sonntag quasi die gleiche Vorlage ab wie schon vor fünf Jahren. Im Parlament hatten die bürgerlichen Parteien noch eine Mehrheit für die Idee, am Samstag und vor Feiertagen die Ladenöffnungszeiten bis um 20 Uhr zu verlängern. An der Urne blieben sie aber chancenlos.

Wirtschaftsdirektor Christoph Brutschin (SP) zeigte sich wenig überrascht: «Die Bevölkerung wurde ja schliesslich nicht ausgetauscht», witzelte er. Nach diesem Resultat bestehe für ihn beim Thema Ladenöffnungszeiten kein Handlungsbedarf mehr, zumal sein Kompromissvorschlag im Parlament von den Bürgerlichen verworfen worden war.

Die Befürworter hatten erfolglos damit argumentiert, dass sich die Ausgangslage seit der letzten Abstimmung mit dem stark wachsenden Onlinehandel, dem Kurssturz des Euro und dem grassierenden Einkaufstourismus deutlich zu Ungunsten der Basler Läden verschlechtert hat. Besonders grosses Engagement zeigten die bürgerlichen Parteien und der Gewerbeverband allerdings nicht für die Liberalisierung. Ihr Fokus lag klar auf der Abstimmungsvorlage Lysbüchel. Entsprechend gab sich Gewerbedirektor Gabriel Barrell nach dem Bekanntwerden des Neins auch relativ gelassen: «Es wäre ein schönes Zeichen gewesen.» Er selber würde eine noch deutlich weitergehende Liberalisierung wie etwa im Baselbiet befürworten.

Letzter Pfeil im Köcher

Auch SVP-Grossrat Joël Thüring, der den neuen Versuch mit einer Motion im Parlament gestartet hatte, zeigte sich nicht überrascht ob der Niederlage. «Die Bürgerlichen waren mit zu wenig Herzblut bei der Sache.» Ausserdem habe die Linke auch aufgrund der nationalen Abstimmungen gut mobilisieren können. Den Befürwortern sei es dagegen zu wenig gelungen, die Bevölkerung zu überzeugen. «Man muss akzeptieren, dass man das Thema nun wohl für 10 bis 15 Jahre ruhen lassen sollte», sagt Thüring. Das gelte auch für andere Liberalisierungs-Ideen. «Die Linken werden jedes Mal Fundamentalopposition machen.»

Einen letzten Pfeil haben die Bürgerlichen aber noch im Köcher. Bei der Ausarbeitung der Vorlage wurde über eine Art Jokertage für die Geschäfte diskutiert. An acht Tagen sollen diese nach eigenem Gutdünken unbürokratisch die Öffnungszeiten verlängern können, zum Beispiel für Events. «Die Flexibilisierung der Möglichkeiten ist für uns viel entscheidender als die generellen Ladenöffnungszeiten», sagt Mathias F. Böhm von Pro Innerstadt.

«Klare Aussage der Bevölkerung»

Bei der Vorbereitung wurde dieses Begehren vom Abstimmungsthema getrennt und wird nun parallel behandelt. Einen ersten Teilsieg konnten die Bürgerlichen im Grossen Rat bereits verbuchen. Demnächst wird die Idee nochmals auf der Traktandenliste stehen. Auch hier dürfte das gestrige Resultat die Diskussion befeuern.

FDP-Grossrat Christophe Haller, der die Wirtschafts- und Abgabekommission präsidiert, kommentierte gestern trocken: «Beim Frauenstimmrecht brauchte es auch ein paar Anläufe.» Im Gegensatz zu Thüring will er das Thema nicht aufgeben: «Langfristig kommen wir nicht darum, in Basel gleich lange Spiesse zu schaffen wie im Umland.»

Gewerkschafterin Toya Krummenacher dagegen hofft, dass das Thema nun erledigt ist. «Die Bevölkerung hat klar gesagt, dass längere Ladenöffnungszeiten nicht einfach ein Allheilmittel sind gegen die Probleme des Detailhandels, sondern nur auf Kosten des Personals gehen würden