Die Befragung vor Gericht war geradezu desaströs: Die Richter fragten den Geschäftsführer des Bordells, ob man denn Mietverträge abgeschlossen habe mit den Damen, die angeblich im ersten Stock wohnen. «Das weiss ich nicht», sagte er kleinlaut. «Sie wissen recht wenig über Ihren Betrieb», staunte Gerichtspräsident Claudius Gelzer.

Hauptthema war der Lärm, den die Kundschaft beim Kommen und Gehen verursacht, zumal der bekannte Club an der Amerbachstrasse 45 unter der Woche jeweils erst um ein Uhr und am Wochenende um zwei Uhr nachts schliesst.

Um dem Sachverhalt auf den Grund zu gehen, hatte das Basler Appellationsgericht am Freitag einen Augenschein beim Sexclub angeordnet, allerdings frühmorgens um 8.15 Uhr. Abgesehen von einem lärmenden Wagen der Stadtgärtnerei war es mucksmäuschenstill.

Beschwerden nicht zu überschauen

Die Medienvertreter erhielten vom Betreiber am Freitag ein Hausverbot und mussten artig vor der Einfahrt warten, während die Richter und die Parteivertreter das zweistöckige Hinterhaus inspizierten. Ursprünglich verfügte der Betrieb über eine Bewilligung als Fitnesscenter, nach einigen Querelen reichte man ein Umnutzungsgesuch als Sexbetrieb ein.

Die Anzahl der Beschwerden sind inzwischen kaum noch zu überschauen, zumal Grundeigentümer und Mieter inzwischen drei verschiedene Konzepte mit minimalen Unterschieden zur Nutzung eingereicht haben. Kernpunkt des Streits ist der Wohnanteilplan, der eigentlich höchstens ein Geschoss für gewerbliche Nutzung vorsieht: Entsprechend überraschte der Betreiber das Gericht am Freitag damit, dass im ersten Stock mehrere Wohnungen an die Damen vermietet seien, gearbeitet würde dort nicht.

Auf die erstaunte Frage des Gerichtspräsidenten, ob das Untergeschoss für die laut Webseite rund zwanzig dort arbeitenden Frauen und deren Freier denn nicht zu eng sei, antwortete Anwalt Andreas Noll, es gebe im Obergeschoss ja auch noch eine Küche. Der Rest seiner Antwort ging im Gelächter der Richter unter.

Betreiber wollen vor Bundesgericht

Das Fazit am Nachmittag war dann klar: Das Appellationsgericht geht lediglich aufgrund der «Privat»-Schilder an einigen Türen nicht von einer Wohnnutzung aus, damit sei der Sexclub nicht zonenkonform. Auch seien hier die Interessen der Nachbarschaft abzuwägen, und in diesem Fall sei keine Ausnahme möglich: Ein Fitnessclub mit Kunden aus der Stadt und ohne betrunkene Gäste sei doch etwas anders gelagert als ein Sexclub. Selbst eine Beschränkung der Öffnungszeiten auf 22 Uhr am Abend würde daran nichts ändern, so das Gericht.

Ein Hintertürchen liessen die Richter allerdings offen: Würden die beiden Stockwerke vollständig voneinander abgegrenzt und der obere Stock zu Wohnungen umgebaut, wäre eine Bewilligung möglicherweise denkbar. Welche Öffnungszeiten dann möglich wären, hängt allerdings stark von der konkreten Umgebung ab.

Diesen Sommer werden die genervten Anwohner allerdings noch nicht bei offenem Fenster schlafen können: Ab Zustellung des Entscheides bleiben dem Club sechzig Tage, bis er schliessen müsste.

Allerdings kündigte der Betreiber bereits an, das Bundesgericht anzurufen. Ob damit eine aufschiebende Wirkung verbunden ist, wird in Lausanne entschieden. Anwalt Andreas Noll droht bereits damit, wegen formeller Verfahrensfehler notfalls in Strassburg Beschwerde einzureichen.

Derweil wird an der Amerbachstrasse weiterhin gekommen, gegangen, geschlafen und gekocht.