«Entscheidend ist nicht, was kommt, sondern wie es kommt», sagt Quartierbewohner Matthias Bürgin. Es gehe um nichts weniger als die Zukunft des Klybeckquartiers. «Jetzt müssen die Spuren für das spätere Leben hier gelegt werden. Es müssen Qualitäten geschaffen werden, die jetzt fehlen.» 30'000 Quadratmeter Fläche wird von einem ehemaligen Industrieareal von der BASF, Novartis und dem Kanton zu einem neuen Stadtteil transformiert. In der nördlichen Spitze des Areals stellt die BASF 5000 Quadratmeter für fünfjährige Zwischennutzungen zur Verfügung. Der Verein «unterdessen» wird diese von der BASF mieten und den Zwischennutzern weitervermieten.

Wie Matthias Bürgin beteiligten sich am Samstag dutzende Bewohner des Quartiers an einem Workshop und äusserten ihre Wünsche und Vorstellungen. Dabei ging es aber nur um jenen Teil der Zwischennutzungen, der für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Über den Grossteil der Flächen entscheidet «unterdessen» in Eigenregie.

Der Verein wurde von Anfragen für private Zwischennutzungen überhäuft. Der Grossteil kommt aus dem künstlerischen Bereich, wo vor allem Atelierräume gefragt sind. «Der Mix der Anfragen ist wirklich gross. Und genauso soll auch die Zwischennutzung aussehen», sagt Pascal Biedermann, Geschäftsführer von «unterdessen». Nun gehe es darum, die optimale Mischung zu definieren. «Handwerker, Architekten, Webdesigner, Grafiker – eine ganze Kreativindustrie kann hier entstehen.» Dazu kommen Buchhalter und Steuerexperten, die genauso zu diesem Projekt passen.

Eine Halle für Konzerte und Feste

Die Zwischennutzungen betreffen die Gebäude 102, 104 und 106. Dabei handelt es sich um ehemalige Werkstatthallen und Büroflächen. In der kleineren Halle sollen Konzerte und Feste für rund 200 Personen stattfinden können. Was in der noch grösseren Halle entstehen kann, ist noch nicht klar. Oberstes Ziel seien ein gesunder Nutzermix und eine hohe Aufenthaltsqualität, betont Pascal Biedermann. «Liegestühle statt Parkplätze», meint er mit Blick auf den Platz entlang der Gebäude 102 und 104. Während den fünf Jahren werden die 5000 Quadratmeter mit einem Zaun vom restlichen Gelände abgetrennt.

Für die Quartierbevölkerung ist entscheidend, was auf den 750 Quadratmetern öffentlich zugänglicher Fläche passiert. Und für diese steht die Durchlässigkeit und Offenheit des Areals im Zentrum. Die nördlichste Spitze, ein kleiner Platz mit schattenspendenden Bäumen, müsse zum Quartier hin geöffnet werden, lautete einer der Forderungen des Workshops. Das ganze Areal ist aktuell von einer gut zwei Meter hohen Mauer umgeben. «Es braucht eine einladende Zugänglichkeit», findet Christian Mueller vom Verein Zukunft Klybeck. Diesen Wunsch hat auch Biedermann. «Auch wir wollen eine möglichst offene Geschichte hinbekommen. Wir denken sehr lokal ins Quartier hinein und von dort aus soll es ausstrahlen und Menschen aus der ganzen Region anlocken.» Doch genau bei dieser Mauer scheiden sich die Geister. Für die einen ist sie eine willkommene Abgrenzung zur Strasse, für andere wiederum eine störende Abgrenzung gegenüber dem Quartier.

Quartiertreff, Dorfplatz, Kreativlabor, Angebote für Kinder, Gastronomie und dies alles zu kostengünstigen Mieten sind nur ein Ausschnitt aus vielen Wünschen. «Die Flachdächer der drei Gebäude sollen zu einem zusammenhängenden Park werden», steht auf einem Blatt geschrieben. Die Forderungen reichen von einfach umsetzbar bis fast unmöglich. Doch um das ging es am Samstag nicht. Die Quartierbevölkerung sehnt sich nach Veränderungen. Ihr Wunschzettel ist gross.