Novartis

Lindan-Sanierung kostet doppelt so viel wie budgetiert

Unter den weissen Zelten läuft die Sanierung. 200000 Kubikmeter sind mit dem Pestizid Lindan belastet.

Unter den weissen Zelten läuft die Sanierung. 200000 Kubikmeter sind mit dem Pestizid Lindan belastet.

Die Kosten für die Lindan-Sanierung beim Novartis-Campus steigen auf 200 Millionen Euro – das ist doppelt so viel wie budgetiert. Und abgeschlossen sind die Arbeiten erst 2017.

Den Ärger und die Ausgaben hätte sich Novartis sicher gerne erspart. Immerhin 200 Millionen Euro soll die Sanierung eines mit dem Pestizid Lindan belasteten Geländes, das direkt neben dem Campus Novartis und der Schweizer Grenze in der Industriezone von Huningue (F) am Rhein liegt, mittlerweile kosten. Das ist doppelt so viel wie ursprünglich veranschlagt. Die Kosten übernimmt zum grossen Teil Novartis.

Novartis-Mediensprecher Patrick Barth begründet die Kostensteigerung so: «Unter anderem ist die Infrastruktur nach dem Stopp der ersten Sanierungsphase und dem Neustart mit dem neuen Anbieter deutlich komplexer. Zudem sind die Aufwände für das Monitoring durch die engmaschigen und kontinuierlichen Messungen höher.»

Weil es zu Geruchs- und Staubemissionen im unteren Kleinbasel und im Quartier St. Johann gekommen war, hatte Novartis die Arbeiten im September 2013 unterbrochen und erst im November 2014 schrittweise wieder aufgenommen. Von der ursprünglichen Sanierungsfirma hat sich der Konzern getrennt.

Seit Juni läuft Sanierung wieder

Seit Juni 2015 laufen die Arbeiten mit einer neuen Firma wieder regulär. Verbesserungsmassnahmen waren unter anderem: die mehrstufige Luftreinigung, die Ertüchtigung der bestehenden Zelte, der Container- und Schiffverlad sowie die Umweltüberwachung und die Kommunikation. Ausserdem wurden die freien Flächen asphaltiert und zusätzliche Zelte aufgestellt.

Durch die Emissionen war Novartis massiv in die Kritik geraten, obwohl der Konzern laut der französischen Gesetzgebung gar nicht verpflichtet wäre, das Gelände zu sanieren. Das Lindan stammt von der Firma Produits Chimiques Ugine Kuhlmann, die heute nicht mehr besteht. Sie hatte dort von 1947 bis 1974 Pestizide herstellt und auf ihrem Gelände abgelagert. 1973 erwarb die ehemalige Sandoz, heute Novartis, das Gelände, um dort die Industriekläranlage Steih zu errichten, die seit Ende 2012 nicht mehr in Betrieb ist.

Die Sanierung sollte ursprünglich schon im Sommer 2014 abgeschlossen sein. Durch die Unterbrechung wird sie nun noch bis 2017 dauern. Das zu sanierende Gelände ist 55 000 Quadratmeter gross und bis zu einer Tiefe von 14 Metern mit Lindan belastet. Von insgesamt schätzungsweise 200 000 Kubikmetern verschmutztem Erdreich sind derzeit 28 000 Kubikmeter ausgehoben und entsorgt worden – es gibt also noch viel zu tun.

20 Prozent per Container weg

Gering belastetes Material kann mithilfe einer Bodenwaschanlage gereinigt werden und vor Ort bleiben. Diese Anlage war laut Barth allerdings nur in sehr geringem Umfang in Betrieb. 80 Prozent werden mit dem Schiff abtransportiert – dabei handelt es sich um mittel belastetes Material. Der Schiffsverlad erfolgt über ein geschlossenes Förderband, das unter Unterdruck steht, und über der neuen Rheinuferpromenade verläuft, die voraussichtlich im Frühjahr 2016 eröffnet werden soll (bz vom 12. 11.). Dieses Datum muss allerdings, wie berichtet, noch geprüft werden. So schränkt Patrick Barth ein: «Ob der Betrieb neben anderen Faktoren einen Einfluss auf das Datum der Eröffnung des Radwegs hat, ist Teil der derzeit laufenden Evaluierung.» Stark belastet ist 20 Prozent des Materials. Es wird auf dem Landweg in Containern per Camion abtransportiert.

Das sanierte Gelände soll dann als Parkplatz und Grünanlage genutzt werden können. Ob ein Teil der Grünanlage öffentlich nutzbar sein wird, steht laut dem Novartis-Mediensprecher noch nicht fest. Zwischen der Rheinuferpromenade und dem Gelände soll eine drei Meter hohe Naturmauer entstehen, deren Kosten die Novartis übernimmt.

www.sanierung-steih.ch

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