Herr Pfister, Sie sind noch einer der wenigen Kandidaten fürs SP-Präsidium, die nicht abgewinkt haben. Haben Sie sich entschieden?

Pascal Pfister: Ja, ich werde kandidieren. Ich möchte die Partei voranbringen und weiterentwickeln. Ich habe auch ein sehr gutes Team gefunden, das mich unterstützt.

Das heisst, Sie bringen auch gleich Kandidaten für das ebenfalls vakante Vize-Präsidium mit?

Ja, ich kandidiere zusammen mit Kerstin Wenk und Beda Baumgartner. Wir treten als Team an.

Eine klare Ansage, wohin es mit der Basler SP gehen soll: drei junge Politiker, alle mit Gewerkschaftshintergrund vom linken Rand der SP.

Im Vordergrund steht für mich der notwendige Generationenwechsel. Ich sehe mich nicht am linken Rand der Partei, sondern in erster Linie als Sozialdemokrat. Die SP hat ein breites Spektrum. Ich will den gemeinsamen Nenner in den Vordergrund stellen. Ich stehe für soziale Gerechtigkeit, aber ich bin auch sehr gesellschaftsliberal. Mit diesem Inhalt definiere ich die Partei sehr gut. Und das ist auch eine Politik, die in diesem Kanton mehrheitsfähig ist. Zudem entscheidet am Ende nicht der Präsident, sondern die Parteibasis über die inhaltliche Richtung.

Ich formuliere es anders. Gewerkschaften sind ein Überbleibsel des 20. Jahrhunderts. Sind drei Politiker mit diesem Hintergrund die richtige Vertretung im Zeitalter der Digitalisierung?

Absolut. Die Gewerkschaften haben im 20. Jahrhundert dafür gesorgt, dass die Industrialisierung in soziale Bahnen gelenkt wurde. Nun stehen wir vor der gleichen Herausforderung. Es geht darum, den technologischen und wirtschaftlichen Fortschritt sozial zu gestalten. Aber man kann uns drei auch nicht einfach auf den Begriff Gewerkschafter reduzieren. So ist Kerstin Wenk schon lange sehr aktiv bei Kulturstadt Jetzt. Und auch Beda Baumgartner hat sich in vielen Fragen profiliert und ist beruflich nicht mehr bei der Gewerkschaft.

Welches sind die wichtigsten Themen, bei denen Sie als SP-Präsident ansetzen würden?

Intern geht es darum, die Partei zu modernisieren und eine pragmatische linke Politik zu entwickeln, die mehrheitsfähig ist. Wir können nicht einfach zurücklehnen, weil wir in den letzten Wahlen und Abstimmungen Erfolg hatten. Wir müssen daran arbeiten, dass wir im Dialog mit der Bevölkerung sind und wissen, wo der Schuh drückt.

Die Frage war mehr auf die politischen Inhalte gemünzt. Was läuft aus SP-Sicht in Basel noch nicht so, wie es sollte?

Es ist schön, dass sich unsere Stadt so prächtig entwickelt und dazu muss man auch Sorge tragen. Es ist aber genau so wichtig, dass dabei niemand an den Rand gedrängt wird. Insbesondere muss man darauf schauen, dass es bezahlbaren Wohnraum gibt.

Wie macht man das?

Es gibt verschiedene Instrumente. Wir sind sehr weit gekommen mit der Förderung von Genossenschaften. Aber ich bin der Meinung, man müsste auch andere Möglichkeiten anschauen: etwa die Variante, dass der Staat wieder aktiver günstigen Wohnraum fördert.

Warum ist dieser Eingriff nötig?

Es geht auch darum, dass wir eine lebenswerte Stadt so weiterentwickeln, dass alle gut zusammenleben. Wir haben eine sehr heterogene Stadt. Es ist wichtig, dass sich alle Bevölkerungsgruppen wohlfühlen. Wenn man die heutige Welt anschaut, ist das leider keine Selbstverständlichkeit.

Welche Punkte stehen sonst für Sie im Vordergrund?

Ein wichtiges Thema wird sein, dass wir ein gutes Verhältnis zu unseren Nachbarn haben und dass wir uns zusammen weiterentwickeln können. Basel ist aber auch ein Teil der Schweiz und der Welt und muss sich auch mit den grossen Fragen auseinandersetzen – eben etwa der Digitalisierung.

Sie haben bereits vor vier Jahren fürs SP-Präsidium kandidiert und gegen Brigitte Hollinger verloren. Was machen Sie nun anders?

Ich bin an einem anderen Punkt. Ich bin im Grossen Rat verankert und auch in der Partei besser abgestützt. Das Ziel ist das gleiche: eine SP, die sich proaktiv mit den Herausforderungen der Zukunft auseinandersetzt und im Dialog mit der Bevölkerung Antworten sucht.

Die SP hat in den letzten Jahren Spitzenresultate geschafft. Als neuer Parteipräsident kann man eigentlich nur verlieren.

Es geht ja hier nicht um mich, die Wahlergebnisse sind auch eine Verpflichtung. Gewinnen ist das eine, aber das auch zu nutzen und umzusetzen, was man versprochen hat, ist fast die schwierigere Aufgabe. Als Partei muss man immer in Bewegung sein. Wenn man die letzten Abstimmungsergebnisse anschaut, sieht man, dass wir noch zulegen können. Da ist noch einiges möglich.