Extreme
Linksautonome greifen Basel an und rufen zum Saufgelage auf

Mit Schmierereien und brennenden Autos randalieren Autonome in Basel. Und jetzt dies: Auf einem Flyer rufen Aktivisten zu einem Massenbesäufnis am Wettsteinplatz auf – ganz in der Nähe von Baschi Dürrs Wohnhaus.

Benjamin Rosch & Daniel Ballmer
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So präsentierte sich gestern das Basler Erlenmatt-Areal.

So präsentierte sich gestern das Basler Erlenmatt-Areal.

Nicole Nars-Zimmer

Die autonome Szene macht in Basel weiter auf sich aufmerksam. Im Kampf gegen das Ausschaffungsgefängnis Bässlergut waren es in den vergangenen Monaten vor allem brennende Autos, die für Schlagzeilen sorgten. In der vergangenen Zeit aber waren es andere Vandalenakte.

Jüngstes Beispiel sind die Neubauten rund um das Areal Erlenmatt, die Unbekannte am Wochenende mit verschiedensten Sprayereien verschandelt haben. Oder, wie es auf dem anti-autoritären Blogportal «Barrikade.info» heisst: «Unter dem Motto ‹Zombietown voll sauen› haben wir in der Nacht vom Samstag das Erlenmatt Quartier versaut.» Es soll ein Zeichen sein gegen die Aufwertung der Stadt und teuren Wohnraum, der «Statusniedere» verdränge.

HdM mehrfach Opfer von Attacken

Es ist nicht die erste Farbattacke der vergangenen Wochen. Unlängst sind einmal mehr Räumlichkeiten des Architektenduos Herzog & de Meuron Opfer von Farbattacken. Ihr «Fehler»: Unter anderem hätten die Staatschefs im Rahmen des G20-Gipfels in Hamburg in der von den Basler entworfenen Elbphilharmonie einem Konzert gelauscht.

Wiederholt seien Sprayereien an den Gebäuden von «HdM» angebracht worden, bestätigt Sprecher Patrick Ilg einen weiteren Blogeintrag auf dem einschlägigen Portal. In diesem brüsten sich Unbekannte, «Fassade und Garten von Herzog & de Meuron mit Farbe verunstaltet» zu haben. Noch nicht lange her ist zudem eine Demo, die sich nach der Räumung des besetzten Hauses an der Schwarzwaldallee formierte. Das als «Schwarze Erle» bekannte Haus war das letzte besetzte Gebäude der Stadt.

Immer wieder werden die Anti-Autoritären auch ganz persönlich: Ihre Angriffe richten sich zum Teil direkt gegen den Basler Sicherheitsdirektor Baschi Dürr. Einmal brannte ein Auto in seiner Strasse, ein anderes Mal wurde seine Privatadresse im Internet veröffentlicht. Und jetzt dies: Auf einem Flyer rufen Aktivisten zu einem Massenbesäufnis am Wettsteinplatz auf – ganz in der Nähe von Dürrs Wohnhaus. Der Anlass sei «für alle Unannehmlichkeiten, die die Polizei verursacht», ist zu lesen. «Der Flyer ist uns bekannt», sagt Polizeisprecher Toprak Yerguz. Der Anlass fliesse in die Lagebeurteilung der Kantonspolizei ein. FDP-Regierungsrat Dürr selber wollte sich nicht dazu äussern.

Flyer der Autonomen.

Flyer der Autonomen.

bro

Zankapfel Bässlergut

Die Basler Polizei hat schon länger mit solchen und ähnlichen Vorfällen zu kämpfen. Bereits im Mai ist ein Bagger auf der Baustelle des Basler Gefängnisses ausgebrannt. Resultat: Totalschaden. Ein zweites Fahrzeug fing ebenfalls Feuer. Schon damals bekannte sich eine unbekannte Täterschaft zum Brandanschlag, weil sie den Ausbau des Gefängnisses ablehnt.

Dabei ist es nicht geblieben. Mindestens sieben Autos sind seither angezündet worden. Anfang September gar ein ziviler Polizeiwagen. Zudem sind an Fahrzeugen von Firmen, die an dem Gefängnisausbau beteiligt sind, Pneus zerstochen oder Planen aufgeschlitzt.

Eine Serie ähnlicher Anschläge beschäftigt derzeit auch Zürich, wo ebenfalls schon Bagger in Flammen aufgingen. In allen Fällen vermutet die Polizei, dass die Täter aus dem linksextremen oder anarchistischen Milieu stammen.

Nachrichtendienst ist alarmiert

Mittlerweile befasst sich auch der Nachrichtendienst des Bundes mit den Brandstiftungen. Er stehe mit den entsprechenden Behörden in den Kantonen in Kontakt. Gewalttätige Linksextreme in der Schweiz hätten ihren Protest gegen die Asyl- und Migrationspolitik der Schweiz verstärkt. Sie richteten ihre Proteste im weitesten Sinne gegen Einrichtungen des Asylwesens, in dem sie eine «Ausschaffungsmaschinerie» sehen. Dabei würden sie auch immer wieder Gewalt anwenden und scheuten auch vor Personenschäden nicht zurück. Das Gewaltpotenzial sei vor allem gegenüber den Behörden gestiegen.