Melina M’Poy ist eine Erscheinung. Etwa ein Meter und 80 Zentimeter gross, Locken auf dem Kopf, ein ansteckendes Lachen und ausdrucksvolle, grosse Augen. Es sind alles perfekte Attribute für eine Musicaldarstellerin wie M’Poy. Die aus La Chaux-de-Fonds stammende M’Poy spielt seit März am Musical Theater in der Bühnen-Adaption von «The Lion King» die Rolle der Nala, der jungen Löwin also, die zusammen mit ihrem Freund Simba das Königreich retten will. 

Melina M’Poy als Nala im Musical Lion King.

Melina M’Poy als Nala im Musical Lion King.

Als wir M’Poy treffen, macht sie einen selbstbewussten Eindruck, wirkt tough. Doch die Tochter eines Kongolesen und einer Schweizerin war nicht immer so. «Als ich Teenagerin war, hatte ich Probleme mit meiner Körpergrösse. Ich habe mir immer gewünscht, dass ich kleiner bin, wusste nicht, was ich mit meinen Armen anfangen sollte», so die heute 29-Jährige. Und nicht nur das, ihr krauses Haar war lange Zeit gar eine Belastung für sie. «Ich habe oft geweint, weil es keine guten Produkte gab und ich einfach nur gerade Haare wollte», erzählt M’Poy. Doch heute ist sie stolz darauf. «Das Engagement bei Lion King hat mir dafür sehr geholfen. Ich bin in Kontakt mit anderen aus Afrika stammenden Frauen gekommen, die dieselbe Art von Haaren haben.» Das habe ihr geholfen, ihr Aussehen zu akzeptieren.

Die Notfall-Nala

Dieser Prozess hat angefangen, als M’Poy erstmals für eine Produktion von «The Lion King» gebucht wurde – im Jahre 2007. Damals hatte M’Poy eben erst die Musical-Ausbildung an der Académie Internationale de Comédie in Paris abgeschlossen, in der sie in Gesang und Tanz ausgebildet wurde. Durch ihr grosses Talent ergatterte sie sich im Alter von 21 Jahren ihre erste Lion King-Rolle – als Sarabi, nicht als Nala. «Ich habe zwar für Nala vorgesprochen, doch am Ende haben sie mir, wohl aufgrund meiner geringen Erfahrung und meines jungen Alters, die kleinere Rolle zugeteilt.»

Zusätzlich zu ihrer Rolle als Löwen-Königin und Mutter von Simba war M’Poy aber auch noch die Ersatz-Nala. «Trainiert habe ich die Rolle damals aber nie.» Der Cast habe komplett aus Lion-King-Neulingen bestanden. «Wir mussten uns alle erst einmal in unsere neue Rolle, in das gesamte Musical hineinfinden. Da hatte ich keine Zeit, neben den Proben als Sarabi auch noch für Nala zu proben.» Ihren allerersten Auftritt in «The Lion King» hatte sie dann aber dennoch als Nala. «Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern. Es war die erste Preview-Show überhaupt. Ich war in meiner Garderobe, als plötzlich der Manager herein kam und mir sagte, dass ich die Nala spielen würde.» M’Poy sei etwas verängstigt gewesen, da sie die Rolle noch nie geprobt hatte. «Glücklicherweise war ich so engagiert, dass ich der ersten Besetzung von Nala beim Proben immer zugeschaut habe und dadurch wusste, was ich zu tun hatte.»

Seit 2012 ist nun M’Poy die Hauptbesetzung der Nala. Auch wenn sie jahrelang die Sarabi spielte, sagt sie, dass «ich schon immer mehr der Typ Nala als Sarabi war». Sie und die junge Löwin seien sich vor allem von der Physis her sehr ähnlich. «Nala muss stark sein, und auch wenn ich von der Natur her nicht eine Kämpferin bin, denke ich, dass mir meine Grösse hilft, Nala gut zu inszenieren.» Vom Charakter her unterscheide sie sich jedoch stark von ihrer Rolle: «Ich hatte eine sehr friedliche Kindheit und Jugend, musste nie stark sein oder meine Familie beschützen, so wie Nala das teilweise muss.» Durch das Verkörpern der Nala und das emotionale Auf und Ab auf der Bühne habe sie gelernt, stärker zu werden. «Der Charakter von Nala hat mir sehr viel beigebracht.»

Das unbekannte Heimatland

Neben charakterlichen Stärken hat M’Poy noch etwas ganz anderes erfahren oder besser kennen gelernt: ihre zweite Heimat Afrika. «Mein Vater kam vor etwa 30 Jahren in die Schweiz und ist mittlerweile sehr schweizerisch.» So sei die afrikanische Kultur zu Hause nie wirklich gepflegt geworden. Sie ist erst einmal in den Kongo gereist. «Durch Lion King habe ich auch Afrika ganz anders entdeckt und eine richtige Beziehung zu diesem Kontinent aufgebaut.» Doch M’Poy ist auch stolze Schweizerin – und die erste Schweizerin überhaupt, die sich eine Rolle in «The Lion King» erspielen konnte. «Das habe ich nicht einmal gewusst!» sagt sie und lacht.

Noch bis Mitte Oktober verkörpert sie Nala, danach soll erst einmal Schluss sein. M’Poy will in der Schweiz bleiben und eine Pause machen. «Was ich danach beruflich machen werde, weiss ich noch nicht.» Aber Gott werde schon einen Plan haben für sie. «Er hat mir schliesslich auch mein ganzes Talent geschenkt.»