Weil am Rhein
Lizenzen für die überdimensionalen Stühle werden zu teuer

Vorerst kommen keine neuen grossen Nachbauten von Designer-stühlen in die Stadt der Stühle. Anfangs war die Aktion sehr günstig oder gar kostenlos. Doch jetzt wittern die Lizenzinhaber das grosse Geschäft mit Weil am Rhein.

Peter Schenk
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«Parigi» von Aldo Rossi im Massstab 7:1 ist 5,60 Meter hoch.ken

«Parigi» von Aldo Rossi im Massstab 7:1 ist 5,60 Meter hoch.ken

Die Stadt der Stühle, wie Weil am Rhein nach einem Marketingkonzept von 1998 benannt wurde, ist Opfer ihres eigenen Erfolgs geworden. 21 überdimensionale Nachbauten bekannter Designerstühle wurden in den letzten Jahren in der Stadt verteilt – in öffentlichen, aber auch privaten Räumen. Die Aktion stiess von Anfang an auf viel Zustimmung und Begeisterung.

Aufgrund der Euphorie erhielten die Initiatoren die Rechte für den Nachbau zuerst sehr günstig oder sogar kostenlos, aber damit ist es jetzt vorbei, wie die «Badische Zeitung» kürzlich berichtete. Das grosse Aufsehen, das die übergrossen Modelle auslösten, und ihre Verbreitung im Internet hätten dazu geführt, dass die Lizenzinhaber von weiteren Stühlen, die infrage kamen, das grosse Geschäft witterten.

100'000 Euro für eine Lizenz

«Die Forderungen wurden total unrealistisch und gingen bis 100'000 Euro», erklärt Peter Krause, Geschäftsführer von Weil am Rhein Wirtschaft & Tourismus (WWT), gegenüber der bz. Der WWT betreut die Stuhlaktion und kümmert sich auch um den Unterhalt der Modelle. Mit den hohen Lizenzforderungen sei es schwierig geworden, Sponsoren für den Nachbau zu finden.

Letztlich sei dieser zudem mit dem ständig gewachsenen Massstab von bis zu eins zu acht immer teurer geworden. «Allein die Herstellung kostet zwischen 20'000 und 30'000 Euro, fährt Krause fort.

Dabei hätten auch riesige statische Probleme gelöst werden müssen. «Der Massstab bleibt ja gleich. Dabei muss auch die Konstruktion des Originals beibehalten werden», erläutert Krause. Die Originale für den Nachbau stammten aus der Sammlung des Vitra Design Museums. Die Sammlung und auch die Stuhlproduktion von Vitra in Weil am Rhein hatten zur Marketing-Idee Stadt der Stühle geführt.

Platzmangel ist weiteres Problem

Neben hohen Lizenzforderungen hat auch Platzmangel dazu geführt, dass das Freilicht-Stuhlmuseum vorerst nicht mehr wächst. «Die Flächen in Weil am Rhein sind knapp. Das Hauptproblem ist, geeignete Plätze für weitere Stühle zu finden», sagt Krause. Baubürgermeister Christoph Huber sieht das genauso und ergänzt: «In einen Kreisverkehr dürfen Sie heute ohne Sicherheitsaudit auch keine Kunstwerke mehr aufstellen.» Das Gleiche gelte für die Stühle.

Krause schliesst nicht aus, dass es vielleicht doch noch einmal einen neuen Stuhlnachbau gebe. Schwerpunkt sei jetzt aber, den Status quo zu sichern.

Stühle von Thonet und Morisson

Der kann sich durchaus sehen lassen. Die 21 Modelle in eineinhalb- bis achtfacher Vergrösserung finden sich nicht nur in der Kernstadt, sondern auch in den Stadtteilen Friedlingen, Haltingen und Ötlingen. Schön anzusehen ist zum Beispiel der rote Stuhl namens «Parigi» von Aldo Rosso, der vor der Sparkasse Markgräflerland an der Hauptstrasse steht. Zu sehen sind auch Stühle von Thonet, Mies van der Rohe oder Morisson.

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