Komplizierter wird es beim Billettkauf, der einiges Vorwissen oder zumindest sorgsames Bedienen des Billettautomaten voraussetzt. Denn obwohl die Linie von den SBB Deutschland mit den bekannten Flirtzügen bedient wird, gelten für die Fahrt andere Regeln als im Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW). So gilt hier weder das GA noch gibt es eine Ermässigung mit dem Halbtaxabo. Wer das U-Abo oder ein GA besitzt, kann mit einem Anschlussschein Geld sparen, muss das allerdings wissen: Statt 4.20 Franken kostet die Fahrt nach Lörrach dann nur noch 2.80 Franken.

SBB gehört zu Lörracher Tarifgebiet

Wer kein U-Abo oder GA hat, für den lohnt sich im Basler Bahnhof SBB am Gleis 4 der Gang an den Ticketautomaten des Regio Verkehrsverbunds Lörrach (RVL). Hier kostet das Einzelbillett statt der 4.20 Franken am TNW- oder SBB-Automaten nur 3 Euro, das sind umgerechnet knapp 50 Rappen weniger. Wissenswert ist auch, dass man vom Bahnhof SBB mit einer Punktekarte, die es beim RVL gibt, mit vier Punkten günstig nach Lörrach kommt.

«Der Bahnhof SBB gilt für uns als Endpunkt des RVL-Betriebsgebiets. Deshalb bieten wir auch an, mit einem zusätzlichen Punkt, der 60 Cent kostet, von Lörrach zum SBB zu fahren», erklärt RVL-Geschäftsführer Frank Bärnighausen. Die gleiche Fahrt ist auch in die andere Richtung möglich.

Der preisbewusste Basler öV-Nutzer, der sein Billett mit Euro am RVL-Automaten am Bahnhof SBB gekauft hat, braucht sowieso Euro für die Rückfahrt, denn der Billettautomat im Lörracher Bahnhof akzeptiert keine Schweizer Franken. Eine Retourkarte ist im Nahverkehr in der Region Basel nicht lösbar.

Umgekehrt kann ein Besucher aus dem Euroland an den TNW-Automaten auch mit Euro zahlen. Allerdings wird ihm hier der Frankenpreis berechnet. So kostet eine Fahrt von Basel nach Grenzach-Wyhlen 4.20 Franken oder 3.60 Euro.

Im Unterschied zu den Basler Verkehrsbetrieben (BVB) bieten die Chauffeure der Südbaden Bus oder SWEG auf ihren Kursen nach Kandern/Weil am Rhein und Grenzach-Wyhlen weiterhin den Verkauf von Billetts an. Wer keine Euro bei sich hat, kann auch in Franken zahlen, allerdings zu einem «grob gerundeten» Wechselkurs, wie Bärnighausen mitteilt. Aus Zeitgründen appelliert er, sein Billett am Automaten oder in Euro zu bezahlen. «Die Chauffeure müssen zwei Geldbörsen haben. Ich hätte Verständnis dafür, wenn sie den Service so wie die BVB einmal einstellen», sagt Bärnighausen.

Mit Euro günstig ins Elsass

Ganz günstig ist die Fahrt von der Schifflände per Bus mit dem Unternehmen Distribus ins Südelsass. Für den Ausflug nach Saint-Louis oder Huningue verlangt der Busfahrer gerade einmal 1.30 Euro, also rund 1.60 Franken statt der 4.20 Franken am TNW-Automaten.

TNW-Geschäftsführerin Claudia Demel führt die Preisunterschiede auf die grenzüberschreitenden Rahmenbedingungen wie unterschiedliche Kaufkraft, Löhne und Leistungen zurück. «Das müssen wir akzeptieren und die bestmöglichen Kompromisse finden», sagt sie. Unterschiede gebe es auch bei Kundenverhalten, Kinderaltersgrenze, Kontrolle und Vertriebssystem. «Diese Probleme löst man auch mit einem Tarifverbund nicht», ist sie überzeugt.

Bärnighausen ergänzt: «An den Währungsdifferenzen kommen auch wir nicht vorbei.» Für Anfang 2015 kündigt er Tageskarten mit einem Einheitstarif an. «Wir arbeiten daran. Kleine Preisdifferenzen wird es allerdings auch dann geben», ergänzt er mit dem Hinweis auf mögliche Wechselkursschwankungen.

Die Politik macht Druck

Politisch sind die Tarifverbünde und Nahverkehrsgesellschaften unter Druck. So setzt sich der Districtsrat, das Parlament des Trinationalen Eurodistricts Basel (TEB), für Verbesserungen im grenzüberschreitenden öV ein. «Der TEB muss für die Bürger nutz- und erlebbar sein. Das spürt die Bevölkerung am unmittelbarsten beim öV. Was nutzt eine Tramverlängerung über die Grenzen oder ein Flughafenbahnanschluss, wenn es keine einfachen und sicheren Lösungen für die Tarife gibt?», fragt Heinrich Ueberwasser (SVP), Vizepräsident des Districtsrats.

Auch der TEB-Vorstand hat sich in einer Medienmitteilung zu dem Thema geäussert. Darin bekräftigt er die «gemeinsame Absicht, auf eine weitere Vertiefung der Tarifkooperation im Eurodistrict hinzuarbeiten.» Weiter kündigt er an: «Eine Projektgruppe mit Experten aus den drei Ländern wird Vorschläge erarbeiten.» Bärnighausen verweist auf Fortschritte. «Bei den Tages-, Monats- und Jahreskarten haben wir sogar schon einen Tarifverbund». Mit der Internetseite www.triregio.info gebe es zudem seit zwei Jahren ein gemeinsames Dach, auch mit einer Fahrplanauskunft.

Das mag stimmen, leicht verständlich aber ist die Seite nicht. «Beim Marketing und der Kommunikation haben wir noch Optimierungsbedarf», kommentiert Bärnighausen. «Wir sind relativ weit, aber es gibt noch den einen oder anderen Schwachpunkt.»