In Riehen hält sich die Freude in Grenzen. Die städtische Gesellschaft Wohnbau Lörrach will 135 Meter nördlich der Grenze, am Rande des Landschaftsparks Wiese, neben die Zollfreistrasse ein 17-stöckiges und zirka 50 Meter hohes Hochhaus bauen.

Kürzlich ist das Vorhaben ein gutes Stück vorangekommen. In seiner letzten Sitzung im alten Jahr stimmte das Lörracher Stadtparlament einstimmig mit einer Enthaltung dafür, das Bebauungsplanverfahren für den Leibnizweg zu eröffnen, wo das Gebäude entstehen soll. «Hochhaus nimmt erste Hürde», titelte die «Badische Zeitung und betonte, es habe zum Projekt positive Äusserungen aus allen Fraktionen gegeben.

Ganz anders tönte das in zwei Interpellationen im Riehener Einwohnerrat. Bereits im August 2013 hatte Christine Kaufmann (EVP) beklagt, dass «ein Hochhaus am Rand dieser geschützten Landschaft massiv störend wirken kann».

Im September doppelte Peter A. Vogt (SVP) nach und holte den rhetorischen Zweihänder hervor. Er warf den Lörracher Nachbarn «eine gute Portion Unverfrorenheit» vor, sprach von «Unverschämtheit» und titelte seine Interpellation: «Der Wohnturm Lörrach missbraucht Riehen und den Landschaftspark Wiese.»

Erst keine offizielle Information

Beide Politiker kritisierten zudem, dass Riehen über das Lörracher Projekt nicht offiziell informiert worden sei. Das Problem wurde allerdings mittlerweile ausgeräumt. «Der Lörracher Bürgermeister Michael Wilke ist in den Gemeinderat gekommen, um die Sachlage zu erklären», berichtet der Riehener Gemeindepräsident Willi Fischer, der sich froh darüber zeigt, dass dies kurzfristig möglich gewesen sei.

Wilke räumt ein, dass es sehr unschön sei, aus den Medien über ein derartiges Vorhaben zu erfahren. «Wir müssen sicherlich die Kommunikation verbessern.» Er verweist darauf, dass es den Lörrachern mit der neuen Riehener Parkraumbewirtschaftung genauso gegangen sei.

Im Rahmen der sogenannten Offenlegung hat auch Riehen in den nächsten vier bis fünf Wochen Gelegenheit, sich zum geplanten Hochhaus zu äussern. «In der Zeit wird geschaut, ob es grundsätzliche Probleme wie Schattenwurf gibt», sagt Wilke. Ihm sei klar, dass nicht alle Leute vom Projekt begeistert sind. Lörrach wachse allerdings deutlich. «Das ist unser täglich Brot. Da müssen wir auch in die Höhe wachsen.» Ausserdem sei der Leibnizweg schon heute «extrem urbanisiert».

Lörrach hat Planungshoheit

Im grünen Dorf Riehen sieht es da anders aus. «Für uns wäre es nicht denkbar, an der Grenze ein Hochhaus zu bauen», argumentiert Willi Fischer, sagt aber auch: «Wir respektieren die planungsrechtliche Hoheit Lörrachs.» Dabei könne der geplante Bau auch als schön empfunden werden. Er äussert Verständnis für die Notwendigkeit des Ballungsraums Lörrach, in die Höhe zu bauen. Insgesamt sieht er das Hochhaus als «Lehrstück für beide Seiten, sich rechtzeitig zu informieren».