Grosse Aufregung in Deutschland: Zwei Löwen, zwei Tiger und ein Jaguar sollen im Eifelzoo im deutschen Lünebach ausgebrochen sein. Später stellt sich heraus, sie waren nie weg. Wegen eines Hochwassers war die Lage unübersichtlich. Doch was passiert, wenn Raubtiere tatsächlich aus dem Zoo ausbrechen, zum Beispiel in Basel?

Der Zolli hat 16 Tierarten gelistet, die laut Christian Wenker für Menschen gefährlich werden können. Der leitende Tierarzt zählt sieben Raubtier-, drei Menschenaffen- und sechs grössere Pflanzenfresser-Arten wie Nashorn oder Elefant auf.

Besuch bei den Löwen im Basler Zolli

Löwe im Zolli.

Besuch bei den Löwen im Basler Zolli

Für den Fall, dass eines der Tiere ausbüxt oder gar mehrere fliehen, hat der Zolli ein Notfallkonzept. Die Mitarbeiter werden geschult und trainiert. Genaueres will Wenker aus Sicherheitsgründen nicht verraten, doch das Konzept sieht für jeden Bedrohungsgrad eine andere Handlungsweise vor.

«Wenn Leib und Leben von Menschen bedroht sind, dann kommt es zum Abschuss», so Wenker. Zuvor jedoch versuchen Wärter und Tierärzte ein Raubtier «zu sichern», bei Möglichkeit ins Gehege zurückzutreiben. Mittels optischer oder akustischer Abschreckung werden Tiere von den Besuchern ferngehalten.

Es dauert, bis die Narkose wirkt

Der Einsatz eines Betäubungsgeschosses ist ebenfalls möglich. Laut Wenker dauert es aber fünf bis sechs Minuten, bis das Narkosemittel wirkt. Eine lange Zeit, wenn Menschenleben in Gefahr sind. Es gilt also genau abzuwägen.

Ein Fall wie in Deutschland – Hochwasser soll die Gehege unterspült haben – sei beim Zolli nicht möglich, so Wenker. Und dies trotz Birsig, der durch den Zolli fliesst. Wasser, genauer die Aare, stelle eher für den Tierpark Dählhölzli in Bern eine Gefahr dar.

Sieht gemütlich aus, ist aber sehr gefährlich - Nashorn im Zolli.

Sieht gemütlich aus, ist aber sehr gefährlich - Nashorn im Zolli.

Wenn ein Tiger, Gorilla oder Elefant sich auf dem Gelände des Zoos befindet, liegt das Einfangen in der Verantwortung des Zolli-Teams. Flieht ein Löwe oder Nashorn aus dem Zoo in die umliegenden Quartiere, wird die Polizei informiert. Die Tiere werden dann gemeinsam eingefangen.

Panther, Leopard, Blutbrustpaviane

Dass Tiere aus Zoos und Tierparks entweichen, kommt vor – nicht nur in Deutschland. Ein solch drastischer Fall wie beim Eifelzoo ist Wenker beim Zolli aber nicht bekannt.

Zuletzt ist 2008 ein Gepard aus seinem Gehege ausgebrochen, hat den Basler Zoo aber nicht verlassen. Das Jungtier kehrte von selbst zurück. Die Sicherung wurde verstärkt.

Wenker erinnert sich auch ans Jahr 1987, als sechs Schimpansen die Flucht gelang. Sie mussten im Wohnquartier eingefangen werden. Einer wurde von einem Polizisten in Notwehr erschossen.

Auch der Zoo Zürich kennt eine grosse Geschichte: 1933 war ein Panther aus dem Zoo Zürich entwischt. Er hielt die Bevölkerung wochenlang in Atem, wurde am Ende aber von einem Bauer erlegt. Einem Leoparden gelang die Flucht drei Jahre später, auch er wurde erschossen.

Blutbrustpaviane im Zoo Zürich

Blutbrustpaviane im Zoo Zürich

Kürzer zurück liegt der Fall der Dschelalas. Im Juni 2017 entdeckten Zürcher Zoo-Besucher die Blutbrustpaviane nicht im Gehege sondern auf der Aussenmauer. Die Tiere konnten eingefangen werden.

Elefant Sabu läuft Zirkus Knie davon 

2010 verursachte Elefantendame Sabu erst in Zürich, dann in Wettingen Aufregung. Am Zürichsee verliess sie den Zirkus Knie für einen Spaziergang, der auf Video festgehalten ist:

Zirkuselefant Sabu macht Zürich unsicher

Zirkuselefant Sabu macht Zürich unsicher

Unterspülte Zäune

In Deutschland wurde mit einem Grossaufgebot der Polizei nach den „entwichenen“ Raubkatzen gesucht, gemäss Augenzeuen auch mittels Drohne. Ein flüchtiger Bär soll zuvor erschossen worden sein. Die Bevölkerung war aufgefordert worden, in ihren Wohnungen zu bleiben. Es sollen vom Hochwasser Zäune unterspült worden sein.