Kommentar zu Ackermanns Rückzug

Logisch, aber risikoreich

Patrick Marcolli
«Die SP wird sich nun punkto Präsidialdepartement nicht mehr länger bedeckt halten können: Beat Jans sollte sich dafür bewerben.»

«Die SP wird sich nun punkto Präsidialdepartement nicht mehr länger bedeckt halten können: Beat Jans sollte sich dafür bewerben.»

Das Wahlergebnis vom Sonntag hat keinen Zweifel gelassen: Grün gewinnt, aber die grüne Regierungspräsidentin verliert.

Elisabeth Ackermann kam nicht umhin, ihr schlechtes Resultat im ersten Wahlgang als eine persönliche Niederlage zu interpretieren. Am Dienstag nun hat sie die Konsequenzen gezogen und ihren Rückzug bekanntgegeben.

Es fragt sich vor allem: Warum kommt dieser Entscheid erst jetzt? Welche Partei(en), beziehungsweise Bündnispartner haben ein Interesse an einer neuen Kandidatin, die in vier Wochen an der Seite von SP-Mann Kaspar Sutter gegen Baschi Dürr (FDP), Stephanie Eymann (LDP) und Esther Keller (GLP) ins Rennen steigt? Welche Seite hat Druck ausgeübt auf Ackermann?

Im Fokus steht Basta, deren Exponentin Sibel Arslan sich gestern öffentlich positioniert und zumindest verklausuliert als Ackermann-Ersatz ins Gespräch gebracht hat. Dass sich potenzielle Erben zu diesem entscheidenden Zeitpunkt so laut zu Wort melden, war ein eindeutiges Indiz für den enormen Druck, der auf Ackermann gelastet haben muss.

Die Führungsriege ihrer eigenen Partei hat aus Mangel an geeigneten Nachfolgerinnen – und eine Frau müsste es fast zwingend sein – wohl kaum auf einen Rückzug gepocht. Eher schon ein paar versprengte Grüne, die unverhofft eine neue Karrierechance erblicken. Und wie sieht es mit den Sozialdemokraten aus? Sie waren in der Zwickmühle und wussten: So folgerichtig Ackermanns Rückzug wäre, so risikoreich ist er auch.

Ihr Resultat war zwar sehr schlecht, aber nicht unaufholbar. Eine neue Kandidatin für den zweiten Wahlgang, und sei sie vom Wählerpotenzial noch so zugkräftig wie Sibel Arslan, macht noch nicht automatisch einen Sieg. Die rot-grüne Mehrheit in der Basler Regierung wackelt. Die SP wird sich nun punkto Präsidialdepartement nicht mehr länger bedeckt halten können: Beat Jans sollte sich dafür bewerben.

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Patrick Marcolli

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