«Das müssen Sie mir einfach glauben», sagte Martin Kull, Chef der Frauenfelder HRS, beschwörend. «Jeder Unfall ist einer zu viel. Und wir goutieren Lohndumping nicht.» Die Firma HRS ist Generalunternehmer der Baustelle am Messeplatz. Bei ihr laufen alle Fäden zusammen, sie hat den Gesamt-Bauvertrag mit der Messe Schweiz, der Auftraggeberin. HRS ist unter Druck, weil verschiedentlich Fälle von Lohndumping entdeckt wurden.

Kleingeredet und relativiert

Aber Kull schwächte sogleich ab: Das sei eine riesige Baustelle mit über 1000 Arbeitern, die hier arbeiteten. Insgesamt, so Kull, habe es 22 Arbeitsunfälle gegeben, drei davon seien schwere gewesen. Das sei, in Bezug auf die geleistete Arbeit und im Vergleich zu den Unfallzahlen in der Schweiz insgesamt, wenig: 0,06 Unfälle pro Tag auf der Messe Basel, 200 pro Tag auf Schweizer Baustellen (die bz hat hier nachgerechnet: Pro Arbeiter ist die Unfallzahl in etwa gleich hoch wie in der Gesamtschweiz).

Kull relativierte auch die Vorwürfe, dass Dumpinglöhne bezahlt würden. Es sei «praktisch nicht zu vermeiden», dass es bei einem derartigen Grossprojekt mit «-zig involvierten Bauunternehmen» einige schwarze Schafe habe, die sich nicht an die Verträge hielten. Besonders ärgerlich dabei sei, dass sich auch zwei Schweizer Firmen darunter befinden.

Ebenso wenig sei es möglich, den Subunternehmen in die Lohnbuchhaltung zu schauen. Das sei vertraglich nicht vorgesehen. «Die Firmen könnten das allenfalls freiwillig tun.» Freiwillig? Es ist nicht anzunehmen, dass sich jemand in die Buchhaltung blicken lässt, der etwas zu verstecken hat. So war es denn auch nicht verwunderlich, dass nichts zum Vorschein kam, als am Dienstag die HRS Gelegenheit bekam, ein paar Dokumente einer kritisierten Firmen durchzusehen. Was HRS-Manager Wolfgang Schäfer zeigen konnte, war einzig eine schriftliche Erklärung, dass die Mindestlöhne eingehalten würden.

Wieviele Fälle von Lohndumping?

Ausserdem müsse man genau hinschauen, was ein solcher Dumpinglohn bedeute. Möglicherweise kämen noch andere Zusatzleistungen des Arbeitgebers wie Unterkunft oder Ähnliches dazu. Es gäbe nur gerade drei Fälle von Lohndumping, hiess es an der Medienkonferenz. Die Gewerkschaft Unia, die in der Paritätischen Kommission sitzt, spricht hingegen von sieben Firmen, bei denen Lohnbücher kontrolliert würden. Resultate lägen aber noch keine vor.

Wenn Firmen gegen Verträge verstossen, seien Zahlungsrückhaltungen oftmals das einzige Druckmittel zur sofortigen Korrektur von Missständen, «weil Gerichtsverfahren viel zu lange dauern». Das sei auch der Grund gewesen, dass ein Stahlbau-Subunternehmer einer slowenischen Firma die Zahlung verweigerte. Diese ist jetzt in einem Zahlungsengpass und bezahlt ihre Arbeiter nicht mehr. Ein Treffen mit allen beteiligten Firmen kam nicht zustande, weil zwar die slowenische Firma kam, nicht aber der deutsche Unterakkordant JHL. «Wir wollten vermitteln», sagte Kull. Aber bezahlt werde erst, wenn alles geklärt sei.

53 Prozent der Aufträge seien an lokale Firmen vergeben worden, 37 an weitere Schweizer Firmen, 10 Prozent an ausländische. Weiter unten in der Auftragskette verliert sich dann allerdings die Spur. Mit Sicherheit gibt es dort noch vermehrt ausländische Betriebe. Kull nannte keine Zahl.