Pharma

Lonza forscht jetzt auch in Basel

Labor einer Startup-Firma im Technologiepark Basel. Wenige Meter entfernt entstehen derzeit die Lonza-Labors.

Labor einer Startup-Firma im Technologiepark Basel. Wenige Meter entfernt entstehen derzeit die Lonza-Labors.

In Basel hat Lonza nie geforscht und produziert, in der Region nur wenig. Das wird sich jetzt ändern: da in Basel die spezialisierten Fachkräfte zu finden sind, wird hier nun ein Labor gebaut.

Lonza? Genau: Das ist das bemerkenswerte Hochhaus von Suter & Suter beim Basler Bahnhof SBB, ein Beispiel guter Architektur in der Stadt. Hier hat die Firma den Hauptsitz, die Verwaltung. Einzig die Form – im Grundriss ein Doppeltrapez – erinnert entfernt daran, dass Lonza etwas mit Chemie zu tun hat. Produktion, Forschung und Entwicklung, das alles ist heute über die ganze Welt verstreut: In Köln, in Slough bei London, an der US-Ostküste, und selbstverständlich im Wallis, in Visp, wo die Wiege der Firma liegt. Lonza, das ist dieser ungestüme Bach, der vom Lötschental hinunterschiesst und bei Gampel in die Rhone mündet.

Anspruchsvolle Arbeiten

Ab Oktober wird Basel jedoch nicht mehr nur Hauptsitz sein. Sondern es wird auch Forschung betrieben. Lonza baut im Businesspark Stücki in Kleinhüningen eine Abteilung mit vorerst 25 Mitarbeitenden auf, die sich auf spezielle Darreichungsformen und Kombinationen von hoch komplexen Medikamenten spezialisiert. Dabei arbeitet Lonza beispielsweise mit kleineren Pharma-Firmen zusammen, die in diesem Bereich zu wenig spezialisiert sind, oder mit Grossfirmen, die gerade in Kapazitätsengpässen stecken.

Der Name Lonza erscheint auf einer Medikamentenpackung nie, weil Lonza «nur» zuliefert oder das Produkt in seine Endform bringt. Eine besondere Herausforderung ist die Verbindung von biologischen und chemischen Stoffen, die sogenannten Antikörper-Konjugate. Im Oktober nimmt die Formulierungs-, Analyse- und Qualitätsabteilung die Arbeit auf, gegen Ende 2016 eine Produktionsstätte für Medikamente in vorklinischen und klinischen Tests.

Warum Lonza auf Basel gekommen ist, scheint klar: Hier sind die hoch spezialisierten Fachleute zu finden. Hanns-Christian Mahler, der dem neuen Labor vorsteht, war beispielsweise zuvor bei Roche tätig. «Dass sich die neue Abteilung in der gleichen Stadt wie der Hauptsitz von Lonza befindet, ist eher Zufall», sagt Lonza-Sprecher Dominik Werner. Es stelle dem Standort Basel jedenfalls ein gutes Zeugnis aus, trotz Unsicherheiten wegen der Masseneinwanderungsinitiative.

Lonza ist nicht nur in der Pharma tätig, sondern auch in den Bereichen Konsumgüter/Ernährung, Agro, Wasserbehandlung, Verbundstoffe und Oberflächenbehandlung. Die Firma erzielte mit 9500 Mitarbeitern 2015 einen Umsatz von 3,8 Milliarden Franken und einen Gewinn von 280 Millionen. Das hoch spezialisierte Geschäftsmodell scheint auch die Anleger an der Börse zu beeindrucken. In den vergangenen zwölf Monaten stieg die Lonza-Aktie von 130 auf 180 Franken, was einem Plus von rund 40 Prozent entspricht. Dies, während Roche 8 und Novartis 18 Prozent eingebüsst hatten und Clariant den Kurs gerade halten konnte.

Der eingangs erwähnte Businesspark scheint sich gut zu entwickeln. Allein im dort eingemieteten kantonalen Technologiepark Basel sind 15 Startup-Firmen mit über 130 Mitarbeiter, dies auf aktuell 3400 Quadratmetern Bruttogeschossfläche. Die Nachfrage nach Laborflächen ist gross, bereits zwei Mal wurden Flächen dazugemietet. Ende 2017 werden es sogar 6400 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Dies mit entsprechendem Potenzial für zusätzliche Unternehmen und zusätzliche Arbeitsplätzen, wie beim Basler Amt für Wirtschaft und Arbeit betont wird. Die Technologiepark Basel AG gehört zu 100 Prozent dem Kanton.

Medartis baut aus

Auch die Implantat-Firma Medartis erweitert ihre Produktionsflächen. In diesem Monat sei ein neues Stockwerk bezogen worden, sagt Medartis-CEO Willi Miesch. Die Firma laufe gut, es bestehen Pläne für die Nutzung von zwei weiteren Stockwerken zu rund 1000 Quadratmetern.

Die Firma, bei der in Basel rund 180 Angestellte arbeiten, habe die Flächen bereits frühzeitig angemietet. Bis in zwei bis drei Jahren dürften auch diese genutzt sein, meint Miesch. Insgesamt würde das Raum für rund 300 Arbeitsplätze bieten. Auch der Besitzerin der Liegenschaft, die Swiss Prime Site, ist die Dynamik in ihrer Liegenschaft nicht entgangen. Geplant sind zum bestehenden Gebäude quer stehende Anbauten.

Autor

Stefan Schuppli

Stefan Schuppli

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