Fasnacht
Lorbeergranz am Mittwuch

Der Fasnachts-Philosoph über den Herbst der Fasnacht, wo langsam klar wird, wer ein glückliches Händchen hatte.

Naarekappe
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Der Autor dieses Textes ist ein fasnächtliches Urgestein und macht sich Gedanken über die drey scheenschte Dääg.

Der Autor dieses Textes ist ein fasnächtliches Urgestein und macht sich Gedanken über die drey scheenschte Dääg.

Nicole Nars-Zimmer niz

Der Mittwoch ist sozusagen der Herbst der Fasnacht. Man spürt schon das Ende und beginnt, ein wenig Rückblick zu halten. Fast wie im Spätjahr, wenn man kurz vor dem Einwintern und Einmotten Erntedank feiert und die Ausbeute der Hochsaison Revue passieren lässt. Man hat ja am Montag schon den Cortège gesehen, mit Glück und teuren Mahlzeiten in den Speiselokalen (oder dank guter Geheimtipps in einigen Cliquenkellern) etliche Bängg gehört. Und die Berichterstattungen in den Medien haben auch schon die Meinungen jener gemacht, die keine eigene haben.

Wie so oft beginnen nun die Diskussionen um eine Rangverteilung: Welches ist der künstlerischste Zug, die schönste Laterne, der prächtigste Wagen, der beste Schnitzelbangg, die lauteste Guggemuusig? Vor vielen Jahren machten die «Römer» Furore, welche unter geschicktem Einseifen der Medien mit ihren Daumen nach oben oder unten für sich in Anspruch nahmen, die Cliquen in ihren Auftritten in Gold, Silber oder Blech einzuordnen. Und vor nicht allzu langen Jahren startete der «Schnaabelbryys». Eine selbst ernannte «Prominenten»-Jury begutachtete eine Reihe von Schnitzelbangg-Gruppierungen, die sich für diese limitierte Casting-Schau auf dem schicken Laufsteg um grosszügige Preisgelder bemühte. Als Ergebnis wurde dann verkündet, wer der beste Schnitzelbangg des Jahres sei. Viele wirklich gute Bänggler blieben diesem Anlass fern. Vor allem deshalb, weil sie sich in guter Tradition der Anonymität verpflichtet fühlten. Die Basler Fasnacht ist inkognito – und damit auch kommerzfrei, denn nur im Schutz der Maske kann die Narrenfreiheit gedeihen und zu Hochformen auflaufen. Der Narr ist Partner der Frau Fasnacht, nicht der Selbstdarsteller.

Wenn das Fasnachts-Comité am Montags-Cortège den Tambourmajoren oder Zugschefs die grossen Plaketten in verschiedenen Ausführungen an die Brust heftet, so meinen immer noch manche Zuschauer, dass es sich hier um eine Bewertung handelt. Dabei geht es hier seit Jahren nur darum, um welche Art einer Gruppierung es sich handelt. Lorbeerkränze werden bei uns nur im Vorfeld der Fasnacht für die Pfeiferinnen und Pfeifer, Trommler und Trommlerinnen verteilt, um damit unser sehr spezielles und auch eigenständiges Musikgenre zu fördern. Für Kreativität und Humor werden, anders als etwa in deutschen Landen, keine Orden verteilt. Das hat auch einen guten Grund: Wer verdient denn eher eine Goldmedaille – oder besser gesagt sogar einen Förderpreis? Die Clique, welche sich erstklassige Künstler, aufwendige Bauten und Gewandungen leisten kann? Oder die begeisterten Laien, die sich mit allen ihren Möglichkeiten an die vielleicht noch dilettantische Umsetzung eines Sujets wagen?

Die Jury an der Fasnacht ist allein das Publikum. Dabei darf auch mit Befriedigung zur Kenntnis genommen werden, dass nicht immer die Schenkelklopfer die beste Quittung für treffenden fasnächtlichen Spott sind. Natürlich gibt es die «Running gags» – Zircher, Schwoobe, FCB und BVB. Subtiler Humor, und Themen, die mehr Insiderkenntnisse voraussetzen sind selbstverständlich anspruchsvoller, werden aber dem Sinn unserer drei Tage besser gerecht.

Wenn wir unsere Traditionen richtig pflegen, dann verdient nur eine Person Lorbeeren: Die Frau Fasnacht selbst.