Nun ist es doch soweit. Nach acht Jahren im Amt will Sebastian Frehner nach den Bürgergemeinderatswahlen von Ende Mai als Basler SVP-Präsident zurücktreten. Dabei macht er berufliche Gründe geltend; auch sein Nationalratsmandat sei sehr zeitintensiv.

Gerade das war ihm von Christoph Blocher vorgeworfen worden. Der SVP-Stratege hatte Frehner zum Rücktritt aufgefordert, weil er zu wenig Zeit für die Partei aufbringen könne. Zudem war es intern immer wieder zu Querelen gekommen. Frehner bestreitet, dass sein Rücktritt mit Blocher zu tun habe.

Gleichzeitig hat der abtretende SVP-Präsident bereits die Weichen für seine Nachfolge gestellt. Einstimmig schlägt der Vorstand den ehemaligen Fraktionschef Lorenz Nägelin vor, der bei den letzten Regierungswahlen gescheitert war. Auf eine Findungskommission verzichtet die SVP.

Von einem Fait accompli, vor den die Parteibasis gestellt wird, will Frehner aber nichts wissen: «Eine Findungskommission wäre ohnehin ebenfalls auf Nägelin gekommen.» Der designierte Nachfolger kündigt derweil im Interview mit der bz an, einiges ändern zu wollen. Vor allem möchte er im Kanton präsenter sein als Frehner.

Herr Nägelin, dürfen wir Ihnen bereits zum Präsidium der Basler SVP gratulieren?

Lorenz Nägelin: Letztlich bin ich erst Präsident, wenn auch die Parteibasis dazu Ja gesagt hat. Aber es ist auf gutem Weg. Ich habe bereits positive Signale erhalten.

Zudem schlägt Sie der Parteivorstand ohne Wenn und Aber als Nachfolger von Sebastian Frehner vor. Was kann da noch schiefgehen?

Eigentlich nichts.

Allerdings: Die SVP scheint ihr Wählerpotenzial in Basel-Stadt bereits ausgeschöpft zu haben. Was reizt Sie da noch an diesem Amt?

Ich glaube nicht, dass das Potenzial bereits ausgeschöpft ist und man kann gewisses anders machen. Wichtig ist, dass wir bei den nächsten Wahlen mit vollen Kandidatenlisten antreten. Und sie sollen besser durchmischt sein mit mehr Jüngeren und mehr Frauen.

Wie wollen Sie das schaffen?

Ich will den Leuten die Angst vor dem Aufwand nehmen und vor allem auch die positiven Seiten eines Grossratsmandats aufzeigen. Das bedeutet nicht nur Knochenarbeit. Es gibt zahlreiche schöne Momente. Man kann hier etwas Sinnvolles für den Kanton und deren Bevölkerung machen und die SVP-Werte einfliessen lassen. Dies soll die Leute motivieren. Das ist aber eine längerfristige Arbeit, welche dauernd gemacht werden muss. Man kann nicht einfach kurzfristig Anmeldeformulare für die Listen verschicken.

Im Grunde sind Sie ja zu einem Generationenwechsel gezwungen: Sie hat es selber bereits getroffen. Und am Ende der laufenden Legislatur werden noch zahlreiche andere SVP-Grossratsmitglieder der Altersguillotine zum Opfer fallen. Wie soll dieser Generationenwechsel bewältigt werden?

Uns steht bis zu den nächsten Grossratswahlen eine intensive Zeit bevor.

Dann ist die Nachwuchsarbeit bisher vernachlässigt worden?

Nein, aber ich möchte sie intensivieren. Ich möchte sowohl bei der Jungen SVP als auch bei den SVP Frauen Präsenz markieren und die Parteimitglieder motivieren. Das ist in der Vergangenheit vielleicht etwas vernachlässigt worden. Sebastian Frehner aber hat neben dem Präsidium natürlich ein sehr zeitintensives Nationalratsmandat. Darum war er in letzter Zeit auch etwas weniger präsent.

Dennoch hat Frehner eine Annäherung an die anderen bürgerlichen Parteien erreicht. Gleichzeitig aber will sich die SVP etwa in der Ausländer- und Asylpolitik mit eigenen Positionen profilieren. Wie wollen Sie mittel- bis langfristig diesen Spagat schaffen?

Für mich ist es klar ein Ziel, die bürgerliche Zusammenarbeit weiter zu stärken. Nur wenn wir zusammenarbeiten, kommen wir in diesem Kanton weiter. Trotzdem wird die SVP nach wie vor pointiert auftreten. Ich bin aber auch bereit zu Kompromissen. Dies gilt auch über die Kantonsgrenzen hinweg, etwa bei den Diskussionen mit Baselland rund um die Universität oder die Spitalplanung. Da gibt es noch Potenzial. Gleichzeitig müssen aber auch die Zentrumsleistungen, welche Basel-Stadt erbringt, mitberücksichtigt werden.

Dieser moderatere Kurs stösst aber nicht nur auf Begeisterung. Die Mutterpartei hat das auch schon bemängelt. Das lasse Raum für andere Rechtsparteien. So äusserte sich die Spitze der SVP Schweiz denn auch enttäuscht über das Ergebnis bei den Grossratswahlen.

Die SVP hat bei den Regierungsratswahlen gut abgeschnitten. Wir haben noch nie so viele Wählerstimmen erreicht und bei den Grossratswahlen konnten wir die Sitze halten und sind nach wie vor die stärkste bürgerliche Kraft. Kommt hinzu, dass wir in einem Stadtkanton andere Themen angehen müssen als in anderen Regionen. Auch gilt es zu berücksichtigen, dass es in Basel-Stadt vier bürgerliche Parteien gibt. Andernorts sind es nur drei. Diese Stimmen verteilen sich dann auch mehr. 

In den vergangenen Jahren hat die Basler SVP vor allem mit internen Querelen für Schlagzeilen gesorgt. Wie wollen Sie wieder Ruhe in die Kantonalpartei bringen?

Dies wird etwas überbewertet. In jeder Partei gibt es Diskussionen. Ich selbst komme aus einem sozialen Beruf. Da ist es für mich wichtig, dass man offen und ehrlich zueinander ist. Ich habe auch ein offenes Ohr für Anliegen aus der Parteibasis. Heute sind wir geeint im Vorstand. Mir ist es wichtig, um vorwärtszukommen, dass interne Diskussionen auch intern bleiben.