Es passiert selten, dass eine Urteilseröffnung mit Beamer und Google Maps beginnt. Doch am Freitagnachmittag zerpflückte Gerichtspräsidentin Kathrin Giovannone damit die Anklage. Und in der Folge gab es Freisprüche. Sowohl der ehemalige Lotse Peter Christ wie auch der ehemalige Kadermann der Rheinhäfen wurden vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen.

Kernpunkt der Anklageschrift war der sogenannte Bugschatten, den ein unbeladenes Motorschiff wirft. Konkret sei im Fall der Havarie vom August 2012 die Voraussicht des Lotsen auf rund 400 Meter massiv eingeschränkt gewesen, schrieb die Staatsanwaltschaft und stützte sich auf ein Gutachten. Wie sich durch eine Expertenbefragung vor Gericht zeigte, wird dieser Bugschatten vom Bug des Schiffes aus gemessen. Strafrechtlich ist aber die Sicht des Lotsen massgebend, der im hinteren Bereich des 86 Meter langen und nicht beladenen Motorschiffes im Steuerhaus stand. Was das Gutachten dazu genau ausführte, ist nicht bekannt. Kathrin Giovannone sagte allerdings, der Bericht sei punkto Sichtschatten «nicht überzeugend».

«Hätte anders ausgehen können»

«Die 400 Meter der Anklageschrift sind nicht belegt. Die tatsächliche Länge des Bugschattens lässt sich nicht mehr erheben», sagte Giovannone. Damit scheiterte der Prozess am Anklageprinzip: Das Gericht darf nur jene Punkte beurteilen, die ausführlich in der Anklageschrift geschildert werden. Eine Rückweisung der Anklage zur Verbesserung sei hier nicht möglich: Die Staatsanwaltschaft habe auf mehrere «offensichtliche Anhaltspunkte» verzichtet. So sei etwa die anspruchsvolle Fahrstrecke durch die Stadt oder die durch eine Baustelle verursachte Verengung bei der Schwarzwaldbrücke nicht erwähnt worden. «Es hätte vielleicht auch anders ausgehen können», meinte Kathrin Giovannone, ohne dabei den Lotsen direkt anzusehen.

Sie betonte auch, das Strafbedürfnis sei in diesem Fall relativ beschränkt: Es gebe starke Anhaltspunkte dafür, dass den verstorbenen Schiffsführer des Vermessungsbootes ein Mitverschulden treffe. «Auch erscheint die Verantwortung des Lotsen im Verhältnis zu seinem Lohn sehr hoch.»

Rheinhafen war nicht zuständig

Auch den ehemaligen Kadermann der Rheinhäfen treffe keine Schuld: Aus der Offerte der Vermessungscrew werde klar, dass sie sich für ihre Sicherheit selbst verantwortlich sahen. Zudem seien die Rheinhäfen nur für die Grossschifffahrt zuständig, nicht für Kleinboote: «Muss der Kanton die Lastwagen davor schützen, dass sie Velofahrer nicht überfahren? Man merkt sofort, wie absurd diese Frage ist. Sie ist klar zu verneinen», erklärte Giovannone.

Die Staatsanwaltschaft könnte den Freispruch noch weiterziehen, dürfte die Sache damit aber wohl auf sich beruhen lassen. Zivilforderungen gegen den Lotsen oder den Schiffseigner sind noch möglich. Die Hafencity-Universität Hamburg als Eigentümerin des versenkten Vermessungsbootes hat bislang allerdings keine Forderung gestellt. Die genaue Verantwortung der Lotsen auf dem Basler Hochrhein bleibt damit weiterhin ungeklärt.