Die Besitzer einer Liegenschaft im Gundeli möchten die Baulücke zum Nachbarhaus schliessen, ohne das bestehende Gebäude an der Delsbergerallee abzureissen. Im Kantonsblatt von vergangener Woche ist ein entsprechendes Baubegehren aufgeführt, damit die Behörden abklären können, ob solch ein Vorhaben bewilligt werden kann. Es könnte ein richtungsweisender Entscheid sein, denn alleine im Gundeli gibt es rund 30 solcher Baulücken.

Weil es sich bei der Prüfung um ein laufendes Verfahren handelt, geben die Behörden keine Auskunft. Doch das öffentlich zugängliche Dossier der Architekten, das derzeit im Bauinspektorat aufliegt, ermöglicht spannende Einblicke, wie der in solchen Fällen nötige Kuhhandel gelöst werden könnte.

Die bestehenden Wohnungen im Eckhaus haben nämlich grosszügige Balkone, die geopfert werden müssten. Als Ersatz sollen sie auf der anderen Seite des Hauses neue Balkone erhalten. Auch das Licht, das derzeit durch die Baulücke in ihre Wohnungen fällt, muss «geschützt» werden. Die Architekten sehen in ihrem Vorschlag deshalb vor, dass die Hälfte der Baulücke aus Gitter-Balkonen besteht und damit licht- und luftdurchlässig bleibt. In den Rest der Baulücke soll ein neues, schmales Haus gebaut werden, das vier Eineinhalb-Zimmer-Studios sowie einer Zweieinhalbzimmer-Wohnung Platz bietet.

Martin Steinmann, Architekt und Präsident der Stadtbildkommission, sagt: «Zum konkreten Projekt kann ich nichts sagen, ausser, dass wir es uns ziemlich genau anschauen müssen, weil es sich um eine äusserst schmale Baulücke handelt und die Gefahr besteht, dass dem bestehenden Eckhaus zu viel Licht weggenommen wird.»

Andere Fälle von Baulücken, etwa wenn zwei blanke Wände innerhalb einer Reihe eine Lücke bilden, wären viel einfacher zu genehmigen. «Dass das eine Haus eine blanke Wand ohne Fenster hat, weist allerdings stark darauf hin, dass dieser Blockverlauf so nicht geplant oder einmal anders war. Das wiederum spricht dafür, dass eine ausgeklügelte Lösung möglicherweise bewilligungsfähig wäre.»

Neue Areale reichen nicht aus

Die Wohnraum-Entwicklungsstrategie von Basel-Stadt geht davon aus, dass bis 2030 über 4000 zusätzliche Wohnungen benötigt werden. Neue Arealentwicklungen können nach aktuellem Kenntnisstand nur die Hälfte des Bedarfs decken, die andere Hälfte soll durch bisher ungenutzte Ausbaureserven abgedeckt werden. Bisher stand der Fokus dabei stark auf Aufstockungen. Dass auch Baulücken als Ausbaureserven gesehen werden können, eröffnet neue Möglichkeiten.