Interview

Lukas Engelberger, der gesunde Regierungsrat: «Ich habe definitiv genug zu tun»

Mal ganz leger: Lukas Engelberger hat den Begriff Bewegung aus dem Nähkästchen gefischt.

Mal ganz leger: Lukas Engelberger hat den Begriff Bewegung aus dem Nähkästchen gefischt.

Der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger (CVP) plaudert aus dem Nähkästchen. Über Viren, seine Partei und was ihn bewegt.

Herr Engelberger, was ist das Thema?

Lukas Engelberger: Bewegung.

Regelmässige Bewegung wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran?

Ich bewege mich im Alltag sicher genug, fahre etwa mit dem Velo zur Arbeit, auch mit meinen drei Kindern bin ich ständig in Bewegung. Bewusst Sport betreibe ich aber zu wenig.

So geht’s vielen Menschen. Sind Kampagnen in Planung, um die Bewegungslust der Basler zu fördern?

Wir haben erst kürzlich im Breite-Quartier ein Bewegungstreff für Senioren eröffnet. Und im Sommer finden mit «Gsünder Basel» wieder Bewegungsprogramme in den Parks statt. Da werde auch ich mitmachen.

Mögen Sie Ihren Job?

Ja, sehr. Vor allem seine Vielseitigkeit. Derzeit treibt mich besonders die Spitalplanung um, aber auch Strategien zu den Themen Sucht und Demenz.

Dann hat es Sie an der Sitzung zur Departementsverteilung im Regierungsrat nicht gejuckt, zu wechseln?

Nein. Die Spitalplanung würde ich nur ungern abgeben. Ausserdem aspiriere ich darauf, im Mai als Präsident der nationalen Gesundheitskonferenz gewählt zu werden. Da stellt das Amt des Gesundheitsdirektors natürlich eine Voraussetzung dar.

Böse Zungen würden jetzt sagen: Genug Zeit dafür hätten Sie bestimmt. Sie fallen nicht mit grossen Projekten auf, seit dem «Nein» zur Spitalfusion ist es ruhig um Sie geworden. Und Ihr Departement ist seit der Auslagerung der Spitäler merklich geschrumpft.

Das ist wirklich böse. Und auch falsch: Die Spitäler unterliegen trotz der Auslagerung unserer Verantwortung, ich befinde mich im konstanten Dialog mit den Verwaltungsräten. Und wir beschäftigen uns mit so verschiedenen Themen wie Prävention, Suchtpolitik, Langzeitpflege, Lebensmittelsicherheit oder Tierschutz. Ich habe definitiv genug zu tun.

Vielleicht ist Ihre Arbeit einfach nicht so öffentlichkeitswirksam wie jene eines Baudirektors.

Unsere Themen sind im Vergleich oftmals weich und nicht so greifbar, teilweise handelt es sich auch um Tabus, wenn wir an Sucht und Demenz denken.

Sie sind aber schon eher der stille Schaffer im Hintergrund. So werden Sie immer wieder beschrieben. Ich könnte Sie mir jetzt auch nicht mit einer Schaufel in der Hand vorstellen.

Warum nicht? Solche Auftritte mag ich, sonst wäre ich nicht Politiker. Ich empfinde mich nicht als besonders still.

Sie könnten bald enorm im Fokus stehen, nämlich, wenn das Corona-Virus hier um sich greift. Ist Basel für den Ernstfall gerüstet?

Ja. Den Lead diesbezüglich hat das Bundesamt für Gesundheit. Kantonal sind wir für die Umsetzung von Notfallplänen und die Sicherstellung der Infrastruktur im Spital zuständig. Gegenwärtig fordert uns die Kommunikation. Wir haben entschieden, einzelne Verdachtsfälle nicht mehr zu kommunizieren. Das erzeugt nur Unruhe in der Bevölkerung. Erst, wenn Basel einen bestätigten Fall hat, wird informiert.

Im Herbst sind Wahlen. Werden Sie in Ihrem Amt bestätigt?

Das hoffe ich doch. Zuversichtlich stimmt mich, dass ich vor vier Jahren klar wiedergewählt wurde – im ersten Wahlgang.

Wird es nicht langsam Zeit, die Werbetrommel zu rühren?

Künstlich Aufregung zu erzeugen ist nicht meine Art. Die Leute erwarten von den Regierungsräten, dass sie seriös an ihren Themen arbeiten, und das tue ich. Der Wahlkampf beginnt für mich nach den Sommerferien.

Ihre Partei schwächelt seit Jahren. Wohin müsste sich die CVP bewegen, um in der Wählergunst zu steigen?

Unsere Positionierung als moderat bürgerliche Partei stimmt. Wir könnten uns aber durchaus mehr exponieren. Derzeit läuft eine Mitgliederbefragung, um die Meinung der Basis zu hören.

Auf Twitter hat der Wahlkampf bereits begonnen. Sie haben keinen Account?

Ich unterhalte eine eigene Website und einen Facebook-Account, das reicht. Ständig aktiv zu sein auf Social Media, frisst viel Zeit. Und auf Twitter ist man versucht, impulsiv und teilweise unsorgfältig eine Meinung kundzutun. Ich fasse meine Ansichten in einer wöchentlichen Kolumne auf Facebook und Website zusammen. Das ist ein Intervall, das nicht zu Fehlern verleitet.

Schlummert da etwa ein kleiner Lyriker in Ihnen?

(lacht)In der Schule liebte ich es, Aufsätze zu schreiben. Und seit jeher lese ich sehr gerne. Zurzeit liegt Gleis 4 von Franz Hohler auf meinem Nachttisch.

Worüber schreiben Sie?

Jetzt gerade über das Corona-Virus. Die letzte Kolumne handelte vom Brexit. Die hohen Gesundheitskosten in Basel habe ich auch schon thematisiert.

Wann werden diese endlich sinken?

Die Stadtbevölkerung wird immer älter, die Lebenserwartung und die Ansprüche steigen. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht. Wir streben deshalb ein flacheres Wachstum an.

Zurück zum Anfang. Da haben wir über physische Bewegung geredet. Was bewegt Sie emotional?

Im negativen Sinne: Rassismus. Im positiven: Ich höre sehr gerne Opern, da geht mir das Herz auf.

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