Coronavirus

Lukas Engelberger greift mit harten Massnahmen durch

Neue Massnahmen in Basel-Stadt: Lukas Engelberger greift durch.

Neue Massnahmen in Basel-Stadt: Lukas Engelberger greift durch.

Basel-Stadt beschliesst neue harte Massnahmen gegen das Coronavirus. Der Gewerbeverband reagiert empört.

Eines ist neu an dieser zweiten Coronawelle: Starrte die Bevölkerung im Frühling noch auf die täglichen Bundesratsmedienkonferenzen, sind jetzt vor allem die Kantonsregierungen die Überbringer schlechter Nachrichten. Was auch damit zusammenhängt, dass sich das Virus in den verschiedenen Regionen unterschiedlich entwickelt. Mehrere tausend Menschen verfolgten gestern Nachmittag den Livestream der Basler Regierungsräte Lukas Engelberger und Christoph Brutschin. Ihre Botschaft: Entgegen dem Schweizer Trend entwickeln sich die Fallzahlen in Basel-Stadt in eine zunehmend bedrohliche Richtung. 110 neue Ansteckungen verzeichnete der Kanton am Freitag. Inzwischen beanspruchen 26 Patienten Intensivpflege, darunter drei Kinder im Alter zwischen 9 und 14 Jahren.

Mit den Massnahmen den Trend steigender Zahlen brechen

«Wir müssen etwas tun», warnte Gesundheitsdirektor Engelberger eindringlich. Es gehe darum, den aktuellen Trend zu brechen. Ab Montag gelten deshalb wieder strengere Regeln: Bars und Beizen sind geschlossen, ebenso Sportanlagen wie Turnhallen und Hallenbäder, dazu Freizeiteinrichtungen wie Bowling und sämtliche Erotikbetriebe. Verstärkte Polizeikontrollen sollen für das Einhalten der Maskenpflicht in der Innenstadt sorgen.

Das kulturelle Basel kommt zum Erliegen; neu gilt eine Obergrenze von 15 Personen für Veranstaltungen. Auch wenn Engelberger das Wort nicht in den Mund nahm, das seit Monaten die Runde macht: Es ist zumindest ein teilweiser Lockdown. Bis 13. Dezember: So lange gilt die Frist für die neuen Massnahmen. Wirtschaftsdirektor Brutschin sagte, es sei wichtig, Wirtschaft nicht gegen Gesundheit auszuspielen. Er kündigte Finanzhilfen an, um insbesondere strauchelnden Gastro­nomen unter die Arme zu greifen.

Gewerbeverband unglücklich mit Massnahmen

Beim Basler Gewerbeverband stösst Brutschin damit auf taube Ohren. «Der wirtschaftliche Schaden in Basel-Stadt ist enorm», teilt der Verband mit. Man habe Verständnis dafür, dass der Kanton die Situation besser in den Griff bekommen wolle. Kritisch zu beurteilen sei, dass dies stark zu Lasten der Wirtschaft passiere. «Sehr bitter ist dies insbesondere für die Gastronomie», sagt Verbandsdirektor Gabriel Barell. «Die Unternehmerinnen und Unternehmer sowie die Mitarbeitenden haben mit grossem Aufwand Schutzkonzepte erstellt und umgesetzt.» Diese würden grossmehrheitlich gut funktionieren. Barell bedaure, dass nun eine Kehrtwende erfolge.

«Es müssen Massnahmen gefunden werden, die über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten werden können, ohne dass die Wirtschaft partiell geschlossen werden muss», so Barell weiter. Mit dem Lockdown einzelner Branchen steige der Bedarf an Unterstützung stark, um Arbeits- und Ausbildungsplätze zu retten. «Gerade mit Blick auf die für den Detailhandel so wichtige Adventszeit sind weitere Einschränkungen unbedingt zu vermeiden.»

«Das ist ein harter Schlag für die Branche», sagt auch Mathias Böhm von Pro Innerstadt Basel. Mit jeder Einschränkung werde es schwieriger. Seine Sicht ist differenzierter: «Aus unternehmerischer Sicht ist es vielleicht sogar einfacher, ganz zu schliessen.» Trotzdem sei man vielerorts gerade überrumpelt, wie schnell die Massnahmen getroffen wurden. Sie seien nachvollziehbar, aber doch sehr einschneidend. «Wenn wir nicht noch mehr Massnahmen wollen, müssen sich jetzt wirklich alle an die Regeln halten», mahnt Böhm. Der Basler Wirteverband prüft derweil, eine Klage einzureichen.

Im Baselbiet bleiben die Restaurants vorerst offen

Für Diskussionen sorgt zudem die Tatsache, dass in der Region einmal mehr nicht dieselben Coronaregeln gelten: Im Baselbiet bleiben die Restaurants (vorerst) offen. Hier sieht die Regierung derzeit von weiteren, kurzzeitigen Verschärfungen ab, wie Regierungssprecher Nic Kaufmann auf Anfrage betont. «Die Ausgangslage zwischen der Stadt und der Landschaft lässt sich nicht ganz vergleichen», sagt er. So gebe es im Baselbiet etwa keine Ausgehmeile wie die Basler Steinenvorstadt mit entsprechenden Menschenansammlungen.

Auch aus epidemiologischer Sicht besteht für die Baselbieter Regierung – Stand heute – kein dringender Handlungsbedarf. Die Zahl der Ansteckungen über die vergangenen zwei Wochen (14-Tage-Inzidenz) ist im Baselbiet im Gegensatz zur Stadt seit dem 4.November stabil. «Für die Regierung ist aber klar: Die Ansteckungszahlen sind zu hoch und müssen runter», sagt Kaufmann. Bevor weitere Massnahmen ergriffen werden, will man zuerst die Wirkung der jüngst getroffenen abwarten: So hat der Landkanton am 10. November eine konsequente Maskenpflicht in Innenräumen von Betrieben und öffentlichen Gebäuden beschlossen.

Meistgesehen

Artboard 1